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Der 1. Mai in Rostock Dierkow und Toitenwinkel im Überblick

Freitag, April 18th, 2014

Am 1.Mai will die NPD wieder einmal in Rostock aufmarschieren. Wie auch in den letzten Jahren versuchte sich die Nazipartei möglichst lange bedeckt zu halten, um Gegenproteste zu erschweren. Seit mehreren Wochen wird nun aber offen mobilisiert. Doch auch die Rostocker Zivilgesellschaft und die antirassistischen und antifaschistischen Gruppen und Initiativen reagiert nun wahrnehmbar auf den drohenden Aufmarsch der Neonazis.

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Der Rostocker Migrantenrat hat eine Demonstration angemeldet und mobilisiert dazu gemeinsam zum Gedenkort für das NSU Opfer Mehmet Turgut nach Dierkow und Toitenwinkel zu kommen und gegen Nazis zu demonstrieren Der Migrantenrat ruft des weiteren alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich an den in Planung befindlichen vielfältigen Gegenaktionen am 01. Mai 2014 in Rostock beteiligen. In der Pressemitteilung heißt es unter anderem „Gebt den Neonazis keine Plattform, um ihre Parolen zu verbreiten. Lasst nicht zu, dass das Gedenken an Mehmet Turgut verhöhnt wird.“.

Ein landesweites Bündnis antifaschistischer Gruppen und Strukturen, ruft auf dem Blog http://nazisstoppen.blogsport.eu/ dazu auf, sich an den Gegenaktivitäten zu beteiligen. In ihrem Aufruf betonen die Antifas dass der 1. Mai ist der Kampftag für die soziale und ökonomische Befreiung der ArbeiterInnenklasse ist. „An diesem Tag, wie auch an jedem anderen Tag im Jahr, wendet sich dieser politische Kampf gegen die faschistische Ideologie der Ungleichwertigkeit, welche die Menschen gegeneinander aufhetzt. Wir kämpfen für eine Gesellschaft des selbstbestimmten Lebens und des solidarisch bestimmten Handelns, das frei ist von Mechanismen der Ausgrenzung und jeglichen Herrschaftsverhältnissen.“ Eine solche befreite Gesellschaft könne es mit Nazis niemals geben – so die Antifas in ihrem Aufruf.

Auch die Greifswalder Antifagruppe Defiant mobilisiert nach Rostock. Die Gruppe weist dabei insbesondere auf den 27.04. hin. An diesem Demo-Vorbereitungstag geht es im Jugendzentrum Klex darum, sich aktiv auf Proteste gegen Nazis sowie Demonstrationen und Proteste generell vorzubereiten. Es wird laut Defiant Infos zu den aktuellen Terminen, zu rechtlichen Hintergründen sowie Tipps und Tricks geben. Des weiteren werden wir ein Blockadetraining durchführen sowie andere Situationen durchspielen, die wichtig sein können. Prämisse ist hierbei der gewaltfreie Protest. Ebenfalls wollen wir uns gemeinsam über Ängste und Eventualitäten an solchen Tagen austauschen.

Und unter dem Hashtag #1mHRO zwitschert es in den sozialen Medien. Der Twitteraccount @1m_rostock ist derzeit scheinbar gesperrt. (Stand: Freitag Mittag)

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2004/2014 – Vor 10 Jahren wurde Mehmet Turgut in Rostock von Neonazis ermordet

Mittwoch, Februar 19th, 2014

In diesem Jahr jährt sich der Mord an Mehmet Turgut zum 10. Mal. Das Gedenken am Tatort wird am 25. Februar im dritten Jahr nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrundes mit einer offiziellen Einweihung eines Gedenkortes erstmals auch von Seiten der Stadt Rostock durchgeführt. Die Zahl der Artikel rund um das Datum des 25. nimmt bereits zu. Im Vergleich zu vergangenen Jahren finden deutlich mehr Veranstaltungen statt.

Auch im Peter Weiss Haus wird sich des Themenkomplexes Gedenken in Rostock mit eienr Veranstaltung angenommen, deren Vorankündigung verspricht das Agieren der Stadt, die rassistischen Diskurse um das Erinnern aber auch die Rolle linker- und zivilgesellschaftlicher Akteure kritisch in den Blick zu nehmen:

19 Jahre nach dem Pogrom von Lichtenhagen stand Rostock wieder als Tatort rassistischer Gewalt in den Schlagzeilen. Die Selbstenttarnung des NSU und das Bekanntwerden der Umstände des Mordes an Mehmet Turgut drängten der Stadt sowie der gesamten Gesellschaft eine neuerliche Auseinandersetzung mit Rassismus auf. Seitdem hat sich eine Debatte um die Institutionalisierung eines Gedenkens entsponnen. Diese beinhaltete zunächst Forderungen nach einer Straßenumbennung und Einrichtung eines Gedenkortes, war aber vor allem auch nicht frei von rassistischen Äußerungen und Denkmustern.
Zum 10. Todestag von Mehmet Turgut hat die Stadt Rostock einen offiziellen Gedenkort geschaffen und versucht sich erstmals an einer eigenen Gedenkveranstaltung am Tatort in Toitenwinkel. Am Vorabend des 25. Februars lädt die Initiative „Mord verjährt nicht!“ zu einem Vortrags- und Diskussionsabend ins Peter-Weiss-Haus ein. Im Rahmen der Veranstaltung wird aus Quellenmaterial das Zusammenspiel der Akteure von kritischer Zivilgesellschaft, Medien und Lokalpolitik in der Auseinandersetzung um ein würdiges Gedenken nachgezeichnet. Hierbei liegt ein besonderer Fokus auf dem zögerlichem Agieren der Stadt, den rassistischen Ausfällen in der Debatte aber auch der unzureichenden Interventionen antirassistischer – und antifaschistischer Akteure.