Posts Tagged ‘Hannah Arendt’

Daniel Loick: Wir Flüchtlinge

Dienstag, Oktober 6th, 2015

Staaten werden fortan nie wieder die Masse der Geflüchteten absorbieren können. Sie werden daher versuchen, so seine düstere Diagnose, dieser Herausforderung Herr zu werden, indem sie Geflüchtete räumlich konzentrieren und so das Unlokalisierbare der Migration zu lokalisieren versuchen. Dies gelingt durch die Einrichtung verräumlichter Ausnahmezustände, das heißt Lagern: Orten, in denen nacktes Leben produziert wird, das dem Recht nur noch passiv unterliegt, ohne es selbst je aktiv in Anspruch nehmen zu können.

aus : Eutopiamagazine

Das Phantasma der Sicherheit durchqueren

Dienstag, Juli 9th, 2013

Bei aller Kritik Jacques Rancieres an den politischen Theorien Hannah Arendts sind sich beide doch in einem Punkt einig: die politische Philosophie dient vor allem dazu, den Skandal der Politik, d.h. die Unordnung, die durch das demokratische Handeln immer wieder entsteht zu bewältigen. Politische Philosophien entwickeln Ideen von gerechten Ordnungen, um Herrschaft zu legitimieren, die diese Un-Ordnung beendet und wieder in Ordnung bringt. (Siehe Arendts und Rancieres Ablehnung der Bezeichnung politische_r Philosoph_in)Seit Platon wurde eine solche Idee der Ordnung des guten Staates durch die politische Philosophie immer wieder in dem Bild des menschlichen Organismus ausgedrückt. Funktionen des Staates werden beispielsweise mit Prinzipien der Seele und ihren Anteilen gleichgesetzt, um aus der Analogie des menschlichen Körpers eine Ordnung der Teile des Staates abzuleiten. Lassen wir einmal außen vor, dass solche Analogien nur der Herrschaftslegitimierung und -sicherung dienen und nehmen diese Ideologie für ein Gedankengang als gegeben hin – und schlagen dann eine aktuelle Zeitung auf. (mehr …)

Hannah Arendt Center: Discussion on Occupy Wall Street

Sonntag, Oktober 23rd, 2011

Im Blog des Hannah Arendt Center wird der Fokus auf OWS vor allem aus der Perspektive von Arendts „Über die Revolution“ bestimmt. In diesem Buch steckt u.a. ihre Theorie einer Räterepublik die sie den repräsentativen westlichen Demokratien vorziehen würde (weshalb sie nebenbei gesagt gemäß des Dresdener Hannah Arendt Instituts als sog. Extremistin gelten müsste, was natürlich nicht ohne Ironie ist, wenn Arendt, die in dem Buch immer wieder die Wichtigkeit der Formulierung einer Verfassung im Rahmen der Revolution betont, als Verfassungsfeindin markiert würde). Das Video zeigt eine Diskussion zu den Protesten in New York.

Occupy Wall Street Roundtable Discussion (Intro) from Hannah Arendt Center on Vimeo.

Der andauernde Treppenwitz der sächsischen Extremistenjägerei

Sonntag, August 21st, 2011

Das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) hatte die Broschüre „Antifa Jugend Info“ der Leipziger Kampagne „Fence Off“ als linksextremistisch eingeschätzt. Die Zeitung sei von linksextremistischen Akteuren produziert worden und beeinhalte linksextreme Inhalte. Liest man sich das kleine Heftchen durch so findet man in den eher niedrigschwellig und sehr pädagogisch gehaltenen Texten auch eine Passage, die nun so ganz und garnicht mit dem Etikett Extremismus in Übereinstimmung zu bringen ist. Am Ende eines Textes über die Leipziger Fussballvereine und deren jeweiliger Fanszenen heißt es abschließend:

„Ihr solltet euch auch bewusst machen, dass ihr heute zum Fußball gehen könnt aufgrund politischer Prozesse und Wandlungen. Die Freizeit, die wir heute genießen, ist ein Produkt aus langjährigen politischen Kämpfen, die oft auch blutig waren und uns die heutigen Freiheiten erst ermöglicht haben. Daher solltet ihr genauso wie in der Schule, in eurer Freizeit oder sonstwo der Diskriminierungen anderer Menschen entgegentreten und sowas nicht tolerieren – auch nicht beim Fußball.“

Diese Passage ist nun beim besten Willen nicht in irgendeiner Weise extremistisch, sondern im Gegenteil von einem ins Auge stechenden Republikanismus geprägt. Würden die, dem Verfassungsschutz zuarbeitenden sächsischen Extremistenjäger sich mal mit der Autorin befassen, nach der sie in Dresden immerhin ihr Institut benannt haben, so müsste ihnen das auch aufgefallen sein. Die Passage entspricht im besten Sinne der arendtschen Theorie wonach der Geist der Freiheit nur so lange am Leben erhalten wird, wie sich die Menschen ihrer Gründung erinnern. In ihren Überlegungen über den zivilen Ungehorsam kommt diesem sogar die Aufgabe der Wieder-Gründung bzw. Re-Aktualisierung der Freiheit durch kollektives politisches Handeln zu. Auch wenn zugestanden wird, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse und die jeweilige politische Kultur und Vergangenheit der USA der 1960er Jahre und des Freistaates Sachsen in der Gegenwart deutlich unterschieden sind, kann man wohl schwerlich behaupten, dass ein Text, der an die gesellschaftlichen Kämpfe zur Erlangung der demokratischen Freiheiten erinnert und sich zu ihnen bekennt irgendwie doch anti-demokratisch sei.

Hier zeigt sich dass die Extremismusideologie kein Ergebnis einer Beobachtung der gegebenen politischen Verhältnisse ist, sondern eine heuristische Folie, die die Wahrnehmung der Gegenwart filtert und dann all die Gestalten aufscheinen lässt, deren Existenz zuvor axiomatisch festgesetzt worden ist.

-bei Interesse findet sich hier ein erster Überblick über die Problematik bei Arendt

Word!

Mittwoch, Juli 27th, 2011

Political questions are far too serious to be left to the politicians.

– Hannah Arendt

„Der Zweck der Sache gerät hier nicht mehr nur aus dem Blick, sondern das Mittel birgt die Gefahr mit der gesamten Menschheit überhaupt jeden Zweck zu vernichten.“

Donnerstag, April 7th, 2011

Aergernis befragt Hannah Arendts politisches Denken anlässlich der aktuellen Atomkatastrophen: Klick!

Derzeit scheint es ja generell ein wenig, als würde Hannah Arendt endlich auch mal breiter selbst gelesen und ihr Werk nicht nur als Stichwortfundus gegen den Totalitarismus zusammengekürzt. Das ist schön.