Ein Artikel bei Spiegel Online über Verkehrsforschung und die aktuellen Engpässe auf Straßen, in Bahnen und in der Luft (oder eben am Boden des Flughafens) erinnert ein wenig an Jacques Rancières These, wonach der Liberalismus heute auf verquere Weise mit einer Kernaussage des Sozialismus ernst machen würde, nämlich mit dem Primat des Ökonomischen. Während es in marxistischer Theorie mit dem Verweis auf die übergreifende Logik des Kapitals um eine (auf Praxis zielende) Kritik an derselben ging, wird heute, Rancière zufolge, der Primat der Ökonomie als Entschuldingung dafür angegeben, nichts tun zu können. Regierungen würden in der heutigen postdemokratischen Zeit nur noch gewählt, um das Unvermögen gegenüber den Sachzwängen des Marktes zu verwalten.

Wie irrational dieser in seiner Zweckrationalität aber ist, illustriert der Artikel bei SpOn:

„Für die Bahn wäre es teuer, zusätzliche Züge auf Verdacht zu kaufen“, erklärt Herzog. Die Bahn rechne, wie jedes Unternehmen, betriebswirtschaftlich die Kosten für Reserven gegen die Kosten auf, die durch Ausfälle entstünden und komme wahrscheinlich zu dem Schluss, dass die momentane Lösung für sie die günstigste sei.

Mathematiker hilflos

Das Ganze ist aus Sicht des Verkehrsexperten also weniger ein Problem der Optimierung als vielmehr eine Frage der Prioritäten: „Solange der Bund verlangt, dass die Bahn hohe Profite abwirft und Ausfallsicherheit bestenfalls zweitrangig ist, wird sich daran nicht viel ändern…“

Die Frage, ob sich an den Prioritäten etwas ändert, ist offensichtlich keine, die vernünftig beantwortet werden kann, indem man wiederum die Ökonomie befragt, sondern eine politische. Wie dem auch sei, in diesem Jahr hat die Planwirtschaft der bei weitem besten, freiesten, fairsten und die gerechtesten Gesellschaft, die es jemals in der Geschichte der Menschheit gegeben hat (Karl Popper) auf jeden Fall mehrfach ordentlich abgekackt.

Siehe auch: BS im Februar diesen Jahres zum gleichen Thema