Archive for the ‘read so hard’ Category

Autonomy & Self-Organization in the Revolutions of Everyday Life

Samstag, Januar 31st, 2015

Imagination is not ahistorical, derived from nothing, but an ongoing relationship and material capacity constituted by social interactions between bodies. While liberatory impulses might point to a utopian (no)where that is separate from the present, it is necessary to point from somewhere, from a particular situated imagining. The task is to explore the construction of imaginal machines, comprising the socially and historically embedded manifestations of the radical imagination. Imagination as a composite of our capacities to affect and be affected by the world, to develop movements toward new forms of autonomous sociality and collective self-determination.

Stevphen Shukaitis- Imaginal Machines: Autonomy & Self-Organization in the Revolutions
of Everyday Life

We ready for di road

Montag, März 10th, 2014

Bin am Wochenende auf Jocelyne Guilbault und ihre wissenschaftliche Beschäftigung mit Soca gestoßen:

In this essay, I focus on soca, a music that has been criticized by numerous journalists, academics, calypsonians, politicians, and listeners for not engaging the political. Instead of dismissing soca as a legitimate critical public discourse, I address soca in relation to its politics of pleasure and the cultural work that live soca performances achieve through the creation of what I refer to as intimacies. Drawing on Lisa Lowe’s critical insights, I use the word “intimacy” in two ways: to speak about the spatial proximity soca helps create, and to address the variety of contacts among people that it makes possible. Based on these definitions, this study focuses on the public intimacies enabled by live performances of soca by examining how they unfold among artists on stage, between the artists on stage and their audiences, and among audience members during the performance. This study shows how the pleasures and public intimacies enabled by these live performances do not come free, but rather work at times to reformulate long-held cultural understandings of things such as race, class, gender and sexuality, and at other times, to reinforce them.

Wer sich allerdings zunächst mal in die Materie einhören will, kann dies zum Beispiel hier machen:

Lesen lernen, zu lesen als wenn unser Leben davon abhängt #7

Mittwoch, Februar 26th, 2014

…und der Regent ließ die Müden und Ausgehungerten wissen, daß er sich um sie sorgte und mit ihnen litt, und mit schweigendem Erstaunen erfuhren die Zuhörenden, daß das, was über sie verhängt worden war, der Ausnahmezustand war.

Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands

Stories from Brooklyn

Freitag, Januar 31st, 2014

Es ist wahrscheinlich ein Fall von selektiver Wahrnehmung. Zuerst habe ich interessiert drauf geklickt und dann kurze Zeit später noch zwei mal. Hier sind jedenfalls drei Artikel über das Leben im sich dramatisch gentrifizerenden Brooklyn.

On Bed-Stuy

Brandon Harris schrieb im Magazin n+1 einen Text über sein Leben in Bedford-Stuyvesant, und die Repräsentation des Viertel in Rap und Film.

Hidden City

Danach bin ich über einen älteren Link gestolpert indem thematisiert wurde, dass Brooklyn nach Manhattan der zweitteuerste Ort zum Leben in den USA geworden ist. Im New Yorker schreibt Ian Frazier über steigende Obdachlosigkeit in New York die zu dieser Aufwertung nun einmal dazugehört.

My Brooklyn, not yours

Laura Tanenbaum schreibt im Jacobin Magazine über die Rolle von Künstlern und Hipstern in den Aufwertungsprozessen in Brooklyn.

How Sandy Has Changed the Game in Coney Island

Timothy Bidon schreibt im Indymedia-Print Magazin Indypendant wie sich der Hurrikan Sandy positiv für die Großinvestoren auswirkt und wie neue Verdrängungswellen in Gang gesetzt werden.

Olaf Scholz: #dankepolizei für das Gefahrengebiet

Donnerstag, Januar 9th, 2014

Die Springer-Presse hat ein Interview mit Hamburgs regierenden Oberbürgermeister Olaf Scholz gemacht. Der sagt dort unter anderem:

„In einer solchen Situation ist es notwendig, dass der Staat handelt und für die Sicherheit der Bürger sorgt. Wer in Hamburg lebt und sich hier auskennt, der weiß, dass unsere Polizei sehr besonnen handelt.
Die machen gute Arbeit […].“

Wie das wohl die Menschen sehen, die im #Gefahrengebiet leben und sich dort auskennen und jeden Abend das besonnene und verhältnismäßige Handeln der #DankePolizei am eigenen Leib erleben?

Weitere Linkliste zu #Gefahrengebiet Hamburg

Mittwoch, Januar 8th, 2014

Prof. Dr. Melanie Groß von der Fachhochschule zu Kiel schreibt in der Frankfurter Rundschau: „Die aktuellen Ereignisse in Hamburg hinterlassen den Eindruck, dass mit gezielten Medienstrategien durch die Polizei und ihre Gewerkschaften eine Stimmung erzeugt werden soll, die eine Aufrüstung der Polizei und ihrer Befugnisse einleitet. Mehr noch – der „Mangel an politischer Führung“ in Hamburg, wie ihn der Bund der Kritischen Polizisten diagnostiziert, könnte auch gewollt sein, wenn staatliche Organe sich aufgrund sich zuspitzender sozialer Konflikte zunehmend auf soziale Unruhen und Aufstände einstellen und dafür ihre Befugnisse weiter ausbauen sowie autoritäre Strukturen erproben.

Marco Carini kommentiert ebenfalls zu diesem Aspekt in der taz: „Wer auf durch soziale Konflikte ausgelösten Protest rein ordnungspolitisch reagiert, indem er auf unbestimmte Zeit Grund- und Freiheitsrechte aussetzt, schafft sich seine Gegner selbst – und Neumann wie Kopitzsch scheinen derzeit tatsächlich nach dem Prinzip „Viel Feind’, viel Ehr’“ zu verfahren.“ Carini ergänzt allerdings auch: „Längst haben die Auseinandersetzungen eine Debatte über die Aufrüstung der Polizei, vom Elektroschocker bis zum Schießbefehl ausgelöst, die von der CDU-Opposition genüsslich befeuert wird. Die Hasskappenträger, aber auch der Anzug-Senator spielen hier nur die Rolle nützlicher Idioten – das allerdings mit Bravour.“

Thomas Wüppesahl 58, ist ehemaliger Kriminalbeamter a.D. und ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen. Er gründete 1987 zusammen mit anderen Polizeibeamten die Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten in Hamburg. Im Interview mit der taz gibt er seine Erlebnisse der Eskalation am Schulterblatt wieder: „Bevor das Spektakel losging, habe ich ein Gespräch von zwei Einsatzführern aus Niedersachen gehört. Die Anweisung für den Einsatz war ganz klar: Die marschieren hier nicht weg. Und wer polizeiliche Einsatztaktiken kennt, die aufgefahrenen Gerätschaften gesehen hat und weiß, dass die Hälfte aller eingesetzten Kräfte am Aufmarschpunkt gestanden haben, dem ist klar, die Route war zu. Die Versammlung sollte nie stattfinden und wurde von der Polizei gezielt gewalttätig gemacht. Dafür wurden Polizisten vollkommen verantwortungslos da reingejagt. Später habe ich dann gesehen, wie eine junge Kollegin aus Niedersachsen bitterlich weinte. Auf Nachfrage sagte sie mir, dass sie sich schämt. Wohlgemerkt für das Agieren der Kollegen.“

Ebenfalls ehemaliger Polizist ist der Soziologe Rafael Behr, der an der Fachhochschule auch junge Polizisten ausbildet. Behr hatte in der Vergangenheit öffentlich in Frage gestellt, ob es tatsächlich jede Woche eine neue Qualität der Gewalt gibt und einen Überbietungswettkampf der beiden konkurrierenden Polizeigewerkschaften um Aufmerksamkeit kritisiert. Im Interview mit der taz kommt die Sprache unter anderem auf die Frage was es bedeutet, wenn ein Polizeigewerkschafter sagt, dass es bei der Ausweisung des Gefahrengebiets nicht darum gehe, Täter zu fassen, sondern ein Zeichen zu setzen?

„Das Zeichen ist die Möglichkeit der Durchdringung des Raumes. Das scheint mir die Grundhaltung der Polizei, nicht nur in Hamburg zu sein: Man will zeigen, dass jede Form von Kontrolle und Intervention möglich sein muss, und zwar zu jeder Zeit. Man kann das als Machtdemonstration interpretieren oder als offensive Polizeistrategie, das kommt auf die eigene Bewertung an. Das war bei der Kontrolle der Lampedusa-Flüchtlinge so, das war bei dem Vorstoß der Polizeieinheiten bei der Rote-Flora-Ansammlung so. Rechtlich war das bestimmt in Ordnung, ob es aber auch klug war, ist eine ganz andere Frage.“

In der in Hamburg ansässigen Wochenzeitung „Die Zeit“ wird auf die Vergangenheit der leitenden Polizeiführer hingewiesen, die auf dem repressiven Höhepunkt der konservativ-rechtspopulistischen Koalition Karriere machten: „Wer sich an die Zeit unter dem Innensenator und Rechtspopulisten Ronald Schill erinnert fühlt, hat für dieses Déjà-vu auch einen personellen Beleg. Die Einsatzleiter der Polizei bei der Demonstration um die Rote Flora, Peter Born und Hartmut Dudde, hatten unter dem Rechtspopulisten und früheren Innensenator Ronald Schill Karriere gemacht […].“

Patrick Gensing berichtet von einer Demonstration am Dienstag im #Gefahrengebiet und schließt mit folgendem Kommentar: „Man kann eigentlich nur noch an die Hamburger SPD appellieren: Kommt endlich zur Vernunft und hört auf, vollkommen unverhältnismäßige Polizeimaßnahmen mit Politik zu verwechseln. Beendet dieses unwürdige Schauspiel! Danach kann in Ruhe über das Hamburger Polizeigesetz diskutiert werden; denn dass die Exekutive ohne Kontrolle selbst bestimmen darf, wann Grundrechte von Zehntausenden Menschen eingeschränkt werden, kann einfach nicht im Sinne der Gewaltenteilung sein. Und der Begriff “Gefahrengebiet” ist für mich jetzt schon ein Favorit für das Unwort des Jahres 2014.

Und zu guter Letzte eine Botschaft nicht nur an Anna und Arthur, sondern auch an Ronny und Mandy die der EA Hamburg veröffentlicht hat:

Die Cops sammeln im Moment alles, sowohl wer für angebliche Vorfälle mitverantwortlich sein könnte, wer eher nicht, wer könnte was wissen und als Zeug*in in Betracht kommen etc.. Klappe halten !! Im Moment handelt es sich um ein Ermittlungsverfahren. Das bedeutet: Es werden alle Informationen gesammelt, die die Cops irgendwie kriegen können. Dabei spielt die vermeintliche Relevanz dieser Information keine Rolle!

Lernen, lernen, nochmals lernen #6

Montag, Dezember 30th, 2013

Heute: „Keep it locked!“

Wenn ich heute auf englischen Bassmusic-Webradios und/oder dem legalisierten ehemaligen Pirateradio Rinse FM Sendungen höre, kommt es vor dass der oder die Sprecherin irgendwann eine Zeile fallenlässt deren Bedutung sich mir lange nicht erschlossen hat. Steve Goodman aka Kode 9 der Labelboss und Gründer von Hyperdub gibt an einer Stelle in seinem Buch Sonic Warfare die Erklärung wo diese Phrase herkommt und welche Bedeutung sie in der Aufhebung der zunächst einseitigen Sender-Empfänger Beziehung von Piratenradio Stationen hat. In dem Kapital beschreibt er zunächst eine Szene im Jahre 2003 aus einem illegalen Radiostudio welche bis zu Beginn und Mitte der 2000er Jahre in den Hochhäusern des kommunalen Wohnungsbaus betrieben wurden. Zu dieser Zeit um das Jahr 2003 herum, gibt es noch kaum Namen für die neuen Spielweisen die sich aus der britischen Soundsystemkultur in Anschluss an Jungle, Drum and Bass und Garage bzw. 2Step entwickeln. Einer der beiden Zwillinge hört bald auf den Namen Dubstep und tritt Mitte/Ende der 2000er einen globalen Siegszug an. Der andere, Grime versinkt für Jahre nach einer Eskalation der Gang-Gewalt in die Nische und erfährt erst in den letzten Jahren wieder neues Leben. (Und Dubstep verdummt derweil zu EDM) Goodman führt das Publikum wieder zurück in die wilden Jahre der frühen 2000er, zurück in das Studio im Zimmer eines Plattenbauhochauses:

For a moment, the scene freezes. The MC stops insulting and becomes an „encryptor“. His mouth becomes a modem, transmitting an asignifying stream of digits to the audience distributed through London’s airwaves: „out to the 365, the 768, the 976, 315.“ Signaling that you are locked into the station’s transmission is made by phoning the stations number, letting it ring once, then hanging up. Acknowledgement of this signal is provided by the host/DJ/MC reciting the last three digits of phone numbers from his log of missed calls on the studio handset. The connection made, the transmission swells, the rate of text mesaages incoming to the studio escalates, while the studio phone vibrates.

Mit dieser Methode des „Anklingelns“ hat das Pirate Radio eine Art kostenlosen Feedback-Kanal, der es erlaubt Rückmeldung zu geben, wie viele Menschen zu einem Zeitpunkt die Sendung hören oder ob ein Song nochmal gespielt werden soll. Wichtig war es dabei, nicht an das Telefon heranzugehen und den eingehenden Anruf nicht anzunehmen, weil dies den Überwachungsbehörden erlaubt hätte die Position des Studios leichter zu lokalisieren.

Answering the mobile phone to a private number potentially allows Offcom, monitoring signal transmissions over the airwaves, to locate the studio much more easily. A whole circuit of connections and disconnections, of contact and evasions. A veritable sonic war machine temporarily occupying a slice of radiophonic territory, hacking the national grid in a logistics of infections.

Goodmann spricht in diesem Zusammenhang von einem bacterial nomadism within the vertical city. Dessen Ästhetik kommt wohl sehr gut in Goodmans Stück Nine Samurai zum Ausdruck welches er als Kode 9 zusammen mit dem MC The Spaceape aufgenommen hat:

In einem gramscianischen Grabenkampf wird für die Dauer von Stunden, um Frequenzen und Präsenz gekämpft und ein virtueller Freiraum besetzt gehalten, indem völlig neue Stile wuchern. Wobei Piratenradio schon immer ein Motor in der kreativen Popkultur im UK waren.
Das Rückmelden des Keeping it Locked macht dabei das Hören dieser Sendungen zu mehr als einer Einbahnstraßenkommunikation und stellt virtuell Gemeinschaft her, wo die Polizei Grime-Konzerte wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verbietet oder abbricht.

Heutige Bedeutung

Zurück zum Keeping it Locked im Hier und Jetzt. Mit dem Aufkommen von Webradios ist es heute nicht mehr notwendig über einen illegal betriebenen Radiosender zu funken. Die Phrase vom keeping it locked hat sich aber in die Sprache der Musikkulturen eingegraben, die auf diesen Sendern lebte. Ein Beispiel für das Überleben dieses Prinzips der Rückkopplung und des Feedbacks ist zum Beispiel die Kommunikation in der Radioshow der Partyreihenveranstalter von The Heatwave mittels Hastags über Twitter- und Facebook Timelines. Um Feedback zu geben loggen sich Hörer_innen bei Twitter und Facebook ein und hinterlassen mit einem Hashtag versehen kurze Nachrichten, die anzeigen, dass sie locked in sind. Auf dem Podcast der augezeichneten Sendung hört sich das dann in etwa so an, wie Goodman es in Sonic Warfare beschreibt: ein zeitweise breit anschwellender Strom von Namen und Pseudonymen wird zurückgegrüßt und der Einbahnstraße der Radiosendung wurde eine Rücklaufschleife hinzugefügt.

Warum immer wieder sonntags der #Tatort?

Sonntag, Dezember 29th, 2013

Auf die immer gleiche Frage „Warum zur Hölle eigentlich Tatort??“ muss ich immer etwas improvisieren. Sicher die Fernsehmacher_innen in Skandinavien machen viel bessere Arbeit, aber-… Aber, Luc Boltanski drückt das in der Einleitung zu seinem neuen Buch „Rätsel und Komplotte – Kriminalliteratur, Paranoia und moderne Gesellschaft“ sehr gut aus, wie ich finde.

Man kann es […] so sehen, dass hauptsächlich durch die Vermittlung von Kriminalromanen und Spionagegeschichten Verunsicherungen in einer breiten Öffentlichkeit zum Ausdruck kamen, die eben weil sie den Kern der politischen Dispositive betrafen und die Leitlinien der Moderne selbst in Frage stellten, außerhalb von begrenzten Zirkeln nur schwer direkt angesprochen werden konnten.

Anders gesagt, der Tatort vermittelt das Bild welches sich „das Volk“ – in diesem Sinne: die nicht der wissenschaftlichen Gemeinschaft angehörende Gesellschaft von der Welt macht. Und das kann man sich dann wieder als Gegenstand anschauen und damit Ideologiekritik betreiben oder sich am Ende der Woche unterhalten lassen.

Michael Lipkin: Alles in Ordnung – The German Elections

Dienstag, Oktober 8th, 2013

Michael Lipkin liefert in n+1 eine interessante Außenperspektive auf das gegenwärtige Deutschland und dessen Rolle in Europa.

“Historically momentous” is not a term one would use to describe the quiet pragmatism that runs the Berlin of today. Even the worst parts of the city, like Marzahn, a housing block in the former east known for its neo-Nazi activity, receive reliable public services. The buildings are well-maintained and surrounded by greenery. Rescue services come when called. The people there seem not so much disgruntled as bored. By the same token, there is a sobriety and a modesty—a dullness, one might say—to even the poshest streets in Mitte. Rents are rising, true, but that only means they are not practically free; in any case, rent control laws overwhelmingly favor the tenant. Prostitution is legal and marijuana is decriminalized. Without extreme income inequality to corrode civic engagement, voter turnout is at 70 percent. No smashed ATMs, no protesters outside the Reichstag. Alles in Ordnung.

Nonetheless, when the carrot of quiet rectitude proves ineffective, Germany does not shy away from the stick.

Pluspunkt: Er schafft das auch ganz ohne an der Person von Angela Merkel und/oder dem Umstand dass die Herrscherin des Euro-Raumes eine Frau ist, herum zu psychologisieren.

Chagall, Moses, göttliche Dekonstruktion und der Gezi Park

Mittwoch, Juli 3rd, 2013

Ein etwas älterer Text von Giles Fraser, dem ehemaligen Domherren der St.Pauls Kathedrale in London aus seiner regelmäßigen Kolummne im Guardian. Der Mann ist immer noch Priester, jetzt allerdings in einer kleinen Gemeinde in Südlondon. In dem Text zum Gezi Park unternimmt er einen Parforceritt durch die Geistesgeschichte, springt von Marc Chagall zu Moses auf dem Berg Sinai, entwickelt bei der Betrachtung des byzantinischen Bilderstreits und der Reformation eine Idee der göttlichen Dekonstruktion* und wendet sie auf Erdogans Politik an.

„…the deeper issue is the protection of Turkish secularisation – the protection of individual freedom against a version of religion that has become too confident in its own representations and has not properly understood the principle of divine deconstruction. When this happens, idols need to be smashed. From Occupy outside St Paul’s to Gezi park, that is the theological basis for supporting protest. God is not some thing that can be wielded out and beaten into the shape of a national polity or political programme. Such a god is an idol. The book of Exodus is a source of genuine wisdom on this. The real divine constantly disturbs religion and religious politics, often aggressively so.“

*(- hält Marx dieses Mal kurz und lässt Nietzsche und Freud ausnahmsweise mal weg- müsste man noch ergänzen. 😀 )

Der Pinguin der Minerva beginnt seinen Flug erst nach Sonnenuntergang

Sonntag, Mai 19th, 2013

Wow! Nach Keshek, Cosmarxpolitan und Sexts From Marxists ein weiterer Tumblr der definitiv unter „Teilweise Wahnsinn“ fällt: The Lisa Frankfurtschool

Agamben Relektüre gefällig?

Antideutsche – vs. Antinationale Kritik?

Dienstag, März 19th, 2013

Im Rahmen der Mobilisierung gegen den Wiener Akademikerball hat die Um’s Ganze Gruppe Antifa Wien eine Diskussionsveranstaltung abgehalten in der Stephan Grigat (der der immer alles auf den Iran bezieht) und ein Vertreter von TOP Berlin über die Unterschiede antideutscher und antinationaler Kritik diskutieren. Ich bin mir nicht sicher, ob die These von einer liberalen Normalform des Nationalismus und verschiedenen Abweichungen nicht arg mitteleuropäisch ist. Davon aber abgesehen, diskutiert hier einer der letzten nicht völlig bescheuert-gewordenen(-Sorry, beim Durchhören richtete sich ein ganzer Wald von Facepalms auf, also: einer der letzten Autoren) Autoren der verbliebenen Antideutschen mit einem Vertreter der TOP, die seit 2007 eine programmatische Wendung zurück zur Politik vollzogen hat. Vieles ist dabei immernoch kritisierenswert, spannend ist aber dass sie einen Weg beschritten haben, der nicht mehr nur aus dem Verfassen langer und kompliziert klingender Pamphlete besteht, sondern gleichzeitig versucht gemeinsames politisches Handeln zu praktizieren. Auch an UG und TOP Berlin könnte man sicher einiges kritisieren, aber immerhin zeigen sie, dass niemand im Elfenbeinturm versauern muss. Eine andere Besserwisserei ist möglich!

Klicken kann man hier

Feminismus im arabischen Frühling

Montag, Februar 25th, 2013

Hannah Wettig geht im Dossier der aktuellen Jungle World der Rolle der Frauen und der Bedeutung feministischer Kämpfe für den arabischen Frühling nach. Der Beitrag stellt verschiedene aktuelle Initiativen und Gruppen vor. Beispielsweise die Aktivistinnen und Aktivisten, die versuchen den Tahrir-Platz zu einem sichereren Ort für Frauen zu machen. Tahrir Bodyguard und andere Gruppen waren in letzter Zeit schon im Fokus der breiteren öffentlichen Rezeption westlicher Medien geraten (zum Bsp. Im Guardian und auch bei Spiegel Online). Wettigs Beitrag stellt aber auch Ansätze vor, die Geschichte der Aufstände aus weiblicher Perspektive selbst zu erzählen. Diese Initiativen sind vor allem deshalb spannend, weil eine der geläufigsten Deutungen für den Ausbruch der Aufstände sich auf die Vielzahl gut ausgebildeter junger Männer ohne Aufstiegsperspektive konzentrieren. Wettigs Beitrag korrigiert diesen Blick. (mehr …)

Fussballterror und Randale …im Wandel der Zeiten

Donnerstag, Februar 21st, 2013

In seinen tagebuchartigen Band Vom Fahrrad aus beschreibt der Wiener Feldforscher Roland Girtler Beobachtungen und freie Assoziationen zu Grenzen und Grenzüberschreitungen, die er während einer Fahrrad-Reise in Tirol anstellt. Dabei kommt er unter dem Titel „Fussballfans als Krieger und ihre Symbole“ auch auf die lange Geschichte der Fussballgewalt zu sprechen:

Als „teuflischen Zeitvertreib“ beschrieb man 1583 das Fussballspiel, denn es biete Anlass zu Rauferein, Blutvergießen und Mord. Seit dieser Zeit wird Fussball immer wieder mit Gewalt, Raufhändel und Verwüstung in Verbindung gebracht, und dies bis in unsere Tage. So endete im April 1890 das Länderspiel England-Schottland mit der Verwüstung des Fussballplatzes. Abgrenzungen wurden niedergerissen, und das Feld wurde zerstört. Auch wird häufig berichtet, dass von aufgeregten Anhängern Gegenstände auf Spieler und Schiedsrichter geworfen wurden. 100 Personen wurden 1909 im schottischen Cup zwischen Glasgow Rangers und Celtic Glasgow bei einer Rauferei verletzt. Grausam war der 29. Mai 1985 im Heysel-Stadion zu Brüssel, als beim Match Juventus gegen Liverpool italienische Fans von englischen Fans in den angrenzenden Sektor getrieben wurden. Es kam zum Einsturz einer Mauer, 41 Tote und 100 Verletzte waren die Folge.

Und jetzt kommt’s – na klar – auch Onkel Theo hat dazu seinernzeit natürlich auch schon etwas zu sagen gehabt. 😉

Konstantin Sakkas: Die Naivität der Hannah Arendt

Donnerstag, Januar 10th, 2013

Konstantin Sakkas zum heutigen Filmstart im DRadio über Hannah Arendt und ihr Eichmann-Buch.

Was ich von dem Essay halte, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. „[E]s sei besser, Böses zu erleiden, als Böses zu tun“ ist schon mal kein originär Arendtianischer Gedanke, hier folgt sie nur wie sie es sagen würde „der überkommenen griechischen Tradition“. Naja. In der Kürze ist der Beitrag aber ja eh nur Fast-Food fürs Gehirn. 😛