Ein weiterer Bericht über den Aktionstag ist bei Indymedia erschienen, weil der inhaltlich zu gefallen weiß hier mal ein Vollzitat:

Mit Verspätung versucht nun auch noch das NPD-Portal MUPINFO eine Meldung zum antifaschistischen Aktionstag am 06. November in Demmin nachzuschieben. Und das lange durchgehaltene Schweigen, sowie der viel zu bemüht und aufgesetzt klingende Tonfall der Nazis kommen nicht von ungefähr.

Am vergangenen Samstag wurde einmal mehr eindrucksvoll gezeigt, dass der von den Nazis erhobene Anspruch auf kulturelle Hegemonie durchkreuzt werden kann, wenn es richtig angestellt wird. Bereits im Sommer hatten die Nazis in MV sehr allergisch auf eine Technoparty im ostvorpommerschen Ducherow reagiert. Das ist natürlich kein Wunder. Wer erfolgreich nationale Jugendarbeit macht, weil es schlichtweg kaum Alternativen gibt, der muss um seine Schäflein bangen, wenn es mal mehr zu erleben gibt als gealterte Straßenschläger, die mit wenigen Gitarrengriffen unterstützt am Lagerfeuer über den Volkstod jammern. Wo der Bass ruft, will kein junger Mensch mehr hinterm Hühnerstall vom Kameradschaftsführer „Fahnenschwenken nach deutscher Art“ üben oder stupide auf die Trommel kloppen. (Denn selbst das vergleichweise hedonistische und subkulturelle Phänomen der sog. „Autonomen Nationalisten“ ist ein Zugeständnis an die Zeichen der Zeit, sie stellen einen Abstrich dar, den auch die Führungsebene gegenüber den eigenen anachronistischen Vorstellungen machen muss, damit der ganze Quatsch ein wenig mehr Reiz erhält. In Wirklichkeit, das zeigt die aufwendige Mimesis, die liebevolle Nachahmung immer wieder, wären viele ANs lieber beim Original (präziser: sie wären gerne, das was sie dafür halten).)

In Demmin wurde freilich nicht nur allein auf den Reiz von subkultureller Abwechselung gesetzt, der in der Pampa allein schon genügen würde. Der Aktionstag hat dem musikalischen Event einen politischen Rahmen gegeben. Wichtig ist dabei gar nicht nicht so sehr, ob die vorgetragenen Erkenntnisse die allerneuesten und die Einschätzungen, die alleinig zutreffenden sind, sondern der Prozess in seiner Gesamtheit: Die gemeinsame Erfahrung des „Wir können es machen“. Die Botschaft des Tages war eindeutig: Ihr seid hier nicht allein, wir kämpfen den selben Kampf. Ihr habt recht damit, euch nicht wohlzufühlen bei denen die nur immer wieder Mord und Todschlag predigen. Und an jedem Tag an dem ihr mit Gewalt bedroht werdet und eingeschüchtert werden sollt, seid ihr Teil von etwas Größerem, seid ihr nicht allein.

Der Tag hat somit einen Riss in das Bild gefügt, dass die Nazipropaganda von den Zuständen im Land vermitteln will. Eine Hegemonie drückt sich nicht unbedingt dadurch aus, dass diese Propganda besonders stimmig ist, sondern in der Abwesenheit von Alternativen. Und die Wahrheit, dass es auch anders geht, ist für alle Anteilnehmenden und besonderem Maße für die Anwesenden in äußerst lebendiger Weise in Erscheinung getreten. Diese Öffnung, so klein und begrenzt sie auch gewesen sein mag zeigt: Es geht immer weiter, es ist nie zu spät oder zu übel!

Dass der Kampf gegen die Nationalsozialisten von heute unausweichlich ist, wissen Antifaschistinnen und Antifaschisten. Dass er gewonnen werden kann, haben die 350 Menschen am Wochenende erfahren. Und solcherlei Bildung ist ein irreversibler Prozess, diese Erfahrungen können nicht von außen vergessen gemacht werden. Die positive Energie dieses Tages, dieser Stunden sollten wir in unseren Herzen tragen und daraus Kraft schöpfen für das was auf uns zu kommt. Es wird schwer, es wird oft auch bitter werden; aber wir können ihnen etwas entgegensetzen, wir können kämpfen und wir können siegen.

…und niemand hat gesagt, dass es leicht werden würde.

„Wenn der Sinn von Politik Freiheit ist, so heißt dies, daß wir in diesem Raum -und in keinem anderen- in der Tat das Recht haben, Wunder zu erwarten. Nicht weil wir wundergläubig wären, sondern weil die Menschen, solange sie handeln können, das Unwahrscheinliche und Unerrechenbare zu leisten imstande sind und dauernd leisten, ob sie es wissen oder nicht.“ (- Hannah Arendt, Denken ohne Geländer)