Posts Tagged ‘Antisemitismus’

Ein Ereignis nötigt uns zunächst dazu, dass wir es überhaupt verstehen…

Freitag, November 30th, 2012

Der Arabische Frühling hat die Grundkategorien unseres Denkens zur Disposition gestellt, denen zufolge »sie«, die Araber, Antidemokraten, »wir« hingegen ein Ausbund an Demokratie sind. Mit der Radikalisierung der israelischen Rechten, mit dem Umstand, dass die Forderungen breiter Bevölkerungskreise von den Politikern ignoriert, ja verhöhnt wurden, mit der Etablierung eines mächtigen oligarchischen Regimes in Israel, in dem sehr wenige Familien einen sehr großen Teil der Wirtschaft kontrollieren, mit der Einschüchterung von Vertretern der Linken durch brutale rechte Gruppen ist es deutlich schwieriger geworden, einen solchen absoluten Gegensatz zwischen ihnen und uns zu behaupten. Der Arabische Frühling bezeichnet einen Moment, in dem alle bisherigen politischen Kategorien zusammenbrachen – obwohl sie rasch wiederhergestellt wurden, als die Muslimbruderschaft in Ägypten eine stark an der Scharia orientierte Verfassung anstrebte.

Eva Illouz: Hoch auf dem Seil, in: Die Zeit

Die Assange-Show

Samstag, April 28th, 2012

Habt ihr das schon mitbekommen? Während Julian Assange im UK unter Hausarrest sitzt, vertreibt er sich die Zeit mit einem von Russia Today produzierten Interview-Format, The World Tomorrow. Das Konzept ist denkbar einfach. Assange unterhält sich mit anderen möglichst kontroversen Persönlichkeiten über die Welt wie sie morgen sein könnte. In Teil I hat er mit dem Hissbollah Chef Hassan Nassrallah geskypet. In Teil zwei unterhält er sich mit Zizek, der den Kommunisten macht und mit David Horrowitz, einem zum Neokonservativen Zionisten konvertierten Ex-Linken. Ziemlich viel Show und Assange inszeniert sich als Rebell und Freigeist. Aber hier zur Kenntnisnahme:

P.S.: Puh, ich mag Onkel Zizek ja ganz gerne. Aber das hier ist ein Idiotenzoo. Minute 4.51 und ich hab schon keinen Bock mehr weiterzuschauen.

Anne Karpf: Don’t be fooled. Europe’s far-right racists are not discerning

Mittwoch, März 28th, 2012

Im Guardian is ein ganz lesenswerter Artikel über die philozionistische Umarmungspolitik der europäischen Rechtspopulisten zu lesen:

So has the Jew, that fabled rootless cosmopolitan, now suddenly become the embodiment of European culture, the „us“ against which the Muslim can be cast as „them“? It’s not so simple. For a start, „traditional“ antisemitism hasn’t exactly evaporated. Look at Hungary, whose ultra-nationalist Jobbik party is unapologetically Holocaust-denying, or Lithuania, where revisionist MPs claim that the Jews were as responsible as the Nazis for the second world war.

What’s more, the „philosemite“, who professes to love Jews and attributes superior intelligence and culture to them, is often (though not always) another incarnation of the antisemite, who projects negative qualities on to them: both see „the Jew“ as a unified racial category.

Occupy und Antisemitismus

Donnerstag, Februar 23rd, 2012

…es war schon lustig: Als ich nach Hause kam und mit meiner Großmutter telefonierte, warnte sie: »Sei vorsichtig, die Leute von ›Occupy‹ sind Antisemiten!« Denn meine Großmutter, ihr Leben lang Demokratin, ist heute mehr oder weniger in ihrem Haus mit dem Kabelfernsehen gefangen und schaut Fox News. Und ich sagte ihr dann: »Bubby, diese ›Occupy‹-Leute, das sind Leute wie ich!«

Mark Greif, in Jungle World #8, 2012

Golden Shower-White Power …oder Mitten im Leben in Rostock

Mittwoch, Januar 25th, 2012

Nach dem Buttersäure-Anschlag auf den Awiro e.V. platzen die Rostocker Nazis im Internet vor Spott und Häme. So war zumindest der Plan. Die immer neuen Kommentare und Artikel sind allerdings weit davon ab, eine Kette von immer niveauloser werdende Entäußerungen von Schadenfreude zu sein. Tatsächlich bietet sich ein anderes, sehr aufschlussreiches Bild, wenn die nationale Rachefantasie an der Tastatur mit den Autoren durchgeht. Man muss nicht besonders viel von Psychoanalyse verstehen, Zizek-Fan sein oder die Studien zum autoritären Charakter intensiv rezipiert haben, um zu sehen, dass die Art und Weise des Schreibens und Beschreibens eines fiktiven Geschehens von Kot-essen etwas Lustvolles hat. Ganz so, wie eine nicht unerhebliche Anzahl von Kinderschützern sich die sexuellen Übergriffe auf Minderjährige extrem detailliert ausmalen, so beschreiben die Nazis der NSR hier eine unterstellte Perversion und schieben sie auf einen ihrer politischen Gegner ab – weil sie selbst anders nicht zum Verbotenen vordringen können.

Und an dieser Stelle wird es traurig. Während aufgeklärte Menschen auch nach einem emanzipativen Sexualverständnis streben, dass nichts moralisch verurteilt, was im freiwilligen Einverständnis zwischen mündigen Partner_innen geschieht und nicht das leibliche und seelische Wohl Dritter gefährdet, verleugnen Nazis alles was von ihrer Ideologie abweicht als abnormal. Wenn die Lustbesetzung von Kot aber pervers ist und man selbst als Nationalist per se auf der Seite der Gesunden steht, dann können eben nur die Anderen pervers sein und die einzige Möglichkeit an ihren verbotenen Freuden teilzuhaben ist, sich obsessiv mit den Perversen zu beschäftigen.

Das Traurige ist natürlich, dass die armen Nazis auf diese Weise nie zu einer eigenen unmittelbaren Verschmelzung mit dem geliebten bzw. begehrten Objekt, in diesem Fall dem Kot vordringen können. Dies wiederum fördert die Aggressionen, derjenigen Frustrierten, die nie auf ihre Kosten kommen und sich die Welt als einen furchtbar ungerechten Ort vorstellen an dem die Ausländer immer die Frauen wegnehmen, die Homosexuellen einfach ungestraft Spaß haben dürfen, ohne sich um Volk und Familie zu kümmern und eben auch die Linken sich allen möglichen Lüsten hingeben, die dem arischen Kämpfer für die Sache seines Volkes verboten sind. Kurzum, man fühlt sich wie immer gefangen in der Opferrolle (- und das nicht ganz von ungefähr).

In diesem Sinne beibt dem Michael, dem Thomas, dem Danny, dem Daniel und auch dem David Norbert nur zu wünschen, dass sie sich – vielleicht zunächst im geschützten Ort, der abgeschlossenen Toilette z.B. – dem eigenen Kot zuwenden und ihn probieren. Und wenn es ihnen gefällt, dann können sie aussteigen, können alle ihre Kameraden verraten und es wird keinen Tag mehr geben an dem sie mit schlechtem Gewissen ihre Lüste auf andere projizieren müssen. Steigt aus! Damit ihr schon morgen kraftvoll zubeißen könnt! Die Welt würde zu einem friedlicheren, zu einem schöneren Ort für uns alle. In diesem Sinne: „Wer hat uns verraten? Nationaldemokraten! Wann hab ich’s gecheckt? Beim Baden im Natursekt!“

Zizek über den arabischen Frühling und die Krise der Demokratie

Freitag, September 23rd, 2011

Teil 2 nach dem Klick (mehr …)

9.November

Dienstag, November 9th, 2010