Archive for the ‘teilweise wahnsinn’ Category

Das Phantasma durchqueren

Donnerstag, Juli 9th, 2015

Dieses Oszillieren zwischen Juwel und Scheiße ist nicht das zwischen der idealisierten ätherischen Phantasie und der rauen Wirklichkeit, sondern ein Oszillieren, bei dem beide Extreme phantasmatisch sind; d.h., der phantasmatische Raum ist eben jener Raum des unmittelbaren Übergangs vom einen Extrem zum anderen.

Slavoj Žižek: Was können wir wirklich von Tibet lernen?; in: Die gnadenlose Liebe, S.111.

Fnord News Show 2014 Jahresrückblick vom #31c3

Mittwoch, Dezember 31st, 2014

Der Fnord-Jahresrückblick ist zugleich einer der ernstesten und der lustigsten Jahresrückblicke. Selten ist Legitimationsdefizit so unterhaltsam – oder anders gesagt: Der Sarkasmus der Show ist dem Zynismus, der aus den in ihr verhandelten Ereignissen spricht, absolut angemessen.

„Schöne Fassade“ – Ästhetik des Widerstandes im Kampf um ein Recht auf Stadt

Samstag, November 1st, 2014
Schöne Fassade August Bebel Straße

Quelle: http://lapampa.blogsport.de/2011/01/03/how-you-like-me-now/

Meine liebsten Graffiti in Rostock, sind gesprühte Schriftzüge, die vermutlich von den allermeisten Menschen nicht einmal als solche mitgezählt werden. Und hier zeigt sich schon das Problem: Nach über 30 Jahren hat diese kulturelle Praxis in der „Aufteilung des Sinnlichen“ (Rancière) einen zwar ambivalenten, aber doch einen zugeteilten Ort in dem Sinne dass zwischen akzeptabler Kunst und Sachbeschädigung unterschieden wird. Die von mir geschätzten Schriftzüge der Sorte „Schöne Fassade“ greifen diese Einverleibung von Graffiti kritisch auf. Dies geschieht allerdings nicht im Sinne plakativer Parolen a la „streetart is not a crime“; sondern in einer radikalen Anti -Ästhetik die sich der Kunsthandwerklichkeit und der Idee von Meisterschaft radikal entzieht und vor allem den illegal(isiert)en Aspekt des Sprühens im öffentlichen Raum ins Zentrum stellt. Die „Schöne Fassade“ und ähnliche Sprühereien richten den Blick darauf, dass es der nicht einzuverleibende Rest, der Aspekt der Sachbeschädigung ist, der die Kunstform Grafitti am Leben erhält. – Das debke ich mir zumindest wenn ich durch Rostock laufe und auf eine neue sogenannte Schmiererei stoße und laut lachen muss.

Stoiber Hauptbahnhof München Stampfmüller Straße

Quelle: http://teleprisma.tumblr.com/post/70595904467/wenn-sie-am-haupfbahnhof-munchen-photo

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift sub\urban gibt es einen Artikel, der sich auch mit Grafitti beschäftigt und der hiermit zur Lektüre empfohlen werden soll:

Graffiti erfahren als populäre Kultur im wissenschaftlichen Diskurs derzeit eine verstärkte Aufmerksamkeit. Man versucht, ihre Rolle in der Stadt zu erschließen, sie zu analysieren, ihren politischen oder künstlerischen Gehalt zu verstehien, sie zu vermarkten oder Vorstellungen zu entwickeln, wie sie reguliert werden können (vgl. Derwanz 2013, Kramer 2010, Austin 2001, Abaza 2012, Valverde 2006). Eigentlich müsste dieses ausgeprägte Interesse verwundern. Folgt man dem bis heute in Diskussionen einflussreich­en Auf­satz Kool Killer oder der Aufstand der Zeichen von Jean Baudrillard (1978), dann sind Graffiti gerade in ihrer inhaltlichen Bedeutungslosigkeit und fehlenden Tiefe subversiv. Sie operieren demnach nicht innerhalb von bestehenden Zeichensystemen der Stadt, sondern (zer-/ver-)stören diese in Form eines Anti-Diskurses, der sich jeder Interpretation widersetzt. Während die kapitalistische Stadt über Codes und Symboliken von Eigentum, Macht und Sozialstatus und somit auch entlang von Illegalität und deren Kontrolle organisiert wird, entziehen sich Graffiti diesen Verortungen durch den Verzicht auf tiefer liegende Bedeutungen und politische Äußerungen. Sie erscheinen als eine oberflächliche Form der Eigendarstellung, die einer Vereinnahmung durch Nicht-Szene-Akteur_innen entgeht. Graffiti repräsentieren sich demnach als Anti-Werbung, Anti-Eigentum, Anti-Kunst und Anti-Politik. Dennoch lässt sich die These formulieren, dass wir es gegen­wärtig mit einer „Diskursivierung” (Foucault 1983: 31) der Graffiti zu tun haben. Gesellschaftliche Funktionssysteme wie Wissenschaft, Medien oder Kunst suchen aktuell allerdings häufig nach der Bedeutung hinter den Werken, während ihnen die Künstler_innen durch die drohende Kriminalisierung meist nur eingeschränkt zugänglich sind. Diese Zugänge weisen Graffiti einen gesellschaftlichen Ort zu, indem sie sie in die zeichenförmige Organisation und Teilung von Stadt einfügen(vgl. Baudrillard 1978, Austin 2001).

Eine umfassende Materialsammlung zum Thema Schmieren findet sich auch beim Twitter-Account @ktv_rostock

Neoliberale Fantasien

Mittwoch, Juni 18th, 2014

„In der Konkurrenz erscheint diese innre Tendenz des Kapitals als ein Zwang, der ihm von fremdem Kapital angetan wird und der es vorantreibt über die richtige Proportion mit beständigem Marche, marche!“ – Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, MEW 42, S. 327

Das folgende Video stellt ein beeindruckendes Zeugnis von Ideologieproduktion dar. Das Werbevideo preist die Vorzüge des polnischen Standortes für Investoren. Interessant sind dabei welche Vorzüge an Polen herausgestellt werden und zwar unabhängig davon, ob die angepriesenen Zustände tatsächlich existieren oder nicht. Ebenfalls auffallend ist die Bildsprache, welche die Versicherungen von Stabilität, Wirtschaftsentwicklung und guter Performance in der Krise zum Ausdruck bringen soll: immer wieder gibt es neben glücklich herumtanzenden Yuppies Kamerafahrten durch Glas- und Stahlbauten zu sehen, welche beide eine prosperierende Zukunft verheißen sollen. Werbevideos von Staaten, die zum Investieren einladen sind nun keine Erfindung polnischer PR-Agenturen, sondern laufen auf den internationalen Wirtschaftskanälen von CNN und BBC ständig in den Werbepausen. Dieses Video sticht aber doch aufgrund der aggressiven Freude angesichts des Outperformens der meisten anderen EU-Staaten hervor. Selten hatte Chauvinismus so ein bezauberndes Lächeln und zum Unterstreichen des Willens zur Leistung wird dann das Business-Kostüm vom Leib gerissen und im Kreise der Kollegen getanzt. Fun ist ein Stahlbad!

Zum Entspannen von den Freuden der Konkurrenz sei hier noch ein nüchterner Artikel aus der Jungle World über die Leitzinspolitik der Verbilligung des Geldes Europäische Zentralbank und deren Verfehlung der ausgegebenen Wachstumsziele (plus kurzes Revival des Schwundgeld-Theoretikers Silvio Gesell) empfohlen.

We ready for di road

Montag, März 10th, 2014

Bin am Wochenende auf Jocelyne Guilbault und ihre wissenschaftliche Beschäftigung mit Soca gestoßen:

In this essay, I focus on soca, a music that has been criticized by numerous journalists, academics, calypsonians, politicians, and listeners for not engaging the political. Instead of dismissing soca as a legitimate critical public discourse, I address soca in relation to its politics of pleasure and the cultural work that live soca performances achieve through the creation of what I refer to as intimacies. Drawing on Lisa Lowe’s critical insights, I use the word “intimacy” in two ways: to speak about the spatial proximity soca helps create, and to address the variety of contacts among people that it makes possible. Based on these definitions, this study focuses on the public intimacies enabled by live performances of soca by examining how they unfold among artists on stage, between the artists on stage and their audiences, and among audience members during the performance. This study shows how the pleasures and public intimacies enabled by these live performances do not come free, but rather work at times to reformulate long-held cultural understandings of things such as race, class, gender and sexuality, and at other times, to reinforce them.

Wer sich allerdings zunächst mal in die Materie einhören will, kann dies zum Beispiel hier machen:

Ehrlich währt am längsten?

Donnerstag, März 6th, 2014

Zwischen all dem wegzumoderierenden Müll kam heute mal etwas besonders dreistes, oder eben auch besonders ehrliches rein. Im Text zum Spamkommentar wurden die eigenen Dienste zur Suchmaschinenoptimierung ganz offen angepriesen und zwar so:

We are seo spammers from Europe. We can do seo spam. We are the best from the best polish seo spammers. Hire us today. Don’t fuck with others, fuck with us. Fuck now…

Hatte ich in der Form auch noch nicht. 😀

Fuckyeah Science!

Donnerstag, Februar 20th, 2014

Forschung über Selfies. Hammer!

Selfiecity investigates selfies using a mix of theoretic, artistic and quantitative methods:

We present our findings about the demographics of people taking selfies, their poses and expressions. Rich media visualizations (imageplots) assemble thousands of photos to reveal interesting patterns. The interactive selfiexploratory allows you to navigate the whole set of 3200 photos. Finally, theoretical essays discuss selfies in the history of photography, the functions of images in social media, and methods and dataset.

Love is everywhere!

Freitag, Februar 14th, 2014

Soviel an dieser Stelle zum Thema Sitten und Gebräuche der sog. Mehrheitsgesellschaft.

Now officially bullshit.. again: Die Extremismusideologie

Freitag, Januar 31st, 2014

Ein Zwischenbericht des Deutschen Jugendinstituts evaluiert die Präventionsprogramme der Kalten Kriegerin Kristina Schröder (CDU). Im Zwischenbericht heißt es u.a.:

Im Unterschied zu anderen gesellschaftlichen Problemfeldern lässt sich das kulturelle Milieu der Problematisierung von „Linksextremismus“ relativ gut
abgrenzen: Es sind zumeist Wissenschaftler/innen aus dem Umfeld der Extremismus- und Totalitarismustheorie, Vertreter/innen von Sicherheitsbehörden und der konservativen Parteien.
Die Sicht der genannten Akteure auf das Problem ist jeweils geprägt vom Standort und der Funktion, von dem/der aus sie agieren, und entsprechend stark schreiben sich die jeweiligen Thematisierungslogiken in die Problemsicht ein. Gerade das Beispiel von Sicherheitsbehörden oder ideengeschichtliche Theorierezeption macht deutlich, dass es sich hier um Thematisierungslogiken handelt, die zunächst wenig mit stärker pädagogischen Problemsichten zu tun haben.

Den ganzen Bericht gibt es hier, um sog. Linksextremismus geht es ab Seite 105.

tl;dr

Bullen aus der Schule, damit die Schule lehrt.

Spoof London Underground Announcements

Mittwoch, Januar 22nd, 2014

You’ve got the microphone. It’s a Monday morning. There are hundreds of bored commuters listening. The temptation is simply too much…


Also, ich hab jedenfalls gelacht.

Ruhig Brauner! Den Ausnahmezustand des #Gefahrengebietes verstehen

Mittwoch, Januar 15th, 2014

Wenn Polizei und Militärs anfangen philosophisch zu werden, wird mir immer Angst und Bange. Einschlägige Beispiele stellen ja Donald Rumsfelds Unbekanntes Unwissen oder die Deleuze-Rezeption der israelischen Armee im Häuserkampf in Gaza dar.

Der Stein und das Nichts

Beim Debattenmagazin The European wird ein aktueller Fall, nämlich das Hamburger #Gefahrengebiet und die dortigen „Angriffe aus dem Nichts“ behandelt:

Gegen „Angriffe aus dem Nichts“ sollen verschiedene Vollstreckungsbeamte künftig geschützt werden. Vermutlich ist das nur eine unbedachte Formulierung, denn zum einen hat bisher noch kein einziger Straftatbestand irgendjemanden vor einer Tat geschützt, zum anderen sind Angriffe aus dem „Nichts“ sicherlich nicht wörtlich zu verstehen. Kein Angreifer kann sich im Nichts befinden. Das Strafgesetzbuch ist ja kein existenzialistisches Philosophiebuch, das sich mit dem Nichts auseinandersetzt.

A propos Philosophie, zu einer Demonstration am Samstag in Hamburg ruft übrigens das nach Henri Lefèbvres Konzept benannte Netzwerk „Recht auf Stadt“ gegen die Carl Schmitt-Fans im SPD-geführten Hamburger Senat auf. Den Aufruftext gibt es hier. Gegen die Enteignung der Philosophie durch die Herrschaft lässt sich allein andenken, eine andere Form des Wissens kann aber auch in der kollektiven Praxis erfahren werden.In diesem Sinne!

Sie haben nicht nur die Ausübung schwerer Straftaten verhindert, sondern vieles mehr, etwa den Einsturz der Roten Flora oder die UFO Landung in Bremen. Bravo!

Dienstag, Januar 14th, 2014

Gefällt mir! Urbanshit hat einen offenen Brief an den Hamburger Innensenator Neumannn:

Ich möchte Ihnen herzlich zu Ihrer jüngsten, wie Sie sagen (warum eigentlich so zaghaft?) Erfolgsgeschichte gratulieren: Sie haben es durch Ihren sensiblen und weitsichtigen Politikstil, den man von einem ehemaligen Offizier der Bundeswehr vielleicht so gar nicht erwartet hätte, innerhalb von nur sechs Tagen geschafft, drei Stadtviertel zu schikanieren, massiv in die Persönlichkeitsrechte und Fortbewegungsfreiheit zehntausender Menschen einzugreifen, Personen demütigenden Kontrollen auszusetzen, das Klima der Stadt zu vergiften, die Polizei und die Stadt der Lächerlichkeit preiszugeben und – Kollateralschäden gibt es überall – durch die daraus resultierenden Proteste auch noch einige Menschen, Polizisten wie Protestierer, ernsthaft zu gefährden (gerade las ich von einer friedlich demonstrierenden Person, die mit Schädel-Hirn Trauma im UKE liegt; die Zahl der verletzten Beamten können Sie der Presse entnehmen). Kompliment!

Angebot im Januar: Besuchen sie Mörkenholm, Davidswerder und Lerchenoog

Freitag, Januar 10th, 2014

Das Hamburgische Wattenmeer mit seinen #Gefahreninseln besticht durch die Faszination ungestörter Natur, die die Menschen anzieht: Spaziergänge durch die Salzwiesen, ein Bad im Meer, „Watt??“ – Wanderungen, Ausflüge zu den Sparkassen und Bänkern und Vogelbeobachtungen während der brutalen Saison oder an den Rastplätzen unzähliger brutaler Vögel im Zentrum der Gefahreninseln gehören zu den besonderen Attraktionen.

Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer wurde am 09.01.2014 ausgewiesen, um die besonderen Naturschönheiten und den natürlichen Prozessen unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“ freien Lauf zu sichern.

Vorsatz für das Neue Jahr: Weniger rauchen.

Donnerstag, Januar 2nd, 2014

silvester2013eins

Klosterbachstraße Rostock

silvester2013zwei

Margarethenstraße Rostock

The Pedway

Freitag, Dezember 6th, 2013

Und für alle die sich nicht so für Moombahton erwärmen können oder denen Musik generell nicht soo wichtig ist, oder die das Video auch einfach schon gesehen hatten – hier nun zu etwas völlig anderem: Eine Doku über die Fußgängerwege über den Straßen, die ein wichtiger Teil der brutalistischen Architektur der Nachkriegszeit gewesen sind. Plattenbau- und Betoncontent. Wunderbar!