Posts Tagged ‘East London’

Robin Hood Gardens: Requiem for a Dream

Mittwoch, Juni 10th, 2015

Noch einmal London, noch einmal sozialer Wohnungsbau. Dieses Mal aber nicht alles Kulisse für die Grime Geschichtsschreibung, sondern als Hauptperson. Die Robin Hood Gardens liegen fußläufig keine 20 Minuten vom U-Bahnhof Canary Wharf entfernt, jenem Territorium welches früher einmal die Docklands in Ostlondon waren und welches heute durch Glastürme wie in Manhattan geprägt ist. Geht man diesen Weg, von der Glas und Stahlwelt in Richtung der Robin Hood Gardens, ist es als ob man die Thesen über den Zusammenhang von Krise, Kapitalakkumulation und Urbanisierung in David Harveys Rebel Cities mit eigenen Augen sehen kann. Immer neue Bauten von Luxuswohnungen und Geschäftsräumen fressen sich in einen Stadtteil, der ärmsten und einer der reichsten zugleich ist.

Die Architectural Review besucht in diesem Video eines der Bauten, welches der Dynamik bald zum Opfer gefallen sein wird.

Lässt sich die Brinke-WG in einem internationalen Kontext betrachten?

Mittwoch, Oktober 8th, 2014

Drüben bei Kombinat-Fortschritt gibt es eine Reportage mit Bildern von der seit über 6 Tagen anhaltenden Besetzung der Brinkstraße 16-17 in Greifswald. In Zeiten in denen seit Jahrzehnten neue Hausbesetzungen innerhalb der ersten 24 Stunden geräumt werden, ist dies ein sehr bemerkenswerter Umstand. Die Besetzung in der Brinkstraße hat aber auch nichts mit den Bildern von militantem Straßenkampf, wie er in den frühen 1980er Jahren in Westdeutschland und in Ostdeutschland in den frühen 1990ern praktiziert wurde (-unter etwas anderen Umständen übrigens auch in Greifswald, wo Nazis selber besetzten und linke und alternative besetzte Häusern mit Steinen und Molotov-Cocktails angriffen), zu tun. Wenn man die aktuelle Besetzung mit etwas vergleichen will, scheint es in Deutschland im Moment nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten zu geben.

In internationaler Perspektive sieht dies schon anders aus. (mehr …)

The Police vs. Grime Music

Samstag, Mai 31st, 2014

Eine Doku über die aktuelle Grime-Generation und die immer noch anhaltende Diskriminierung von Grime Music in London. Die Leute sind mir ein bisschen zu unkritisch mit der Polizei, aber hey, das sind vor allem Musiker denen halt ständig die Shows vermasselt werden. Eine tiefere historische Perspektive der reichen Undergroundkultur wäre auch schön, aber die Doku ist auch nicht schlecht. Im Video gibt es nicht nur Interviews, sondern auch schöne Kamerafahrten durch das architektonische, modernistische Erbe des sozialdemokratischen Nachkriegswohlfahrtsstaats zu sehen.

Butterz Takeover

Freitag, Januar 31st, 2014

RA.400: Kode9

Dienstag, Januar 28th, 2014

Hyperdub wird dieses Jahr 10 Jahre alt und Resident Advisor ist beim Podcast Nummer 400 angelangt. Beide Geburtstage werden im aktuellen Mix von Steve Goodman/Kode9 zusammengelegt:

It’s tempting to get nostalgic upon reaching a milestone like our 400th podcast, but we instead decided point our gaze in the opposite direction. Goodman’s DJ sets as Kode9 soak up the cutting edge of pretty much any dance music style, and on RA.400 he stays true to form, zipping through house, techno, grime, footwork and hip-hop, plus a bunch of stuff we don’t even have a name for.

Lernen, lernen, nochmals lernen #6

Montag, Dezember 30th, 2013

Heute: „Keep it locked!“

Wenn ich heute auf englischen Bassmusic-Webradios und/oder dem legalisierten ehemaligen Pirateradio Rinse FM Sendungen höre, kommt es vor dass der oder die Sprecherin irgendwann eine Zeile fallenlässt deren Bedutung sich mir lange nicht erschlossen hat. Steve Goodman aka Kode 9 der Labelboss und Gründer von Hyperdub gibt an einer Stelle in seinem Buch Sonic Warfare die Erklärung wo diese Phrase herkommt und welche Bedeutung sie in der Aufhebung der zunächst einseitigen Sender-Empfänger Beziehung von Piratenradio Stationen hat. In dem Kapital beschreibt er zunächst eine Szene im Jahre 2003 aus einem illegalen Radiostudio welche bis zu Beginn und Mitte der 2000er Jahre in den Hochhäusern des kommunalen Wohnungsbaus betrieben wurden. Zu dieser Zeit um das Jahr 2003 herum, gibt es noch kaum Namen für die neuen Spielweisen die sich aus der britischen Soundsystemkultur in Anschluss an Jungle, Drum and Bass und Garage bzw. 2Step entwickeln. Einer der beiden Zwillinge hört bald auf den Namen Dubstep und tritt Mitte/Ende der 2000er einen globalen Siegszug an. Der andere, Grime versinkt für Jahre nach einer Eskalation der Gang-Gewalt in die Nische und erfährt erst in den letzten Jahren wieder neues Leben. (Und Dubstep verdummt derweil zu EDM) Goodman führt das Publikum wieder zurück in die wilden Jahre der frühen 2000er, zurück in das Studio im Zimmer eines Plattenbauhochauses:

For a moment, the scene freezes. The MC stops insulting and becomes an „encryptor“. His mouth becomes a modem, transmitting an asignifying stream of digits to the audience distributed through London’s airwaves: „out to the 365, the 768, the 976, 315.“ Signaling that you are locked into the station’s transmission is made by phoning the stations number, letting it ring once, then hanging up. Acknowledgement of this signal is provided by the host/DJ/MC reciting the last three digits of phone numbers from his log of missed calls on the studio handset. The connection made, the transmission swells, the rate of text mesaages incoming to the studio escalates, while the studio phone vibrates.

Mit dieser Methode des „Anklingelns“ hat das Pirate Radio eine Art kostenlosen Feedback-Kanal, der es erlaubt Rückmeldung zu geben, wie viele Menschen zu einem Zeitpunkt die Sendung hören oder ob ein Song nochmal gespielt werden soll. Wichtig war es dabei, nicht an das Telefon heranzugehen und den eingehenden Anruf nicht anzunehmen, weil dies den Überwachungsbehörden erlaubt hätte die Position des Studios leichter zu lokalisieren.

Answering the mobile phone to a private number potentially allows Offcom, monitoring signal transmissions over the airwaves, to locate the studio much more easily. A whole circuit of connections and disconnections, of contact and evasions. A veritable sonic war machine temporarily occupying a slice of radiophonic territory, hacking the national grid in a logistics of infections.

Goodmann spricht in diesem Zusammenhang von einem bacterial nomadism within the vertical city. Dessen Ästhetik kommt wohl sehr gut in Goodmans Stück Nine Samurai zum Ausdruck welches er als Kode 9 zusammen mit dem MC The Spaceape aufgenommen hat:

In einem gramscianischen Grabenkampf wird für die Dauer von Stunden, um Frequenzen und Präsenz gekämpft und ein virtueller Freiraum besetzt gehalten, indem völlig neue Stile wuchern. Wobei Piratenradio schon immer ein Motor in der kreativen Popkultur im UK waren.
Das Rückmelden des Keeping it Locked macht dabei das Hören dieser Sendungen zu mehr als einer Einbahnstraßenkommunikation und stellt virtuell Gemeinschaft her, wo die Polizei Grime-Konzerte wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verbietet oder abbricht.

Heutige Bedeutung

Zurück zum Keeping it Locked im Hier und Jetzt. Mit dem Aufkommen von Webradios ist es heute nicht mehr notwendig über einen illegal betriebenen Radiosender zu funken. Die Phrase vom keeping it locked hat sich aber in die Sprache der Musikkulturen eingegraben, die auf diesen Sendern lebte. Ein Beispiel für das Überleben dieses Prinzips der Rückkopplung und des Feedbacks ist zum Beispiel die Kommunikation in der Radioshow der Partyreihenveranstalter von The Heatwave mittels Hastags über Twitter- und Facebook Timelines. Um Feedback zu geben loggen sich Hörer_innen bei Twitter und Facebook ein und hinterlassen mit einem Hashtag versehen kurze Nachrichten, die anzeigen, dass sie locked in sind. Auf dem Podcast der augezeichneten Sendung hört sich das dann in etwa so an, wie Goodman es in Sonic Warfare beschreibt: ein zeitweise breit anschwellender Strom von Namen und Pseudonymen wird zurückgegrüßt und der Einbahnstraße der Radiosendung wurde eine Rücklaufschleife hinzugefügt.

Elijah & Skilliam: 5 Years of Butterz on Rinse FM

Dienstag, November 26th, 2013

New Generation Grime, auch schon wieder ein paar Jahre eine Institution. Hier Elijah & Skilliam’s Sendung zur Five Year Anniversary Show auf Rinse featuring (in dieser Reihenfolge) – Royal-T, Moony, Flava D, Elijah & Skilliam, Last Japan, P Jam, Spooky, Mr Mitch, Darq E Freaker, Faze Miyake & Rude Kid

Geschichtsstunde #11

Donnerstag, April 4th, 2013

Geschichte, Geschichte. Schon wieder was lernen, ja. Das Interwebs ist so voll von Informationen dass man damit allerdings praktisch nie aufhören muss. Royal T’s Eski Mix den es bei Rinse FM gibt verweist auf eine frühe Phase als Grime noch ein so junges Phänomen war, dass es noch nicht mal einen einheitlichen Namen für die Schublade gab. Auch die Schublade selbst musste überhaupt erst einmal Gestalt gewinnen. Ähnlich wie bei der Entwicklungsgeschichte von Dubstep kursierten zunächst eine ganze Reihe von Namen. Eskibeat – war einer davon, und dieser Begriff ist vor allem mit dem Namen Wiley verbunden. Royal T eröffnet seinen Mix mit Wiley Wot U Call It?, einem Stück, dass die damalige Schwierigkeit, das noch junge Kind beim Namen zu nennen, zum Thema hat.

Royal T indes gehört zu Butterz und steht damit für die gegenwärtige Wiedergeburt von Grime, insbesondere als eigenständige – von MC’s relativ unabhängige- Musik.

Geschichtsstunde #10

Donnerstag, März 28th, 2013

Wenn du gerade angesichts des heran nahenden Wochenendes und der damit eventuell verbundenen Feiereien bereits die Füße hoch und alle Arbeit bei Seite gelegt hast, dich nun angesichts des guten, aber immer noch kalten Wetters fragst, was man jetzt mit dem angebrochenen Tag anfangen kann – hier kommt ein Vorschlag: Auf The Quietus gibt es ein nicht ganz originelles aber in dem Fall dennoch interessantes Format mit Terror Danjah. Der Grime-Prodzent greift in die Plattenkiste und erzählt etwas über seinen musikalischen Werdegang. Besonders interessant ist, dabei sein Aufrollen der geschichtlichen Einflüsse durch verschiedene Stile hinweg für die auch bisweilen mit dem Begriff des britischen Hardcore-Continuum gearbeitet wird. Anstatt Grime einfach als englische Spielart des HipHop zu betrachten diskutiert Terror Danjah in dem Interview u.a. die aus der Dancehall-Soundsystem Kultur kommenden Einflüsse.

P.S.: Durch John Jeremiah Sullivans Reportagen-Sammelband Pulphead bei Suhrkamp bin ich auf einen anderen Text zu Bunny Wailer gestoßen, den englischen Originaltext gibt es hier. Der ist insofern interessant, weil da nicht nur Reggaegeschichte nachvollzgen wird, sondern auch ein paar interessante Dinge zu den patriarchalen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der Homophobie gesagt werden, was ja sonst oft genug unter den Tisch fällt aber eben auch zum Thema gehört.

Elijah & Skilliam & Newham Generals

Dienstag, März 26th, 2013

Butterz Gründer Elijah and Skilliam mit den Newham Generals letzten Sonntag auf Rinse FM.