Archiv für die 'Praxis' Kategorie

GenderBenderActionDays in Greifswald

In der nächsten Woche gibt es von Donnerstag den 30.05.2013 bis Sonntag den 02.06.2013 in Greifswald wieder die Genderbender Actiondays. Auf den Aktionstagen geht es sowohl theoretisch als auch praktisch und abends jeweils musikalisch zur Sache. Dabei sind im Programm einige Punkte die sich “do it herself”-mäßig auf Selbsthilfe, Skillsharing und Aneignung konzentrieren. Da die innerhalb der Linken die Bekämpfung von Ungleichwertigkeitsideologien aber nicht nur den jeweils vorrangig Betroffenen aufgebürdet werden sollte, sondern gemeinsame Wege der Praxis auch ausgelotet werden müssen, um ihren Platz zu haben, sind auch sehr spannende Angebote für Nicht-Nicht-Männer dabei.

Hochspannend ist bspw gleich der erste Programmpunkt am Donnerstag

Donnerstag, 30.5.

20 Uhr // IKuWo // Vortrag „Islamischer Feminismus – ein Widerspruch in sich?!“

Seit den 1990er Jahren ist in den muslimisch geprägten Ländern ein Phänomen zu erkennen, das so garnicht in unser westliches Bild von den Muslimas passt. Gläubige Frauen der Mittel- und Oberschicht argumentieren mit den heiligen Texten des Islam für ihre Gleichberechtigung und eine Veränderung im bestehenden Geschlechterverhältnis. Kritiker_innen sehen hierin eine Unvereinbarkeit. Eine Religion, in diesem Falle der Islam, sei an sich patriarchal und könne deswegen generell nicht mit dem emanzipatorischen Anspruch des Feminismus vereinbart werden. Daher stellt sich die Frage: Islamischer Feminismus – ein Widerspruch an sich?

Die Gartensaison startet heute

Pack die Smena Symbol ein, lass das Fixie-Bike daheim und denn nüscht wie ab inn’ Garten… Heute abend macht der Freigarten wieder auf. Wetter ist zwar nicht nach Soja-Latte und Kuchenessen – wird aber bestimmt alles noch die Tage. Heute abend kann man auf jeden Fall auch ins Warme flüchten und mit dem Eintritt die Arbeit der antirassistischen Kampagne Stop-it! Rassismus bekämpfen – Alle Lager schließen! supporten.

Busse aus Vorpommern nach Güstrow

HGW hat es einfach mal drauf! :)

Um möglichst vielen Menschen am 23.03. die Möglichkeit bieten zu können, nach Güstrow zu fahren, wird es aus Greifswald Busse dorthin geben. Heute ab 16.00 Uhr, und dann immer zu den gängigen Öffnungszeiten, bekommt ihr die Tickets für 5€ plus Spende im hiesigen Infoladen Analog.

Weitere Möglichkeiten um in Greifswald Tickets zu erwerben sind das antirassistische Fußballturnier am Sonntag, den 17.03. in der Arndt-Sporthalle und natürlich die Informationsveranstaltung zu Güstrow am 19.03. um 20.00 Uhr im Koeppenhaus.

Vorbeikommen, Tickets kaufen und mitfahren!

Geil!

Alle Infos und Update immer hier: Klick!

Was ist los in Güstrow-Dettmannsdorf?

An einer Ausfallstraße geht kurz vor dem Ortsausgangsschild der „Wald-Weg“ ab. Die kleine Straße mit den Straßenschäden führt in eine Siedlung von kleinen zweistöckigen Einfamilienhäusern die zu DDR Zeiten gebaut wurden. Vor jedem Häuschen gibt es einen Vorgarten, hinten auf der Terasse versammelt man sich im Sommer zu Grillfeiern. Es ist ruhig in Güstrow-Dettmannsdorf. Außer einigen Rentnerinnen sind kaum Menschen auf der Straße unterwegs. Das erste Gebäude gleich neben der Abzweigung von der Ausfallstraße ist das alte Internat der Deutschen Bahn. Auf der von Wind und Wetter mitgenommenen Fassade kann man das ausgeblichene Firmenlogo erkennen. Aus dem Jägerzaun rund um das Gebäude sind die Latten herausgebrochen worden. Fenster und Türen des Hauses sind mit Brettern verrammelt und zugenagelt. Etliche Jahre liegt die letzte Renovierung dieses Hauses zurück das bereits zu Zeiten der DDR errichtet wurde. Hier, in dieses Haus am Rande der Stadt sollen die Flüchtlinge einquartiert werden. Dagegen machten unmittelbar nach dem ersten Bekanntwerden dieses Planes eine Gruppe von Anwohner_innen Front.

“Ich habe nichts gegen Ausländer. Aber…“ ‘Was ist los in Güstrow-Dettmannsdorf?’ weiterlesen

Neonazis wollen in Güstrow rassistische Stimmungen gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft schüren

Die Propaganda-Portal der NPD, MupInfo hat heute morgen eine Demonstration in Güstrow gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft im Ortsteil Dettmannsdorf angekündigt. Derzeit verbreitet sich diese Nachricht unter Antifaschist_innen in den sozialen Netzwerken. Dort heißt es unter anderem:

“Verbreitet die Nachricht. Wir werden die Nazis nicht ungestört laufen lassen. Rassisten stoppen!”

Derzeit ruft bspw. das landesweite Bündnis “Rassisten stoppen – Solidarität mit Flüchtlingen” via Facebook dazu auf, die Ankündigung der Nazis nicht hinzunehmen. In welcher Form sich der rassistischen Hetze entgegengestellt werden soll ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar. In Kürze wird es dazu aber sicherlich mehr Informationen geben.

Update:

Die antirassistische und antifaschistische Gruppe Güstrow lässt derzeit via FB folgendes verlauten:

Am 23.03. wollen die Nazis bei uns in Güstrow marschieren und gegen das Flüchtlingsheim hetzen! Das gilt es zu verhindern! Wir werden uns ihnen in den Weg stellen.

Nun ist es an der Zeit, den Faschisten zu zeigen, dass Güstrow kein ruhiges Hinterland ist. Es ist nicht ihre Homezone.

Wir planen bereits Gegenmaßnahmen und halten euch auf dem laufenden.

+1

Sehr gern sähe ich eine Form intellektueller Praxis verwirklicht, die nicht diktiert, die nicht eifert, sondern demütig genug ist, um zu erkennen, dass neue politische Ideen aus neuen Formen radikaler politischer Praxis erwachsen und dass wir häufig und bestenfalls Interpretatoren sind, die idealerweise in einer Geschenkbeziehung zu jemandem stehen, mit dem wir die Sehnsucht nach einer besseren Welt teilen.

David Graeber: Frei von Herrschaft – Fragmente einer anarchistischen Anthropologie

Leftvision: Zwangsräumung um jeden Preis – Widerstand wächst

Zunehmende kapitalistische Landnahme und dementsprechende Zwangsräumungen finden allerdings auch im Land der Krisenprofiteure in Deutschland statt. Doch der Widerstand wächst auch hier.

A Polite Revolution

Seit über einem Jahr ist Occupy London Stock Exchange vor den Stufen der St. Pauls Kathedrale geräumt. Die Bewegung als solche ist damit aus den Augen der breiten Medienöffentlichkeit verschwunden. Der Film über die Besetzung der Friern Barnet Libary zeigt die Perspektiven und leiseren Töne, in gewisse Hinsicht auch das Vermächtnis der großen spektakulären Besetzung nach der Räumung. In Barnet, einem der reicheren Außenbezirke Londons und einer Hochburg der Konservativen haben Occupy-Aktivisten gemeinsam mit Bewohner_innen aus der Nachbarschaft eine leerstehende Bibliothek besetzt und wieder eröffnet. Die Friern Barnet Libary sollte im Rahmen der Kürzungspolitik mit dem Großteil der öffentlichen Dienstleistungen des Stadtteils privatisiert, das heißt verkauft werden. Nach mehreren Monaten ist der Status der besetzen Bibliothek in Gerichtsverfahren legalisiert worden. Die Bürger_innen und Bürger haben den sozialen Anlaufpunkt in ihrer Gemeinde zurückerkämpft und Occupy London hat einen Weg gefunden wie man im Kernland des politischen Gegners mit direkten Aktionen und zivilem Ungehorsam aber auch Gespür für den richtigen Ton zur richtigen Zeit das Terrain umkrempeln und den Neoliberalen die Basis streitig machen kann. ‘A Polite Revolution’ weiterlesen

Protest, Mitte und Maßlosigkeit – Soziologen zu Deutschland

Eine Diskussion mit Herfried Münkler, Heinz Bude und Michael Hartmann zum Thema Protest, Mitte und Maßlosigkeit. Aus dem Ende des Jahres 2010. International ging es erst 2011 richtig ab. Aber die Konflikte um den Castor und S21 stellten in Deutschland auch schon das Momentum dar, welches sich in der Kette der Ereignisse im darauf folgenden Jahr fortsetzte. – Jetzt, 2 Jahre später steht es vorsichtig gesagt nicht mehr sehr gut um Stuttgart 21.

Teile 2-4 auf Youtube.

Selbstorganisation gegen die Krise

Großbritannien, Italien oder Spanien – es ist überall ähnlich. Im Zuge der neoliberalen Austeritätspolitik wird die soziale Sicherung abgedreht, Menschen die in der Krise unter die Räder geraten verlieren meist nicht nur den Job, sondern oft in der Folge auch die Wohnung. Neu gebaut wird nur was viel Profit abwirft, also vor allem Geschäftsraum und Eigentumswohnungen. Sozialer Wohnungsbau ist ein Relikt aus den Zeiten des Blockkonfliktes. Die menschenfeindliche Politik sorgt aber auch dafür, dass Bewegungen wie die Hausbesetzer eine Wiederbelebung erfahren.

Für die Jungle World hat sich Federica Matteoni neu-besetzte Häuser in Rom angeschaut.

KF: Protest bei Podiumsdiskussion an Universität Rostock

Ausführlicher Beitrag bei Kombinat Fortschritt über die Störung eines Auftrittes des Verfassungsschutz MV bei einer Podiumsdiskussion an der Universität Rostock.

Auf Nachfrage des ehemaligen Ausländerbeauftragten und Lichtenhagen-Zeitzeugen Wolfgang Richter zu rassistischen Ermittlungsansätzen der zuständigen Behörden antwortete Flenker, dass Rassismus ihm fern läge, schließlich sei sein Nachbar ein türkischer Gemüsehändler und deshalb könne er die Angehörigen verstehen. Auf die Nachfrage aus dem Publikum was denn geschähe, wenn der Verfassungsschutz abgeschafft würde antwortete Flenker, dass der Gesellschaft ein Frühwarnsystem verloren gehen würde – Frühwarn(!)system muss in den Ohren der Angehörigen und Freunde der 10 Mordopfer wie Hohn klingen. Aber was zählt in dieser Gesellschaft und dieser Behörde das Empfinden der Angehörigen?
Einen weiteren Tiefpunkt erreichte er, als er die Fehler des VS mit den Worten relativierte, dem Finanzamt würden bei der Steuererklärung eben auch Fehler passieren.

So ist das

Räumung eines Squats in London – Livestream

Wer mal sehen möchte wie Räumungen von besetzten Häusern im UK ablaufen, kann hier über diesen Bambuser Channel dabei sein, wenn heute ein Squat im Londoner Stadtteil Camden geräumt wird. Eine Besonderheit ist dabei scheinbar, dass die Gerichtsvollzieher die Räumung vollziehen müssen und dass die Polizei dabei nur assistierend zur Seite stehen darf.

Laut Aussagen aus einem der Videos ist das ganze Viertel rund um das Squat abgeriegelt und niemand bewegt sich auf den Straßen, außer den Beseter_innen, Unterstützer_innen und Legal-Observern, also so eine Art Demobeobachtung wie sie u.a. der AKJ aus HGW auch macht. Das Livestreaming ersetzt in diesem Fall die ausgesperrte Presse, denn egal ob der Filmer heute im Laufe des Tages von der Polizei noch eingesackt wird – alles was bis dann gefilmt wurde liegt dann bereits auf einem Server und ist im Internet nachvollziehbar. Auch beim Refugee-Protest in Berlin hatte sich bereits gezeigt, dass mit Bambuser sehr gut Polizeiübergriffe dokumentiert werden können, wenn die Presse nicht drauf halten kann oder will. Voraussetzung ist natürlich, die Einhaltung eines klaren Aktionskonsens, wenn es Livestreaming gibt. ;)

Mehr Hintergründe zum betroffenen Squat auf einer Londoner Hausbesetzer-Seite: Joy Vick: “Put property to productive use”

Mercedes Bunz (2012): Die stille Revolution

P.S.: Notiz zum Buch

Frau Bunz hat dem eigenen Bekunden nach im Sommer u.a. die Vita Activa gelesen. Das ist dem Buch “Die stille Revolution” auch anzumerken und das ist nebenbei einer der interessanten, weil weiter bedenkenswerten Punkte des Buches, weil Arendt ja nicht unbedingt die erste Wahl ist, wenn es darum geht, das Verhältnis von Netz und Politik zu theoretisieren. Immerhin dachte Arendt ja in ihrem Ideal des politischen Handelns an eine unmittelbare Erscheinung der politisch Handelnden voreinander, Bunz wiederum schreibt schwerpunktmäßig über die Digitalisierung, also über eine Vermittlung. Dass Arendts Theorie des politischen Handelns auf die aktuellen Bedingungen übertragen werden kann, soll hier in keiner Weise bestritten werden, im Gegenteil. Nur, wie die Übertragung der Stoßrichtung des arendtschen Verständnisses des politischen Handelns auf die Netzwerkgesellschaft konkreter ausbuchstabiert werden müsste, dass ist eine (der) Frage(n) die am Ende von “Die Stille Revolution” als ein interessantes Folgeproblem stehen bleibt. Aber interessante Fragen zu produzieren, das ist ja nicht das schlechteste was man über die Lektüre eines Buches sagen kann.

“Sichere Drittländer”

Der Spiegel hat einen Artikel über einen Bericht von Amnesty International zur Situation von Flüchtlingen in Griechenland. Dort werden die in Europa neu ankommenden Flüchtlinge in Lager gesperrt, auf den Straßen herrscht mörderische Gewalt. Im Zuge der Krise gewinnt die faschistische Partei Goldene Morgenröte immer mehr Zulauf und dies wirkt sich auch durch ein immer offeneres Ausagieren rassistischer Gewalt aus.

Dies alles sind Zustände für die das deutsche Asylrecht nach 1993 den Namen sicheres Drittland benutzt und in solche Zustände schickt die Bundesrepublik Flüchtlinge zurück, wenn sie nicht direkt nach Deutschland eingereist sind.