Am 30.April fand in Rostock Lichtenhagen eine antifaschistische Demonstation mit 350 Teilnehmer_innen statt. Aufgerufen hatte ein linkes Bündnis, um einen Tag vor dem 1. Mai um daran zu erinnern, was für eine Politik hinter dem Aufruf der NPD steht. Am Ort des größten Pogroms des wiedervereinigten Deutschlands sollte ein deutliches Zeichen sowohl gegen Nationalesozialisten, als auch gegenüber all denen, die sich in Toleranz und Indifferenz gegenüber rechten Ideologien üben, gesetzt werden.

Ab 19 Uhr reisten immer mehr Antifas mit der S-Bahn im Stadtteil an. Kurz vor 20 Uhr strömten weitere Antifas und Anwohner_innen aus dem Viertel zum Auftaktkundgebungsplatz vor dem Sonnenblumenhaus.

Nachdem die Veranstaltungsleiterin die teilnehmenden Menschen begrüßt hatte, ging es über die Güstrower Straße Richtung Eutiner Straße. Interessierte schauten am Rande des Weges zu, einige Studierende schlossen sich der Demo an. In der Eutiner Straße wurde die Bevölkerung über hier wohnende Naziaktivisten informiert und zwei Redebeiträge abgespielt. Diese konnten leider nur von sehr wenigen Menschen verstanden werden, da sie aufgrund von technischen Schwierigkeiten sehr leise angespielt wurden. Die Demospitze machte allerdings auch ohne Musik und Mikrofon während der ganzen Zeit lautstark die Umstehenden auf das Anliegen der Demo aufmerksam.

In der Husumer Straße wurde während einer weiteren Zwischenkundgebung auf den hier wohnhaften NPD-Kader David Norbert Petereit aufmerksam gemacht. Ein anderer Redebeitrag beschäftigte sich mit der Forderung der Nazis die Gewerkschaften auflösen zu wollen und nahm Bezug auf die aktuelle Wirtschaftskrise und auf die Situation in Griechenland. Gegen die Krisen, die der Kapitalismus permanent aus sich heraus hervorbringt hilft keine Volksgemeinschaft, so hieß es, sondern nur die Solidarität und der Kampf gegen den alltäglichen Wahnsinn des Kapitalismus. Wie auch in den anderen Beiträgen wurde nochmals herausgestellt, dass die Krisenlösungsvorschläge der Nazis konsequent auf Ausgrenzung aller hinausläuft, die nicht ins Bild der Ideologie passen. Sie endet in nichts als Mord- und Todschlag und muss deshalb mit allen Mitteln bekämpft werden.

Einigen Anwohner_innen in der unmittelbaren Nachbarschaft von David Norbert Petereit missfiel die Kritik an Rassismus und Antisemitismus offenbar. Sie provozierten durch lautstarke Äußerungen und aufgehängte Deutschlandfahnen. Die Demonstration setzte sich nach der Kundgebung weiter fort und kam ein zweites Mal an der Wohnung des Naziaktivisten Martin Krause vorbei, der sich dieses Mal auch am Fenster zeigte.

Zurück in der Güstrower Straße wurde die Demo am Startpunkt vor dem Sonnenblumenhaus beendet, nachdem noch einmal an die Gewalt des Mobs von 1992 erinnert wurde. Gefordert wurde auch eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte ein, denn diese wird ersr aufgearbeitet sein, wenn die Ursachen des Geschehenen beseitigt sind. Wie richtig diese Worte waren, zeigte sich am folgenden Tag als ca. 60 Nazis versuchten aus ihrer Demo heraus an den Ort durchzubrechen, an dem der Rassismus der Lichtenhägener Straßen in Gesetzen festgeschrieben wurde.

Für die deutlichen Worte bedankte sich am Lautsprecher-Wagen ein Ehepaar, dass die Ereignisse damals miterlebt hatte und der Demo-Moderation dankend zustimmte.

Auf dem Bahngleis, von dem aus die meisten Antifaschistinnen und Antifaschisten abreisen wollten, kam es noch zu einem Angriffsversuch verärgerter Nazis. Diese warfen mit Bierflaschen von der Fussgängerbrücke auf den Bahnsteig. Verletzt wurde dabei niemand. Die überforderte Polizei konnte die Täter nicht fassen, räumte ihnen aber am nächsten Tag alle Steine aus dem Weg, damit sie für einen neuen Nationalsozialismus demonstrieren können.