Archive for the ‘Word!’ Category

A nos amis

Donnerstag, Mai 7th, 2015

Die Aufstände sind gekommen, nicht die Revolution. Selten konnte man in den letzten Jahren, in so komprimierter Zeit, so häufig erleben, wie ein offizieller Regierungssitz im Sturm erobert wurde, von Griechenland bis Island. Bald wird es ein elementarer politischer Reflex sein, Plätze mitten in den Stadtzentren zu besetzen, Zelte oder behelfsmäßige Hütten aufzustellen, Barrikaden und Kantinen zu errichten und Versammlungen abzuhalten, so wie man gestern einen Streik ausrief. Offenbar hat die Zeit sogar ihre eigenen Gemeinplätze hervorgebracht – allen voran dieses All Cops are Bastards (ACAB), das eine eigenartige Internationale fortan nach jedem neuen Ausbruch von Revolten auf den bröckelnden Mauern der Städte zurücklässt, ob in Kairo oder Istanbul, Rom, Paris oder Rio.

Das Unsichtbare Komitee – An unsere Freunde

Lesen lernen, zu lesen als wenn unser Leben davon abhängt #10

Montag, April 13th, 2015

Im Übrigen ist die Ausbildung eines Marxisten niemals abgeschlossen. Meiner Erfahrung nach ergänzen sich Lektüre und Erfahrung, Erfahrung und Lektüre: Mal berichtigen, mal bestätigen sie sich gegenseitig. In anderen Fällen scheint mir der Wert des Lesens gerade darin zu liegen, dass Texte, insbesondere historische und theoretische, Aspekte der Welt erfassen können, die nur den Denken zugänglich sind.

Benjamin Kunkel, Utopie oder Untergang – Ein Wegweiser für die gegenwärtige Krise

the only ‘resurgence’ is the media attention on the scene

Mittwoch, Februar 11th, 2015

Whether it has widespread attention on it or not, Grime is actually an ever-evolving culture which isn’t restricted or bound by a particular BPM, a particular colour, race or creed or even location, so to think that it’s not ‘in fashion’ anymore, or done with, or started again would be silly.

The big Flowdan

Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen

Freitag, Februar 6th, 2015

Das PASOK Moment

Sonntag, Februar 1st, 2015

[D]der Schwung der Tsipras-Leute enthüllt, quasi negativ, auch die Schwäche der hergebrachten Linksmilieus, weit über die Sozialdemokratie hinaus. Sagen wir es offen und schonungslos: Womöglich ist ja die Eigenart und das Problem der zeitgenössischen Linken, dass sie die Mentalität von Besiegten hat. Mentalität von Besiegten heißt, dass man sich nichts zutraut, dass man allenfalls auf kleine Terraingewinne in einem Kampf um die Hegemonie hofft, dass man automatisch davon ausgeht, in einem an sich widrigen Umfeld höchstens das Schlimmste verhindern zu können oder allenfalls ganz kleine Reformschrauben drehen zu können. Und meistens ohnehin nur jammert. Und nie Klartext redet.


Robert Misik in taz

Autonomy & Self-Organization in the Revolutions of Everyday Life

Samstag, Januar 31st, 2015

Imagination is not ahistorical, derived from nothing, but an ongoing relationship and material capacity constituted by social interactions between bodies. While liberatory impulses might point to a utopian (no)where that is separate from the present, it is necessary to point from somewhere, from a particular situated imagining. The task is to explore the construction of imaginal machines, comprising the socially and historically embedded manifestations of the radical imagination. Imagination as a composite of our capacities to affect and be affected by the world, to develop movements toward new forms of autonomous sociality and collective self-determination.

Stevphen Shukaitis- Imaginal Machines: Autonomy & Self-Organization in the Revolutions
of Everyday Life

Wiley – From the Outside (Actress Remix)

Freitag, Januar 30th, 2015

Im Magazin Wire verbindet Dan Barrow das Recht auf Opazität mit der undurchdringlichen, staats- und autoritätsfernen Musik von Actress & Co.: »Die zwischenzeitlich geäußerte Kritik seit den Unruhen in Großbritannien 2011 – wo ist die ganze Protestmusik geblieben? – verfehlt ihren Punkt. In einem Klima, in dem progressive Politik in der Defensive ist und es an der historischen Fähigkeit mangelt, radikale ästhetische Ausdrucksweisen hervorzubringen, muss das Verlangen nach textlichen Inhalten auf Kosten der Form – stumpfe programmatische Meinungen werden existierenden Songstrukturen aufgezwungen – dem Müllhaufen der Kultur zugeführt werden. Das Werk von Actress, Dean Blunt und Inga Copeland repräsentiert an sich einen Akt politischen Widerstands. Noch wichtiger aber ist, dass es etwas betont, was Theodor W. Adorno das antisoziale Moment des Kunstwerks genannt hat. Im schwarzen Spiegel der Platte findet eine Gesellschaft, die nichts als Herrschaft anbietet, ihr Anderes.«

aus Jungle World #4 2015

Abendland?

Mittwoch, Januar 7th, 2015

Der Israeli Shahak Shapira wurde in der Neujahrsnacht in der Berliner U-Bahn geschlagen, nachdem er antisemitische Gesänge gefilmt hatte. In der Süddeutschen gibt es ein Interview mit dem Betroffenen zu dieser Attacke, in dem die Sprache auch auf Pegida und deren Abendland-Begriff kommt:

Was halten Sie vom Begriff des christlich-jüdischen Abendlandes?

Dieser Ausdruck ist völliger Mist. Was soll denn an Deutschland so jüdisch sein? Hat man hier nicht vor 80 Jahren behauptet, die deutsche Kultur gegen das Jüdische schützen zu müssen? Juden hassen ist aus der Mode gekommen, also beruft man sich auf das Judentum und nimmt sich jetzt die Muslime vor.

Wie der Superheld in die Antifa kam

Samstag, Oktober 25th, 2014

Superhelden vor brennenden Kulissen waren ein beliebtes antifaschistisches Plakatmotiv, Parolen wie »Nazis wegrocken« reduzierten eigene Inhalte auf ein Minimum – nicht selten wurde auf einen langatmigen Aufruf einfach von vornherein verzichtet. Der Erfolg war bescheiden – und sehr langsam setzte sich die Erkenntnis durch, dass man Neonaziaufmärsche gegen den Willen der Polizei »militärisch« nicht verhindern kann. Die militante Option, die man so gerne von den Autonomen der 1980er adaptieren wollte, war real nicht vorhanden.

Maike Zimmermann in ak zum Thema: Über rote Fäden in der antifaschistischen Bewegung und die Frage nach dem richtigen Konzept

Das System der Ausbeutung zog sich quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, wir alle waren eingespannt in die Hierarchien, mitverantwortlich am Wuchern der Rangordnungen.

Dienstag, März 25th, 2014

Schon längst hatten wir festgestellt, daß ein Tag, an dem wir uns nicht zumindest eine Stunde mit einem Buch, einem wissenschaftlichem Problem befaßt hatten, unerfüllt bleiben musste. Im Kampf gegen die gewöhnlichen Denkbehinderungen war uns Lehrstoff zugekommen aus aus den politischen und soziologischen Kompendien, aus den Kursen an der Abendschule, doch was uns in diesen Jahren besonders anzog und zur Ausweitung des Bewusstseins beitrug, hatten wir aus eigener Kraft zu erörtern, es war das Thema der Ambivalenz, der Kontroverse, des Widerspruchs, unter dem wir lebten.

Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands

Bücher, Menschen, Bilder, das waren die Festigkeiten in unserem Leben

Mittwoch, März 5th, 2014

Hier […] trat eindrücklich der Unterschied hervor zwischen unserm Leben und dem bürgerlichen Dasein, dem verschwenderisches atmosphärisches Kolorit zur Verfügung stand, während wir uns hier in einem Warteraum, einem Übergangsraum befanden, leicht und schnell zu verlassen und zu vergessen. […] Weil von Wilhelm Meister an bis zu den Buddenbrooks die Welt, die in der Literatur den Ton angab, gesehen wurde durch die Augen derer, die sie besaßen, konnten das Hauswesen mit solcher Liebe zum Detail und die Persönlichkeit im Reichtum aller Entwicklungstadien umfaßt werden. Der Besitz prägte die Haltung, die den Dingen gegenüber eingenommen wurde, für uns indessen, denen Wohnraum nie gehörte und der Aufenthaltsort Zufälligkeit war, war das Fehlende, der Mangel, die Eigentumslosigkeit von Gewicht.

Peter Weiss- Die Ästhetik des Widerstandes

Lesen lernen, zu lesen als wenn unser Leben davon abhängt #7

Mittwoch, Februar 26th, 2014

…und der Regent ließ die Müden und Ausgehungerten wissen, daß er sich um sie sorgte und mit ihnen litt, und mit schweigendem Erstaunen erfuhren die Zuhörenden, daß das, was über sie verhängt worden war, der Ausnahmezustand war.

Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands

Organisierungsdebatte

Montag, Januar 27th, 2014

Und noch ein Leküretip am Montag. Im Neuen Deutschland gibt es ein Gespräch zwischen Vertretern von Interventionistischer Linke, um’s Ganze und Neue antikapitalistische Organisation zur Frage der Organisierung in der Linken in Deutschland.

Sie haben nicht nur die Ausübung schwerer Straftaten verhindert, sondern vieles mehr, etwa den Einsturz der Roten Flora oder die UFO Landung in Bremen. Bravo!

Dienstag, Januar 14th, 2014

Gefällt mir! Urbanshit hat einen offenen Brief an den Hamburger Innensenator Neumannn:

Ich möchte Ihnen herzlich zu Ihrer jüngsten, wie Sie sagen (warum eigentlich so zaghaft?) Erfolgsgeschichte gratulieren: Sie haben es durch Ihren sensiblen und weitsichtigen Politikstil, den man von einem ehemaligen Offizier der Bundeswehr vielleicht so gar nicht erwartet hätte, innerhalb von nur sechs Tagen geschafft, drei Stadtviertel zu schikanieren, massiv in die Persönlichkeitsrechte und Fortbewegungsfreiheit zehntausender Menschen einzugreifen, Personen demütigenden Kontrollen auszusetzen, das Klima der Stadt zu vergiften, die Polizei und die Stadt der Lächerlichkeit preiszugeben und – Kollateralschäden gibt es überall – durch die daraus resultierenden Proteste auch noch einige Menschen, Polizisten wie Protestierer, ernsthaft zu gefährden (gerade las ich von einer friedlich demonstrierenden Person, die mit Schädel-Hirn Trauma im UKE liegt; die Zahl der verletzten Beamten können Sie der Presse entnehmen). Kompliment!

Beschaulich-bürgerlich

Freitag, Januar 3rd, 2014

Es gibt Metropolen ähnlicher Größenordnung, die darauf achten, dass urbane Kultur angesiedelt wird. Und es gibt Städte wie Rostock.

Urs Blaser