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Fotografie und Psychoanalyse

Freitag, Oktober 22nd, 2010

„So wird handgreiflich, daß es eine andere Natur ist, die zu der Kamera als die zum Auge spricht. Anders vor allem dadurch, daß an die Stelle eines vom Menschen mit Bewußtsein durchwirkten Raums ein unbewusst durchwirkter tritt. Ist es schon üblich, daß einer vom Gang der Leute, sei es auch nur im Groben, sich Rechenschaft ablegt, so weiß er bestimmts nichts von ihrer Haltung im Sekundenbruchteil des Auschreitens. Ist uns schon im Groben der Griff geläufig, den wir nach dem Feuerzeug oder Löffel tun, so wissen wir doch kaum von dem, was sich zwischen Hand und Metall dabei eigentlich abspielt, geschweige wie das mit den verschiedenen Verfassungen schwankt, in denen wir uns befinden. Hier greift die Kamera mit ihren Hilfsmitteln, ihrem Stürzen und Steigen, ihren Unterbrechen und Isolieren, ihrem Dehnen und Raffen des Ablaufs, ihrem Vergrößern und ihrem verkleinern ein. Vom Optisch-Unbewussten erfahren wir erst durch sie, wie von dem Triebhaft-Unbewussten durch die Psychoanalyse.“ – Walter Benjamin

Das Zitat stammt aus Walter Benjamins berühmter Schrift „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ aus dem Jahre 1935. Den Kunstwerk-Aufsatz kann man sich, wenn man nicht lesen will oder schon gelesen hat, hier (nochmal) anhören. (via Audioarchiv)