Archive for the ‘Word!’ Category

Die vage Hoffnung, dass eines Tages auch die letzten Spiegel- und Focus-Redakteure verstanden haben werden, dass der Mensch aus mehr als Hirnmasse besteht

Mittwoch, Dezember 18th, 2013

Ein anti-naturwissenschaftlicher Blick auf die Depression könnte uns vor dem lächerlichen Glücksversprechen der Neurowissenschaften bewahren und nicht zuletzt vor dem Glauben, dass wir jemals eins mit unserem Begehren sein könnten. Die Grenze jeder Optimierungswut ist der Riss, der jeden von sich selbst trennt.

taz.de: Kolumne Bestellen und Versenden -Lieber depri als Burnout

Endstation, an der alle Wege enden und aus der jedenfalls keiner mehr hinausführt

Dienstag, November 12th, 2013

Die Bezeichnung ‚Durchgangslager‘ ist, so gerne die Mächtigen sie jenen Orten geben, an denen sich aufzuhalten sie die Flüchtlinge zwingen, ein Oxymoron: Der ‚Durchgang‘ ist ja genau das, was den Flüchtlingen vorenthalten wird, und genau das kennzeichnet ihre Situation. In ein ‚Flüchtlingslager‘ verwiesen zu werden bedeutet mit Sicherheit nur eines: daß von dort aus alle anderen denkbaren Orte unerreichbar sind. ‚Insasse‘ eines Flüchtlingslagers zu sein bedeutet mit Sicherheit nur, daß man aus der übrigen Welt ausgeschlossen ist und überall als Fremder, Fremdkörper und Eindringling gilt – weshalb diese übrige Welt ‚gezwungen ist‘, sich mit bannoptischen Vorrichtungen zu umhegen. Kurz: In ein Flüchtlingslager eingewiesen zu werden heißt, aus der Welt und der Menschen ausgewiesen zu werden.

Zygmunt Bauman: Daten, Drohnen, Disziplin

Demokratie gegen den Staat

Freitag, September 27th, 2013

Fest steht: Der Staat ist nicht das letzte Wort des Politischen, seine Erfüllung. Ganz im Gegenteil ist er nur die systematische und zerstörerische Form der Vielen im Namen des Einen.


Miguel Abensour

Organisierte Multitude?

Freitag, August 2nd, 2013

Multitude bezeichnet die Perspektive des Betrachtenden, nicht die des Teilnehmenden. Wenn du Teil der Multitude bist, fühlst du dich nicht so unbestimmt, wie der Begriff es suggeriert. Jede Multitude enthält viele Ministrukturen, Gruppen und Identitäten, Gemeinsamkeiten, Widersprüche und Unstimmigkeiten. Gerade aufgrund dieser Vielfältigkeit haben die neuen Protestbewegungen etwas sehr Wichtiges erreicht: Sie haben unglaubliche soziale Fähigkeiten entfesselt, und das ist extrem wichtig in einer Gesellschaft, in der wir alle als individualisierte Konsumenten erzogen werden.


Saskia Sassen, »Die Proteste machen den Fehler im System sichtbar«

One Big Union

Freitag, August 2nd, 2013

Er war ganz bestürzt, als er herausfand – dass die meisten Männer ihre Arbeit hassten. Es war sonderbar, ja furchterregend, dass man hier ganz allgemein so dachte aber man kam nicht um die Tatsache herum – sie hassten ihre Arbeit. Sie hassten die Bosse, und sie hassten die Fabrikanten; sie hassten den ganzen Betrieb, die ganze Gegend, sogar die ganze Stadt – mit einem allumfassenden, bitteren glühenden Hass. Selbst Frauen und Kinder fluchten mit: So ein Dreck, so ein verdammter Mist – es war alles Scheiße!

– Upton Sinclair: Der Dschungel

Ärger im Paradies

Mittwoch, Juli 17th, 2013

It is crucial that we don’t see the Turkish protests merely as a secular civil society rising up against an authoritarian Islamist regime supported by a silent Muslim majority. What complicates the picture is the protests’ anti-capitalist thrust: protesters intuitively sense that free-market fundamentalism and fundamentalist Islam are not mutually exclusive. The privatisation of public space by an Islamist government shows that the two forms of fundamentalism can work hand in hand: it’s a clear sign that the ‘eternal’ marriage between democracy and capitalism is nearing divorce.

– Slavoj Žižek, Trouble in Paradise

women to exist in all four dimensions

Dienstag, Juli 16th, 2013

Like scabies and syphilis, Manic Pixie Dream Girls were with us long before they were accurately named.

Laurie Penny

Auf die Straße setzen und Bier trinken und das Leben an uns vorbeiziehen lassen: Das wäre ein Ideal

Mittwoch, Juli 10th, 2013

Ich finde es nicht erstrebenswert, ein Start-Up in die Realität zu setzen. Als ich 25 Jahre alt war, habe ich mit meinem Leben besseres anzufangen gewusst, als mich für ein Unternehmen zu engagieren. Damals habe ich von Tag zu Tag gelebt und mir das Recht herausgenommen, keine Pläne zu haben. Der große Vorteil meiner Generation war, dass man keine Pläne haben musste und dass man nicht Erfolg haben musste. Und heute ist das Standard: Jeder muss irgendetwas unternehmen, die Qualität von einem Leben ermisst sich daran, was man schafft und hervor bringt. Es ist aber nicht notwendigerweise die Pflicht eines Menschen, etwas zu schaffen. Das Leben kann auch daraus bestehen, dass man sich täglich besäuft und bekifft und Nietzsche liest.</blockquote

>-Bernhard Heinzlmaier

Gleichfreiheit

Mittwoch, Mai 29th, 2013

„[E]ine Demokratie, die es sich zur Aufgabe macht, eine bestimmte Definition der Staatsbürgerschaft zu „konservieren“, ist sicherlich, und zwar aus genau diesem Grund, auch unfähig, gegen ihre eigene „Entdemokratisierung“ Widerstand zu leisten. In dem Maße, wie es Politik mit der Transformation der bestehenden Wirklichkeit zu tun hat, mit deren Anpassung an sich verändernde Umwelten und mit der Formulierung von Alternativen inmitten der laufenden soziologischen und historischen Entwicklungen, wäre ein solches Konzept nicht politisch sondern anti-politisch. Etienne Balibar, Gleichfreiheit

Gegen den systemischen Pessimismus des Besserwissens

Donnerstag, Mai 2nd, 2013

Ich grenze mich aber auch von Leuten wie Slavoj Žižek ab, für die alles, was nicht den großen, gewaltvollen Bruch markiert, nur die Modernisierung des Kapitalismus bedeutet. Diesen Paternalismus linker Meistertheoretiker, in dem alle minoritären Brüche und neuen Erkenntnisse nur die Modernisierung des Kapitalismus bedeuteten, finde ich unproduktiv.

– Judith »Jack« Halberstam in Jungle World

Also, ich hab geschmunzelt

Donnerstag, April 18th, 2013

„Jungen und Technik“ über theorieradikale Tiefenkritik:

Logisch. Wenn mensch sich zu lang den Kopf zerbricht, warum das Bier im Supermarkt 65 Cent kostet, wird man am Ende eben entweder Ideologiekritiker oder Antisemit.

Anders gesagt: Aus den bis in alle feinen Verästelungen und Implikationen durchgecheckten, widerspruchslos richtigen Schlüssen der Theorie folgt nicht mit Notwendigkeit die Praxis, weder eine richtige noch eine falsche. Praxis folgt daraus, dass man damit anfängt einen Anfang zu machen.

Lebenswelten junger Menschen im Norden Ostdeutschlands #7

Dienstag, April 16th, 2013

Bukowski aus Vorpommern? In Grimmen solls nicht stimmen und in Jarmen ist’s zum Gottserbarmen. In Loitz, so sagt die Mittelzeile dieses Sprüchlein, in Loitz da geht’s. Der Autor Jürgen Landt ist in Loitz geboren worden. Ein Feature über Landt beim Literaturradio handelt u.a. von seiner Kindheit und Jugend in Vorpommern.

Oh mein Gott, wie fickt der bloß!
Die Materie des Jürgen Landt. Ein Feature von Ole Schwabe

„Und wie se heut immer sagen „Ohgottogott dit Komasaufen!“ – dat war ganz normal! Es wurde nur koma gesoffen. Jedenfalls in den Kreisen in den‘ ick mich bewecht hab. Auf Tanzveranstaltungen, das war Sinn und Zweck da hin zu gehen und sich wegzusaufen und im Dreck zu liegen. Aber als junger Bengel stehste sofort wieder auf, ne. Dat is…“

Chumbawamba – In Memoriam: Margaret Thatcher

Montag, April 15th, 2013

Too much sociology

Dienstag, April 9th, 2013

n+1 über den Einfluss der Soziologie auf die Kultur:

As with all projects of “disillusionment” for the sake of greater enlightenment, the sociology of culture can come to feel tyrannical in the way of Plato’s Philosopher King: all-knowing, imperious, he moves the citizens along through a dialectical encounter that will lead them to understand their place.

+1

Freitag, März 1st, 2013

Sehr gern sähe ich eine Form intellektueller Praxis verwirklicht, die nicht diktiert, die nicht eifert, sondern demütig genug ist, um zu erkennen, dass neue politische Ideen aus neuen Formen radikaler politischer Praxis erwachsen und dass wir häufig und bestenfalls Interpretatoren sind, die idealerweise in einer Geschenkbeziehung zu jemandem stehen, mit dem wir die Sehnsucht nach einer besseren Welt teilen.

David Graeber: Frei von Herrschaft – Fragmente einer anarchistischen Anthropologie