Posts Tagged ‘Brutalismus’

The Police vs. Grime Music

Samstag, Mai 31st, 2014

Eine Doku über die aktuelle Grime-Generation und die immer noch anhaltende Diskriminierung von Grime Music in London. Die Leute sind mir ein bisschen zu unkritisch mit der Polizei, aber hey, das sind vor allem Musiker denen halt ständig die Shows vermasselt werden. Eine tiefere historische Perspektive der reichen Undergroundkultur wäre auch schön, aber die Doku ist auch nicht schlecht. Im Video gibt es nicht nur Interviews, sondern auch schöne Kamerafahrten durch das architektonische, modernistische Erbe des sozialdemokratischen Nachkriegswohlfahrtsstaats zu sehen.

The Pedway

Freitag, Dezember 6th, 2013

Und für alle die sich nicht so für Moombahton erwärmen können oder denen Musik generell nicht soo wichtig ist, oder die das Video auch einfach schon gesehen hatten – hier nun zu etwas völlig anderem: Eine Doku über die Fußgängerwege über den Straßen, die ein wichtiger Teil der brutalistischen Architektur der Nachkriegszeit gewesen sind. Plattenbau- und Betoncontent. Wunderbar!

Owen Hatherley – A guide to the new ruins of Great Britain

Mittwoch, April 18th, 2012

Owen Hatherley hat Militant Modernism geschrieben, was sehr lesenwert ist. In diesem Vortrag spricht er über Ruinen, die die freie Marktwirtschaft hinterlässt. Der Gedanke, der Spur der Verwüstung zu folgen, die die kapitalistische Modernisierung mit sich bringt, ist auch in einem Bundesland wie Mecklenburg Vorpommern sehr interessant. Denn in Vorpommern etwa finden sich in einigen Orten wie z.B. in Franzburg und in Richtenberg noch Ruinen, die auf den Zusammenbruch der DDR zurückgehen. Daneben lassen sich aber auch leerstehende verlassene Gebäude finden, die verfallen, weil sich der freie Markt aus dem platten Land bereits wieder zurückzieht.

Dazu kommt noch: Hatherley ist Brutalismus-Fan. Im Vortag gibts also auch ein bisschen Plattenbaugeschichte. 😉

Thamesmead

Mittwoch, November 16th, 2011

Im Blog Zehnzeilentief wurde vor einiger Zeit die Frage nach der Faszination für Plattenbau-Fotografie trotz des offenkundigen Scheiterns der Ideen hinter den Sozialbauten aufgeworfen:

„Die Plattenbauweise ist nach der Wende zu einem Symbol für soziale Desintegration geworden, für Uniformierung und Hartz IV-Valium. Für Familiendramen und Filme über Ostdeutsche (es gibt da Überschneidungen) sind sie die liebsten Kulissen. Wir abgeklärten Altbaubewohner finden die Platte mittlerweile wieder ziemlich cool, bloß wohnen wollen wir da nicht. Wir fotografieren sie lieber.“

Das Beispiel der Siedlung Thamesmead nahe London zeigt aber, dass dies nicht allein oder nicht nur auf ostdeutsche oder osteuropäische bzw. post-sozialistische Platte zutrifft. Die modernistischen Hochäuser waren bereits in den 1970er Jahren Kulisse für Stanley Kubricks Verfilmung von A Clockwork Orange und schon damals wenige Jahre nach dem Bau der Wohnsiedlung wirkte die Idee, die sie realisieren sollten monströs und gescheitert. Und aus diesem Grund war sie immer wieder Kulisse.

Owen Hatherley schreibt in Militant Modernism unter anderem über Thamesmead. In seinem Buch sagt er an einer Stelle:

“If Modernity, or Modernism, is our Antiquity, then its ruins have become every bit as fascinating, poignant and morbid as those of the Greeks or Romans were to the 18th century.”

Plattenbauten fasziniert demzufolge also, weil sie Zeugnisse ablegen für die radikalen Versuche des Sozialismus bzw. der Sozialdemokratie ein anderes, neues und besseres Leben für die Menschen zu schaffen. Nach dem Ende der goldenen Ära der Sozialdemokratie im Westen und dem Zusammenbruch des Ostblocks triumphierte weltweit der Neoliberalismus. Dieser bekommt ja nun seit einiger Zeit immer mehr Risse und befindet sich auch ökonomisch in einer Dauerkrise. Wer weiß was wir demnächst fotografieren werden?