Das Fleischervorstadt Blog meldet, dass nach der gestrigen Demonstration zum Erhalt des Häuserensembles Brinkstraße 16-17 eine Hausbesetzung stattgefunden hat.

…Nachdem der Demonstrationszug die Brinkstraße erreichte, dauerte es nicht lange, bis eine kostümierte Person an einem Fenster im Obergeschoss auftauchte und eine Erklärung verlas, die leider nicht sehr gut zu verstehen war, deren Inhalt sich aber mit den in diesem Kontext zur Genüge gedroschenen Schlagwörtern von A wie Abriss über G wie Gentrifizierung bis W wie bezahlbarer Wohnraum zusammenfassen lässt.

Die “Brinke WG” erklärte ihren kurzfristigen Einzug und hat das Obergeschoss des Hauses okkupiert. Die frischgebackenen Hausbesetzer beschreiben sich selbst als eine bunt gemischte Gruppe, die mit der Besetzung den Abriss des Ensembles zu verhindern sucht und für eine soziale Wohnungspolitik demonstrieren möchte. Sie besteht nach eigenen Angaben sowohl aus Greifswalder Bürgern, die in den 1980er Jahren den Flächenabriss in der Hansestadt mitbekommen haben und dessen Wiederholung verhindern wollen, als auch aus Zugezogenen, denen die herzliche Atmosphäre in der “Brinke” geholfen habe, sich in dieser Stadt willkommen zu fühlen. …

Das Fleischervorstadtblog beschreibt diese Besetzung mit einem vernehmbaren Unterton, aber sicher nicht ohne Sympathien als eine Art 90er Revival. Damals hatte Greifswald eine ganze Reihe besetzter Häuser. Es gibt da also durchaus Traditionen in der Stadt am Ryck. Die gesellschaftliche Situation, die damals den Hintergrund der Hausbesetzerbewegung bildete ist indes eine völlig andere als die heutige. Ging es in der Hausbesetzungsbewegeung, die um die Wendezeit herum auch in Ostdeutschland entstand um die Nutzung und Instandsetzung von leerstehendem Wohnraum, ist es heute vor allem die Bezahlbarkeit die im Zentrum der Auseinandersetzung von gegenwärtigen Mietkämpfen und den „Recht auf Stadt“ Netzwerken steht. Auch bei der Demonstration zum Erhalt der Brinke Straße ging es, um den Protest gegen eine vorrangig kommerzielle Stadtentwicklung, die sich nicht um die Interessen der Menschen schert, welche in den Städten leben.

Der Fortgang der aktuellen Besetzung in Greifswald lässt sich über einen Twitteraccount der BrinkeWG verfolgen, einen eigenen Blog gibt es auch. Doch die Besetzer_innen freuen sich bestimmt auch über solidarischen Besuch und Unterstützung vor Ort.

+++ Update +++

Mittlerweile haben die Ostsee-Zeitung und der Nordkurier über die Besetzung der Brinkestraße berichtet. In den Artikeln kommt auch die Frage einer polizeilichen Räumungsperspektive auf, und die klingt erstmal überraschend gut.

Nordkurier: Anarchie für eine bessere Zukunft

Etwas zurückhaltender lautet der Titel in der Ostsee-Zeitung: Hausbesetzer grüßen aus der Brinkestraße

Zum Ausgang des Gerichtstermins zur Räumung des Bioladens Sonnenmichel ist gegenwärtig (Stand 14:09 Uhr) noch nichts bekannt.