Archive for the ‘Praxis’ Category

Lesen lernen, zu lesen als wenn unser Leben davon abhängt #11

Sonntag, Mai 3rd, 2015

Tage an denen große Protestveranstaltungen anstehen, sind über die Dauer der Zeit in der Wahrnehmung oft geprägt von einer Mischung aus Hektik und Aufregung aber auch von Langeweile und Abwarten – oft ist es dabei eine angespanntes Warten, in dem sich beide Zustände vermengen. Dabei gerät an solchen Tagen oft eine Dimension aus dem Blick, die allerdings für Gelingen oder Scheitern der eigenen Ziele immens wichtig sein kann: die Beschaffenheit des Raumes. Selbst in Phasen des angespannten Wartens, etwa beim Sitzen in einer Blockade, liegt die Aufmerksamkeit oft vor allem auf den menschlichen Interaktionen. Aber von der Beschaffenheit des eher als Territorium verstandenen Containerraumes – von dem Inhalt und dessen Anordnungen – kann viel für die Möglichkeiten abhängen, ob in ihm durch das politische Handeln ein anderer, ein politischer bzw. politisierter Sozialraum wird, in dem das solidarische Handeln der Versammelten eine Handlungsmacht gegenüber den politischen Gegner_innen und der bewaffneten Polizei hervorbringt. Die Dimension des Raumes ist im Bewusstsein der Handelnden oftmals auf den einer Kulisse beschränkt. Dabei wirkt die Beschaffenheit des Raumes (- der Inhalt und seine Anordnung in einem Containerraum -) auch mehr oder weniger unbewusst darauf wie bedrohlich oder friedlich eine Situation erscheint.

Zum 1. Mai in Neubrandenburg gibt es bereits eine Reihe von Bilderstrecken. Sie zeigen vor allem die Handlungen von Menschen. Im Sinne einer Sensibilisierung für den Raum oder möglicherweise sogar einer kleinen Psychogeographie des 1. Mai werden in diesem Beitrag abseitige Bilder des Tages gezeigt, welche in den kurzen Momenten zwischen Phasen erhöhter Intensität aufgenommen wurden. Es sind kleine Augenblicke, die ein Stück weit aus der sozialen Zeit des Protestgeschehens herauszufallen scheinen. Solche Augenblicke können aber eine Reihe Fragen aufwerfen: Wo bin ich hier? Was mache ich hier eigentlich gerade? Was bedeutet das alles? (mehr …)

Gegen die unerträgliche Hetze

Montag, März 23rd, 2015

Wer in den letzten Tagen die Presseschau im Radio oder Fernsehen gehört oder gesehen hat, wird nicht umhin gekommen sein, die wieder anschwellende Hetze und das verstärkte Abfeuern von Nebelkerzen in der Frage der griechischen Schuldenkrise zu vernehmen. Das Neue Deutschland hat speziell zur Rolle der Bildzeitung einen uneingeschränkt empfehlenswerten Artikel veröffentlicht.

Für alle, die zu faul sind sich selbstständig zu dem Thema zu belesen, sei dann hier eine Dokumentation empfohlen, welche die Geschichte der Krise aus einer parteiischen Position heraus in der Perspektive der Betroffenen erzählt. Die Doku zeigt die Lebensrealitäten der Menschen, denen alles genommen wurde und die angeblich immer noch über ihre Verhältnisse leben ebenso wie den Aufstieg der Nazis von Chrysi Avgi.

Das Anschauen des Filmes sollte auch über die tiefe Trauer angesichts einiger zerbrochener Fensterscheiben und abgebrannter Polizeifahrzeuge hin Frankfurt am Main hinweghelfen und möglicherweise ein wenig mehr Engagement und Solidarität der deutschen Linken befördern helfen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

David Graeber: Why is the world ignoring the revolutionary Kurds in Syria?

Mittwoch, Oktober 8th, 2014

Beim Lesen in Peter Weiss‘ Roman „Die Ästhetik des Widerstandes“ sind mir kürzlich immer wieder die Parallelen vom Geschehenlassen des Vormarsches der IS durch die anhaltende Diskriminierung kurdischer Organisationen in Europa und der literarischen Schilderung des Vormarsches des Faschismus in Spanien in den 1930er Jahren in den Sinn gekommen. Vor dem Hintergrund der eigenen Familiengeschichte zieht David Graeber, dessen Vater mit den internationalen Brigaden in Spanien gegen die Faschisten kämpfte, eben diese Parallele in einem Text beim Guardian. Darüber hinaus gibt er auch einen Überblick über die Wandlungsprozesse, die die PKK in den letzten Jahren vollzogen hat und erinnert daran, dass in Kobanê nicht DER Westen sondern ein basisdemokratisches Projekt verteidigt wird:


The autonomous region of Rojava, as it exists today, is one of few bright spots – albeit a very bright one – to emerge from the tragedy of the Syrian revolution. Having driven out agents of the Assad regime in 2011, and despite the hostility of almost all of its neighbours, Rojava has not only maintained its independence, but is a remarkable democratic experiment. Popular assemblies have been created as the ultimate decision-making bodies, councils selected with careful ethnic balance (in each municipality, for instance, the top three officers have to include one Kurd, one Arab and one Assyrian or Armenian Christian, and at least one of the three has to be a woman), there are women’s and youth councils, and, in a remarkable echo of the armed Mujeres Libres (Free Women) of Spain, a feminist army, the “YJA Star” militia (the “Union of Free Women”, the star here referring to the ancient Mesopotamian goddess Ishtar), that has carried out a large proportion of the combat operations against the forces of Islamic State.
How can something like this happen and still be almost entirely ignored by the international community, even, largely, by the International left? Mainly, it seems, because the Rojavan revolutionary party, the PYD, works in alliance with Turkey’s Kurdish Worker’s Party (PKK), a Marxist guerilla movement that has since the 1970s been engaged in a long war against the Turkish state. Nato, the US and EU officially classify them as a “terrorist” organisation. Meanwhile, leftists largely write them off as Stalinists.
But, in fact, the PKK itself is no longer anything remotely like the old, top-down Leninist party it once was. Its own internal evolution, and the intellectual conversion of its own founder, Abdullah Ocalan, held in a Turkish island prison since 1999, have led it to entirely change its aims and tactics. …

Über die Autonomie in Rojava und die Einrichtung der Basisdemokratie dort seit dem Jahr 2011 berichtet heute abend eine Infoveranstaltung im Café Median in Rostock:


Infoveranstaltung zum IS und der Situation in Kobanê
Café Median | Mittwoch, 08.10.2014 | 20.00 Uhr

In Rojava (Westkurdistan/Nordsyrien) entwickelt sich gerade ein Gesellschaftsmodell, welches versucht Basisdemokratie, Säkularität und feministische Emanzipation umzusetzen. Im dortigen Autonomiegebiet soll eine Gesellschaft jenseits von Nationalstaat und ethnischer oder religiöser Spaltung vorangetrieben werden. Derzeit werden diese Bestrebungen durch das Vorrücken und die Angriffe des Islamischen Staates (IS) bedroht, der im Begriff ist die eingekesselte Stadt Kobanê einzunehmen. Bis jetzt konnten die den Panzern und schweren Geschützen vom IS waffentechnisch unterlegenen Selbstverteidigungseinheiten der Autonomieregion (YPG/YPJ) zusammen mit Kämpfer_innen der PKK Kobanê gegen den IS verteidigen. Während die PKK in vielen Ländern noch als terroristische Organisation gilt, unterstützte der NATO-Partner Türkei lange den IS. In vielen Ländern finden seit Tagen Proteste statt, die ein Eingreifen in die Geschehnisse in Kobanê fordern. Die Veranstaltung informiert über die aktuellen Entwicklungen in Kobanê und das Vorrücken der IS.

Lässt sich die Brinke-WG in einem internationalen Kontext betrachten?

Mittwoch, Oktober 8th, 2014

Drüben bei Kombinat-Fortschritt gibt es eine Reportage mit Bildern von der seit über 6 Tagen anhaltenden Besetzung der Brinkstraße 16-17 in Greifswald. In Zeiten in denen seit Jahrzehnten neue Hausbesetzungen innerhalb der ersten 24 Stunden geräumt werden, ist dies ein sehr bemerkenswerter Umstand. Die Besetzung in der Brinkstraße hat aber auch nichts mit den Bildern von militantem Straßenkampf, wie er in den frühen 1980er Jahren in Westdeutschland und in Ostdeutschland in den frühen 1990ern praktiziert wurde (-unter etwas anderen Umständen übrigens auch in Greifswald, wo Nazis selber besetzten und linke und alternative besetzte Häusern mit Steinen und Molotov-Cocktails angriffen), zu tun. Wenn man die aktuelle Besetzung mit etwas vergleichen will, scheint es in Deutschland im Moment nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten zu geben.

In internationaler Perspektive sieht dies schon anders aus. (mehr …)

Greifswald: Brinkestraße 16-17 nach Demonstration besetzt – Update (02.10.2014)

Mittwoch, Oktober 1st, 2014

Das Fleischervorstadt Blog meldet, dass nach der gestrigen Demonstration zum Erhalt des Häuserensembles Brinkstraße 16-17 eine Hausbesetzung stattgefunden hat.

…Nachdem der Demonstrationszug die Brinkstraße erreichte, dauerte es nicht lange, bis eine kostümierte Person an einem Fenster im Obergeschoss auftauchte und eine Erklärung verlas, die leider nicht sehr gut zu verstehen war, deren Inhalt sich aber mit den in diesem Kontext zur Genüge gedroschenen Schlagwörtern von A wie Abriss über G wie Gentrifizierung bis W wie bezahlbarer Wohnraum zusammenfassen lässt.

Die “Brinke WG” erklärte ihren kurzfristigen Einzug und hat das Obergeschoss des Hauses okkupiert. Die frischgebackenen Hausbesetzer beschreiben sich selbst als eine bunt gemischte Gruppe, die mit der Besetzung den Abriss des Ensembles zu verhindern sucht und für eine soziale Wohnungspolitik demonstrieren möchte. Sie besteht nach eigenen Angaben sowohl aus Greifswalder Bürgern, die in den 1980er Jahren den Flächenabriss in der Hansestadt mitbekommen haben und dessen Wiederholung verhindern wollen, als auch aus Zugezogenen, denen die herzliche Atmosphäre in der “Brinke” geholfen habe, sich in dieser Stadt willkommen zu fühlen. …

Das Fleischervorstadtblog beschreibt diese Besetzung mit einem vernehmbaren Unterton, aber sicher nicht ohne Sympathien als eine Art 90er Revival. Damals hatte Greifswald eine ganze Reihe besetzter Häuser. Es gibt da also durchaus Traditionen in der Stadt am Ryck. Die gesellschaftliche Situation, die damals den Hintergrund der Hausbesetzerbewegung bildete ist indes eine völlig andere als die heutige. Ging es in der Hausbesetzungsbewegeung, die um die Wendezeit herum auch in Ostdeutschland entstand um die Nutzung und Instandsetzung von leerstehendem Wohnraum, ist es heute vor allem die Bezahlbarkeit die im Zentrum der Auseinandersetzung von gegenwärtigen Mietkämpfen und den „Recht auf Stadt“ Netzwerken steht. Auch bei der Demonstration zum Erhalt der Brinke Straße ging es, um den Protest gegen eine vorrangig kommerzielle Stadtentwicklung, die sich nicht um die Interessen der Menschen schert, welche in den Städten leben.

Der Fortgang der aktuellen Besetzung in Greifswald lässt sich über einen Twitteraccount der BrinkeWG verfolgen, einen eigenen Blog gibt es auch. Doch die Besetzer_innen freuen sich bestimmt auch über solidarischen Besuch und Unterstützung vor Ort.

+++ Update +++

Mittlerweile haben die Ostsee-Zeitung und der Nordkurier über die Besetzung der Brinkestraße berichtet. In den Artikeln kommt auch die Frage einer polizeilichen Räumungsperspektive auf, und die klingt erstmal überraschend gut.

Nordkurier: Anarchie für eine bessere Zukunft

Etwas zurückhaltender lautet der Titel in der Ostsee-Zeitung: Hausbesetzer grüßen aus der Brinkestraße

Zum Ausgang des Gerichtstermins zur Räumung des Bioladens Sonnenmichel ist gegenwärtig (Stand 14:09 Uhr) noch nichts bekannt.

Was bedeuten die Erfolge der AfD bei den Wahlen in Thüringen und Brandenburg für die Antifa in MV?

Sonntag, September 14th, 2014

Nach der Landtagswahl in Sachsen ist die Alternative für Deutschland in zwei weitere Landesparlamente eingezogen. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Auszählung in Thüringen und Brandenburg zieht die AfD mit jeweils 10,4 % in den Erfurter – und 12,0 % in den Potsdamer Landtag ein*. Was bedeutet dieses neuerliche Erfolgsergebnis für die antifaschistische Linke in Mecklenburg-Vorpommern?** (mehr …)

Es gibt nicht viel zu verlieren.

Donnerstag, September 11th, 2014

Die Bewegung stand zuletzt nicht gut da. Die NSU-Mordserie hatte auch sie kalt erwischt. Die jüngsten Asylproteste organisierten die Flüchtlinge weitgehend autark, nur punktuell gesellten sich Autonome dazu. Zur Debatte über die Massenüberwachung blieb die Antifa stumm. Selbst der Aufstieg der Alternative für Deutschland, die derzeit hart nach rechts außen steuert, fand dort kaum Resonanz.
Die ALB formuliert es schonungslos. In einer „Schockstarre“ befinde sich die radikale Linke. Vieles sei „Stillstand und Phrasendrescherei“.

aus der Taz

Leftvision: Die Festung Europa vor meiner Haustür – Teil 1

Dienstag, September 2nd, 2014

Vor einigen Wochen, kurz nachdem die Polizei die Belagerung der von Refugees besetzen Schule in der Ohlauer-Straße beendet hatte, haben die Genoss_innen von TOP Br3lin eine Podiumsdisskussion zu diesem Thema im SO36 abgehalten. Unseren Mitschnitt der Veranstaltung seht ihr hier.

Hier der Ankündigungstext der Veranstaltung:

Die erzwungene Räumung und Belagerung der von Flüchtlin­gen be­wohnten Gerhart-Hauptmann-Schule war für die meisten ein Schock. Doch in kürzester Zeit entstanden auch unter­schiedliche Formen von Widerstand und Solidarität – in der Schule, im Kiez und in der ganzen Stadt. Durch den massiven Polizeieinsatz hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg etwas von der Gewalt und Diskriminierung greifbar ge­macht, der Ge­flüchtete in Deutschland und Europa tagtäglich ausge­setzt sind. Mit ih­rer Dachbesetzung haben die Geflüchteten ihre Ent­schlossenheit unterstrichen, gegen diese Verhältnisse zu kämp­fen. Bezirk und Senat ignorieren die Kernforderungen der Flüchtlingspro­teste, brechen ihre Zusagen und weigern sich, bestehende rechtliche Möglichkeiten zu nutzen, etwa ein Blei­berecht nach §23 Aufenthalts­gesetz. Wie gehen wir mit diesen Erfah­rungen um, wie können wir Solidarität und Widerstand weiter entwickeln? Darüber wollen wir sprechen, mit

Adam Bahar (Oranienplatz und Ohlauer Str.)
Berenice Böhlo (Flüchtlingsanwältin)
Nachbarschaftsinitiative Ohlauer Straße
TOP B3rlin
Moderation: Marcus Staiger (Journalist, VICE)

Was mich ja schon ein bisschen verwundert ist, der enorme Erfolg in der Rezeption, den das Vice Magazine bei der Antifa hat. Scheinbar knüpft das an den Erfolg der Straßen aus Zucker an, welche – eigentlich mal als Schüler_innenzeitung geplant – der breiten linken Szeneöffentlichkeit die Themen der radikalen Linken in einfach erklärt hat. Bei den Videos von Marcus Staiger für Vice (- der schreibt übrigens auch nen Blog und längere Texte in Zeitungen, falls jemand doch an solch einem Format noch Interesse haben sollte -) ist das natürlich nochmal ne Nummer einfacher, die muss man dann nur noch Anschauen und Liken.

Occupied Times of London: Cyber-autonomy – A Tactical Approach to Media

Mittwoch, August 27th, 2014

In der aktuellen Ausgabe der Occupied Times, einer selbstproduzierten Zeitung die aus der Londoner Occupy Bewegung hervorgegangen ist, findet sich ein hochspannender Artikel über Medienaktivismus. Was den Beitrag so lesenswert macht, ist dass die beiden Autor*innen, derjenigen Generation des Webaktivismus angehören, die am Ende der 1990er Jahr Indymedia entwickelt haben. Im Text wird die gegenwärtige taktische und strategische Lage des Webaktivismus vor dem Hintergrund dieser Geschichte und damit in historischer Perspektive diskutiert.

Public debate on digital media tends to be organised in “either-ors.” Such polarisation allows for clarifying positions, but it doesn’t do justice to the messy dynamics of everyday digital practice. Paolo Gerbaudo’s recent contribution on internet activism in OT24 is no exception. He contrasts what he calls a “cyber separatist strategy” allegedly pursued by veterans of the anti-globalisation movement with “occupying the digital mainstream,” which he sees as a more inclusive and forward-looking strategy adopted by contemporary tech activists. (mehr …)

What happens in Ferguson does not stay in Ferguson

Montag, August 25th, 2014

Kommt es mir nur so vor oder erlebt Walter Benjamins „Kritik der Gewalt“ in letzter Zeit einen großen Aufschwung?

What happens in Ferguson does not stay in Ferguson

For African Americans, the state of emergency has long been a permanent one. Now, under neoliberalism, it is fast becoming generalized across the globe.

Last week, the Governor of Missouri declared a state of emergency and deployed the National Guard to the St Louis suburb of Ferguson to quell a fortnight of civil unrest following the police murder of the unarmed black teenager Michael Brown. It was the first time since the Los Angeles riots of 1992, after the severe police beating of another black man, Rodney King, and the Battle of Seattle during the WTO trade negotiations seven years later, that the army had been called in to restore public order within US borders. […]

Heike Kleffner: Fünf Monate »Antirassistisches Zentrum« – Die Besetzung der TU Berlin 1991/92

Freitag, April 25th, 2014

Als am Anfang des Monats April 2014 ein Teil der Flüchtlinge die zuvor am Oranienplatz gelebt hatten, begann die Hütten und Zelte der OPlatz-Besetzung abzureissen und damit das Ende des Protestcamps einläuteten, war schnell das Wort von einer gezielten Spaltung der Flüchtlinge die Rede. Die Schwierigkeiten Menschen in einem gemeinsamen politischen Prozess zu organisieren, die durch zahlreiche Unterschiede in der Staatsbürgerschaft, dem Fluchtgrund, dem Fluchtweg, der Sprache, dem Geschlecht, etc. gespalten werden können sind dabei nicht neu. Ein Artikel beim Blog Schattenbericht über die autonome Besetzung der TU 1991/92 und der Gründung eines Antirassistischen Zentrums zeigen, bei den vielen Unterschieden die es zwischen heute und den frühen 1990er Jahren geben mag auch viele Gemeinsamkeiten auf. Gerade diese historische Perspektive macht den Artikel so lesenswert, zeigt er doch, dass der Umgang von zuständigen Behörden und Politiker_innen der politischen Parteien Eigenlogiken folgt, die keineswegs neu sind. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass antifaschistische und antirassistische Bewegungen auch ihre eigene Geschichte aufschreiben und weitergeben. Der Artikel von Heike Kleffener leistet dazu einen guten Beitrag.

Link:
Fünf Monate »Antirassistisches Zentrum« – Die Besetzung der TU Berlin 1991/92

Der 1. Mai in Rostock Dierkow und Toitenwinkel im Überblick

Freitag, April 18th, 2014

Am 1.Mai will die NPD wieder einmal in Rostock aufmarschieren. Wie auch in den letzten Jahren versuchte sich die Nazipartei möglichst lange bedeckt zu halten, um Gegenproteste zu erschweren. Seit mehreren Wochen wird nun aber offen mobilisiert. Doch auch die Rostocker Zivilgesellschaft und die antirassistischen und antifaschistischen Gruppen und Initiativen reagiert nun wahrnehmbar auf den drohenden Aufmarsch der Neonazis.

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Der Rostocker Migrantenrat hat eine Demonstration angemeldet und mobilisiert dazu gemeinsam zum Gedenkort für das NSU Opfer Mehmet Turgut nach Dierkow und Toitenwinkel zu kommen und gegen Nazis zu demonstrieren Der Migrantenrat ruft des weiteren alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich an den in Planung befindlichen vielfältigen Gegenaktionen am 01. Mai 2014 in Rostock beteiligen. In der Pressemitteilung heißt es unter anderem „Gebt den Neonazis keine Plattform, um ihre Parolen zu verbreiten. Lasst nicht zu, dass das Gedenken an Mehmet Turgut verhöhnt wird.“.

Ein landesweites Bündnis antifaschistischer Gruppen und Strukturen, ruft auf dem Blog http://nazisstoppen.blogsport.eu/ dazu auf, sich an den Gegenaktivitäten zu beteiligen. In ihrem Aufruf betonen die Antifas dass der 1. Mai ist der Kampftag für die soziale und ökonomische Befreiung der ArbeiterInnenklasse ist. „An diesem Tag, wie auch an jedem anderen Tag im Jahr, wendet sich dieser politische Kampf gegen die faschistische Ideologie der Ungleichwertigkeit, welche die Menschen gegeneinander aufhetzt. Wir kämpfen für eine Gesellschaft des selbstbestimmten Lebens und des solidarisch bestimmten Handelns, das frei ist von Mechanismen der Ausgrenzung und jeglichen Herrschaftsverhältnissen.“ Eine solche befreite Gesellschaft könne es mit Nazis niemals geben – so die Antifas in ihrem Aufruf.

Auch die Greifswalder Antifagruppe Defiant mobilisiert nach Rostock. Die Gruppe weist dabei insbesondere auf den 27.04. hin. An diesem Demo-Vorbereitungstag geht es im Jugendzentrum Klex darum, sich aktiv auf Proteste gegen Nazis sowie Demonstrationen und Proteste generell vorzubereiten. Es wird laut Defiant Infos zu den aktuellen Terminen, zu rechtlichen Hintergründen sowie Tipps und Tricks geben. Des weiteren werden wir ein Blockadetraining durchführen sowie andere Situationen durchspielen, die wichtig sein können. Prämisse ist hierbei der gewaltfreie Protest. Ebenfalls wollen wir uns gemeinsam über Ängste und Eventualitäten an solchen Tagen austauschen.

Und unter dem Hashtag #1mHRO zwitschert es in den sozialen Medien. Der Twitteraccount @1m_rostock ist derzeit scheinbar gesperrt. (Stand: Freitag Mittag)

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1.Mai Nazis stoppen!

Donnerstag, April 17th, 2014

PM des Migrantenrates Rostock zu einer Demo am 1.Mai:

Vielfältige Aktionen am 01. Mai 2014 gegen die NPD – Demo in Rostock

Am 01. Mai 2014 wollen Anhänger der NPD unter dem Motto „Arbeit-Heimat-Zukunft- wir kämpfen für Deutschland“ wieder durch unsere Stadt ziehen. In den Stadtvierteln Dierkow und Toitenwinkel wollen sie diesmal ihre menschenverachtenden und hetzerischen Parolen verbreiten. Die Marschroute der Neonazis führt unter anderem nur einige 100 Meter von der Gedenkstätte Mehmet Turguts vorbei. Dies stellt eine Missachtung des Gedenkens an die NSU-Opfer dar. Mehmet Turgut wurde am 25. Februar 2004 in einem Imbiss an der Stelle der Gedenkstätte von NSU-Mitgliedern brutal ermordet.
Wir, der Migrantenrat Rostock, ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich an den in Planung befindlichen vielfältigen Gegenaktionen am 01. Mai 2014 in Rostock beteiligen. Gebt den Neonazis keine Plattform um ihre Parolen zu verbreiten. Lasst nicht zu, dass das Gedenken an Mehmet Turgut verhöhnt wird.
Um 10.00 Uhr ist eine zentrale Demonstration an der Holzhalbinsel geplant. Anschließend wird eine Mahnwache an der Gedenkstätte im Neudierkower Weg stattfinden, bis die Neonazis Rostock verlassen haben.

Care Debatte in der Jungle World

Dienstag, März 25th, 2014

Gefällt mir ganz gut, der Beitrag von um’s Ganze in der aktuellen Jungle World zur Care Debatte:

Das von Judith Butler angestoßene »Queer-Theorem« hat – zumindest in Deutschland – fast alle bisherigen Debatten auf den Müllhaufen der Geschichte verfrachtet. Zwar ist der dekonstruktivistischen Intervention von Butler und anderen Theoretiker_innen in die Frauen- und Geschlechterforschung die radikale Kritik an Zweigeschlechtlichkeit, Heteronormativität und dem Objektivitätsanspruch der (Natur-)Wissenschaft, vor allem in Gestalt von Biologie und Medizin, zu verdanken. Es war wohl eine der wichtigsten Einsichten der Gender Studies, dass Frau­enbewegung und Geschlechterforschung durch ihren Fokus auf Geschlecht diese Kategorie selbst hervorhoben, anstatt auf dessen Überwindung hinzuarbeiten. Allerdings hat die Konzentration der Gender Studies auf die Diskursivität und Performanz von Geschlechtlichkeit umgekehrt oft konkrete Analysen der materiellen Bedingungen von Normen und Ungleichheiten übersprungen. Die Frage, wie Geschlechtlichkeit als soziales Verhältnis entsteht und warum es beständig (wieder-)hergestellt wird, wurde aus dem Blick verloren – und so ihre Strukturierung in und durch kapitalistische Verhältnisse und nationale Interessen ignoriert.

In der ak gab es dazu allerdings schon mehr zu lesen.

Es ging nie nur um Bäume

Donnerstag, März 13th, 2014

A documentary by Sabine Küper-Büsch and Thomas Büsch about the culture of capuling during the protests in Turkey in the summer of 2013.

Tear Gas and Graffiti from InEnArt on Vimeo.


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