Nachdem die GEW Hochschulgruppe, die AG Bildungskeller und der VVN BdA am 11. Januar eine Veranstaltung mit dem linken Publizisten Jörg Kronauer zum Thema Burschenschaften durchgeführt hatten, bemühten sich die von ihm Kritisierten offenbar unmittelbar darum, das Studentenmagazin heuler einzuspannen, um ihre eigene Sicht der Dinge darzustellen. In der nun aktuell erhältlichen Ausgabe setzen Änne Cordes und Maximillian Berthold zur Ehrenrettung des „Verbindungsunwesens“ – wie es in der Veranstaltungsankündigung hieß – an.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht, allerdings füllte sich der Raum eben auch durch mindestens 40 Vertreter aller lokalen Verbindungen. Der Vortrag war sehr sachlich und umfassend. Da die anwesenden Verbindungsstudenten am liebsten über sich selbst redeten, kam es allerdings nicht wirklich zu einer Debatte, nachdem gefühlt jede einzelne Verbindung einen Vertreter in verschiedenen Varianten ihr Abgrenzungssprüchlein zu den Neonazis aufsagen ließ. Was Kronauer im Referat kompakt vortrug, konnten sich Interessierte jedoch auch im Vorfeld anlesen. Es umfasste im Ganzen, was der Text zur Veranstaltungsankündigung versprach. Eine Diskussion darüber hinaus, wäre allerdings auch spannend gewesen.

„Der Erzfeind der studentischen Verbindungen ist die Verallgemeinerung.“ – (Änne Cordes/Maximilian Berthold)

Der aktuelle Artikel im heuler geht nun völlig unkritisch die großen Schlagwörter Saufen, Singen, Schlagen und auch Seilschaften durch, mit der die Veranstaltung beworben wurde. Dabei kommen die lokalen Vertreter der hiesigen Verbindungen ausführlich selbst zu Wort. „Ja es stimmt“ heißt es beispielsweise „Burschenschafter trinken viel Bier.“ Dagegen hatte der Referent im Allgemeinen auch nichts einzuwenden. Kritisch stellte er allerdings den Ritualcharakter hinaus, den Drill beim Suff. Zu diesen obskuren Brauchtümern lassen sich die im Heuler Interviewten ein. Zum Aufnahmeritus der Nautischen Kameradschaft Poseidon heißt es etwa: „Zunächst kommt der Fuchsenritt, bei dem sich alle verkehrt herum auf die Stühle setzen und darauf durch den Saal hoppeln. Dann schwört der Fuchs seinen Eid und bekommt einen halben Liter Bier über den Kopf gegossen. Abschließend wird er mit einem Begrüßungsspruch und dem Fuchsenband in die Kameradschaft aufgenommen[…].“ Auch das in Rostock von drei Verbindungen praktizierte selbstverletzende Verhalten, dessen Resultate mit Stolz herumgezeigt werden, wird als Sport wie jeder andere dargestellt. – Nun wenn junge Männer in ihrem Leben nicht besseres zu tun haben, als hinter verschlossenen Türen auf Stühlen herumzuhoppeln oder sich im gegenseitigen Einvernehmen Schnittverletzungen zufügen, was soll man da schon dagegen haben? Es ist also nichts besonderes an diesen Burschen. Das ist die Denkweise, auf welche die Lesenden immer wieder getippt werden sollen, auch bzw. gerade wenn sie die Burschis nicht sonderlich sympathisch finden: Eine Reihe seltsamer Bräuche, ein Stil, der einen Tick zu arrogant ist, ein paar hässliche Narben zuviel – aber ganz sicher nicht gefährlich.

Alle Verhältnisse umwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist!

Die Kernvorwürfe des Sexismus, des Nationalismus und des Festhaltens und Propagierens von Autoritarismus werden im heuler-Artikel nur zur Sprache gebracht, um sie gleich wieder ad acta zu legen und eine neue lustige Posse aus dem Verbindungsleben vorzustellen. Was auch nicht tiefgehender Erwähnung findet und in der Veranstaltung ebenfalls leider nicht richtig thematisch wurde, sind die Verstrickungen der lokalen Verbindungen in die sog. „extreme Rechte“, von der sich pauschal alle Rostocker Verbindungen abgrenzen. Das heißt, es wäre interessant einmal der Frage nachzugehen, wie es denn tatsächlich um diese vorgeblich klare Trennungslinie bestellt ist. Doch für fortschrittlich gesinnte Studierende ist angesichts der, in der sog. Mitte der Gesellschaft vorhandenen, menschenfeindlichen Ideologien selbstverständlich klar, dass die politischen Gegner nicht erst dann entschieden bekämpft werden, wenn sie gegen die Spielregeln der FdGO verstoßen, sondern immer, wenn solches Denken propagiert wird.