Posts Tagged ‘Chantal Mouffe’

Post-Politik? Nein, danke!

Dienstag, August 26th, 2014

Jodi Dean hat im Jahre 2011 einen Text verfasst, in dem sie eine Kritik der Theoretiker*innen der radikalen Demokratie und deren These von einer Ära der Post-Politik vornimmt. Das Fazit des Textes ist ungewöhnlich aber im wahrsten Sinne des Wortes bedenkenswert.

… Links und Rechts teilen die gleiche Rhetorik der Demokratie, eine Rhetorik, die Ethik und Wirtschaft, Diskussion und Konkurrenz zusammenführt, sodass alles eine Version des anderen wird. Ein Angriffskrieg wird im Namen der »Verbreitung der Demokratie« geführt, während zur gleichen Zeit KritikerInnen dieses Kriegs dieselben Begriffe benutzen, um ihrer Opposition Ausdruck zu verleihen und diese zu imaginieren. Die moderne Linke findet sich also in einer Position des echten Sieges – des Sieges in der Niederlage.

Die enorme, vielleicht unmögliche Aufgabe besteht, so Dean mit Verweis auf Žižek, darin, nicht nur die alten (emanzipatorischen, etc.) Träume zu verwirklichen; sondern vielmehr die Art des Träumens neu zu erfinden.


Thomas Seibert: Demokratie als konstituierender Prozess: Dissens statt Konsens

Freitag, November 16th, 2012

Thomas Seibert auf dem Kongress Ziviler Ungehorsam, das Vorspiel bezieht sich noch auf Blockupy. Dann geht es aber zur Sache mit aktuellen Demokratie-Theorien.

Der Soundcloud Account von der Rosa-Luxemburg-Stiftung ist überigens auch in anderer Hinsicht sehr spannend. 😉

Ein Buzzword, zwei Realitäten …mindestens

Freitag, Januar 20th, 2012

Man kann Occupy als schillerndes Buzzword begreifen, oder im Sinne der ursprünglichen Adbusters-Idee als global brand
, oder wenn man es etwas theoretischer mag, als leeren Signifikanten, der viele Differenzen in einer Äquivalenzkette aufhebt, um einen Antagonismus zur neoliberalen Hegemonie zu bilden, ein Begriff also der weite Teile der äußerst differenzierten und heterogenen Gesellschaften in den Staaten des globalen Nordens durch ein gemeinsames politisches Projekt wieder zu einer Konstellation vereinheitlicht, die bei Marx und Engels Klassenkampf hieß. Man darf dabei aber in keinem Fall die Unterschiede in den einzelnen Ländern außer acht lassen. Diese Unterschiede kann man sich bspw. (wenn auch durch die Medienrezeption vermittelt) an zwei Artikeln in linksliberalen Zeitungen in der BRD und im UK vor Augen halten.

Zum ersten, die Jungle World:

Nach einer Phase des Aufstiegs stagnierte die Bewegung zunächst und tritt nun offenbar in das Stadium des Verfalls ein – eine Entwicklung, wie sie viele Bewegungen schon zuvor durchgemacht haben.

Die Medien, die die »Occupy«-Bewegung im vergangenen Herbst noch als unideologische, pragmatische Kritiker des »Neoliberalismus« gefeiert haben, schreiben dieselbe nun nieder. Was vor einigen Monaten noch in der großen Presse als »Schwarmintelligenz« gelobt wurde, wird der Bewegung mittlerweile als Schwarmdummheit angekreidet.

Zum Zweiten der Guardian:

When, as now seems likely, the Occupy London protesters are forced to pack up their tents outside St Paul’s Cathedral the capital will be losing more than one of its newer and less likely tourist attractions.

Also facing eviction, following this week’s high court decision, is the camp’s innovative and vigorous educational arm which, according to academics who have spoken there, can often be a more intellectually stimulating environment than the universities that provide their day jobs.

Die Bewegung hat in beiden Ländern mit Räumung, dem Winter und stagnierender Beteiligung zu kämpfen und doch spielt der gesellschaftliche Hintergrund für den Erfolg oder Misserfolg offenbar eine Rolle. Während die Bewegung im UK aller Probleme zum Trotz eine positive Wirkung entfalten kann, sind die deutschen Okkupisten bei den meisten Linken schon wegen Diffusität oder Irrelevanz abgeschrieben, wenn sie nicht von Anfang an als Abgrenzungsfolie für Weltmeister im Antisemitismusforschen dienten. So oder so wird es im Jahre 2012 aber weiter darauf ankommen, den neoliberalen Schweinereien Widerstand entgegen zu setzen.

Donnerstag, August 25th, 2011

Radikale Politik

Donnerstag, Mai 19th, 2011

Vor einiger Zeit gab es hier auf dem Blog einen Link zu einem älteren Text von Slavoj Zizek. In diesem Pamphlet für die Le Monde Diplomatique hatte der slowenische Philosoph das Ende des postpolitischen Europas der Anpassung an den Weltmarkt beschworen. Dieses Europa der Brüsseler Technokratieexperten, das für kalte europäische Vernunft und gegen griechische Leidenschaft und Korruption, für die Mathematik und gegen das Pathos stehen würde, sei tot.

Tot sind die post-demokratischen Zustände noch nicht, aber ein Blick auf Griechenland und nun auch auf Spanien könnte der These, dass wir in einer Zeit der Re-Demokratiesierung und das heißt einer Re-Politisierung leben, höhere Plausibilität verleihen. Auf jeden Fall ist es nun schon seit Monaten ungeheuer spannend die aktuellen Ereignisse zu verfolgen. Und – es ist eine tiefe innerliche Befriedigung die sich ausbreitet, wenn immer neue Technokraten und Verwalter von Herrschaft ratlos
vor einem neuen Scherbenhaufen stehen, weil die Menschen nicht mehr mitspielen wollen.

In diesem Sinne noch einmal Zizek:

Aber so utopisch es erscheinen mag – die Tür für ein anderes Europa steht immer noch offen: die Tür für jenes Europa, das die antike griechische Demokratie, die Französische und die Oktoberrevolution hervorbrachte.

Slavoj Žižek anlässlich des Antiziganismus in Frankreich über den Zusammenhang von liberalem Mulitkulturalismus und Rechtspopulismus

Dienstag, Oktober 12th, 2010

Im Guardian entwickelt Žižek anlässlich der französischen Abschiebepolitik von Sarkozy und des Aufruhrs um Thilo Sarrazin in Deutschland eine Theorie der Post-Demokratie, die das Aufkommen des Rechtspopulismus nach dem „Ende der Geschichte“, der Ankunft im vermeintlich post-ideologischen Zeitalter erklären kann. Das spannende an diesem Denkansatz ist, dass das Problem umfassend in den Blick genommen werden kann. Während man aktuellen Rassismus oder rechtspopulistische Erfolge in Deutschland und Österreich – nicht zu Unrecht – ja als Fortleben des Faschismus in der Demokratie (Adorno) lesen könnte, trifft dies nicht auf die anderen europäischen Länder zu, die trotz ihrer ungleichen Geschichte die gleichen Erfolge von Ausgrenzungspolitik erleben.

Slavoj Žižek: Liberal multiculturalism masks an old barbarism with a human face
– Across Europe, the politics of the far right is infecting us all with the need for a ‚reasonable‘ anti-immigration policy
(via)

Interessant!

Donnerstag, Juni 17th, 2010

Gerade bei Planet Blogsport gelesen:

Der Verlag Turia + Kant bietet auf seiner Website eines der wichtigsten Bücher zur Debatte zwischen Poststrukturalist_innen und Hegemonietheoretiker_innen zum Download an. Der von Oliver Marchart herausgegebene Band Das Undarstellbare der Politik. Zur Hegemonietheorie Ernesto Laclaus (Wien: Turia + Kant, Wien 1998) versammelt Beiträge von Judith Butler, Simon Critchley, Ernesto Laclau, Slavoj Zizek und anderen zum Konzept radikaldemokratischer Hegemonietheorie. Ernesto Laclau hatte das Konzept zunächst mit Chantal Mouffe in Hegemony and Socialist Strategy. Towards a Radical Demcratic Politics entwickelt.
Neben Contingency, Hegemony, Universality: Contemporary Dialogues On The Left ist Das Undarstellbare eigentlich der Band in dem Fragen der Theoriepolitik aus dem Umfeld des Poststruk am fundiertesten abgehandelt werden.

(via)