Posts Tagged ‘Hegemonie’

Ernesto Laclau ist tot

Dienstag, April 15th, 2014

Mit 78 Jahren starb der politische Theoretiker Ernesto Laclau kürzlich in Sevilla. Laclau hat mit Chantal Mouffe in den 1980er Jahren mit „Hegemony and Socialist Strategy“ eine Dekonstruktion des Marxismus vorgenommen und eine Re-Lektüre von Antonio Gramscis Hegemonietheorie vorgeschlagen. Verso-Books hat einen Nachruf auf Laclau veröffentlicht. Link.

In der taz hat Cord Riechelmann einen Nachruf auf deutsch geschrieben.

Margret Thatcher ist tot

Montag, April 8th, 2013

Das Ausmaß an sozialer Spaltung in Großbritannien, welches eine der wichtigsten und herausstechendsten Lebensleistungen von Margret Thatcher gewesen ist und auch zukünftig wohl leider ihr bleibendes Vermächtnis sein wird – lässt sich am Ausmaß von Spott und Häme bemessen, die sich im Moment auf englischen Seiten im Internet wie eine Flutwelle ergießen.

Um das politische Werk und Vermächtnis der sog. Eisernen Lady besser würdigen zu können, hier noch einmal eine Doku von Ken Loach über den Bergarbeiterstreik in den 1980ern, in denen Thatcher in einem Jahr andauernden Kampf gegen den Streik die stärksten und einflussreichsten Fraktionen der organisierten Arbeiterklasse in England zerschlug.

Ken Loach / Which Side Are You On (1984)

Post Scriptum: (mehr …)

Occupy Missverständnisse

Freitag, Oktober 26th, 2012

Peter Bierl zielt dem Anspruch nach in seinem Beitrag in Jungle World auf Occupy verfehlt aber diesen Gegenstand, weil er statt dessen lieber über sein eigentliches Steckenpferd, die rechten Kapitalismuskritiken schreiben will.

Der ganze erste Absatz des Dossiers in der Jungle World der letzten Woche beschreibt Occupy in den Grenzen einer Narration, die sich in verschiedenen Nuancen – mal in kritischer, mal in affirmativer Absicht – in den Berichten „der“ Medien über Occupy findet. Und hier liegt schon ein großes Problem in Bierls Text, denn in diese Beschreibungen sind Fremdzuschreibungen. Wer in kritischer Absicht über Occupy schreiben will darf natürlich nicht einfach bloß die Perspektive der Eigenwahrnehmung der Bewegung kaufen, wenn dabei die Frage zunächst einmal außer gelassen wird, ob es eine solche „eine“ Selbstwahrnehmung überhaupt gibt. Man sollte sich aber schon etwas mehr mit dem befassen was der Gegenstand ist, indem man ihn auch selbst befragt. Bierl mag dies auch getan haben, sein Text liegt im ersten und einführenden Part allerdings voll auf der Linie der bürgerlichen Presse.

Der Text weist dann im Folgenden allerdings Spezifika der deutschen linken Beschäftigung mit Occupy auf, um es mal herunterzubrechen: er erklärt den noch dummen und naiven Neulingen, was sie alles noch nicht können und warum sie alles falsch gemacht haben. (mehr …)

Dresden, der Protest und die Bürger – ein hegemonietheoretischer Blick auf den 13. Februar

Donnerstag, Februar 16th, 2012

Mahngang Täterspuren in Dresden 2012(Bild via Kombinat Fortschritt)

Peter Nowak schreibt auf heise.de einen Beitrag zum diesjährigen 13. Februar in Dresden. Er stellt dort fest, dass in diesem Jahr anders als in den Vorjahren die Menschenkette und nicht die Blockaden des antifaschistischen Bündnisses im Mittelpunkt des Medieninteresses stand. Im Folgenden kritisiert er, dass die die Motivation der Teilnehmer an der Menschenkette durchaus diffus blieb. Bei aller Kritik am bürgerlichen Gedenkzirkus und dem weiterhin wirkmächtigen Opfermythos sollten aber nicht die massiven Verschiebungen der politischen Kräfte-Verhältnisse aus den Augen geraten, die der Februar Dresden in den vergangenen drei Jahren erlebt hat. (mehr …)

Ein Buzzword, zwei Realitäten …mindestens

Freitag, Januar 20th, 2012

Man kann Occupy als schillerndes Buzzword begreifen, oder im Sinne der ursprünglichen Adbusters-Idee als global brand
, oder wenn man es etwas theoretischer mag, als leeren Signifikanten, der viele Differenzen in einer Äquivalenzkette aufhebt, um einen Antagonismus zur neoliberalen Hegemonie zu bilden, ein Begriff also der weite Teile der äußerst differenzierten und heterogenen Gesellschaften in den Staaten des globalen Nordens durch ein gemeinsames politisches Projekt wieder zu einer Konstellation vereinheitlicht, die bei Marx und Engels Klassenkampf hieß. Man darf dabei aber in keinem Fall die Unterschiede in den einzelnen Ländern außer acht lassen. Diese Unterschiede kann man sich bspw. (wenn auch durch die Medienrezeption vermittelt) an zwei Artikeln in linksliberalen Zeitungen in der BRD und im UK vor Augen halten.

Zum ersten, die Jungle World:

Nach einer Phase des Aufstiegs stagnierte die Bewegung zunächst und tritt nun offenbar in das Stadium des Verfalls ein – eine Entwicklung, wie sie viele Bewegungen schon zuvor durchgemacht haben.

Die Medien, die die »Occupy«-Bewegung im vergangenen Herbst noch als unideologische, pragmatische Kritiker des »Neoliberalismus« gefeiert haben, schreiben dieselbe nun nieder. Was vor einigen Monaten noch in der großen Presse als »Schwarmintelligenz« gelobt wurde, wird der Bewegung mittlerweile als Schwarmdummheit angekreidet.

Zum Zweiten der Guardian:

When, as now seems likely, the Occupy London protesters are forced to pack up their tents outside St Paul’s Cathedral the capital will be losing more than one of its newer and less likely tourist attractions.

Also facing eviction, following this week’s high court decision, is the camp’s innovative and vigorous educational arm which, according to academics who have spoken there, can often be a more intellectually stimulating environment than the universities that provide their day jobs.

Die Bewegung hat in beiden Ländern mit Räumung, dem Winter und stagnierender Beteiligung zu kämpfen und doch spielt der gesellschaftliche Hintergrund für den Erfolg oder Misserfolg offenbar eine Rolle. Während die Bewegung im UK aller Probleme zum Trotz eine positive Wirkung entfalten kann, sind die deutschen Okkupisten bei den meisten Linken schon wegen Diffusität oder Irrelevanz abgeschrieben, wenn sie nicht von Anfang an als Abgrenzungsfolie für Weltmeister im Antisemitismusforschen dienten. So oder so wird es im Jahre 2012 aber weiter darauf ankommen, den neoliberalen Schweinereien Widerstand entgegen zu setzen.

Kombinat Fortschritt mit einer Arbeit am Begriff Faschismus

Montag, Januar 16th, 2012

Drüben beim Kombinat-Fortschritt gibts einen Text zu den Verdiensten und Schwächen der berühmt-berüchtigten Dimitroff-These über den Faschismus. Obwohl die Tendenz zur Ablehnung der These schnell deutlich wird, ist der Text ziemlich fair geraten.

Zizek über den arabischen Frühling und die Krise der Demokratie

Freitag, September 23rd, 2011

Teil 2 nach dem Klick (mehr …)

Donnerstag, August 25th, 2011

Re-Thinking Marx: Serhat Karakayali – „Vom Verschwinden der Klassen zur Klasse des Verschwindens“

Donnerstag, Juni 9th, 2011

Bei den Freien Radios kann man verschiedene Vorträge von der Konferenz Re-Thinking Marx nachhören. Hier soll auf einen Beitrag hingewiesen werden, der sich mit dem Klassenkampf beschäftigt, der aber nicht so sehr Marx‘ Text referiert oder/und auslegt, sondern sich um eine Neubestimmung des Klassenkampfes bemüht. Im Vergleich zu den beiden anderen Beiträgen des Panels war der Vortrag relativ schwer zu verstehen. Das liegt sicherlich nicht zuletzt daran, dass Karakayali hier eher von zeitgenössischen oder auch postmodern genannten Theorien ausgeht, anstatt um die richtige Formel des Wertgesetzes zu streiten (was zugegebenermaßen auch nicht immer leicht zu verfolgen ist 😉 ).

Serhat Karakayali: „Vom Verschwinden der Klassen zur Klasse des Verschwindens“ (25:19 min)

Edit:
Spiegelschrift hat bereits vor einiger Zeit einen Bericht verfasst.

Radikale Politik

Donnerstag, Mai 19th, 2011

Vor einiger Zeit gab es hier auf dem Blog einen Link zu einem älteren Text von Slavoj Zizek. In diesem Pamphlet für die Le Monde Diplomatique hatte der slowenische Philosoph das Ende des postpolitischen Europas der Anpassung an den Weltmarkt beschworen. Dieses Europa der Brüsseler Technokratieexperten, das für kalte europäische Vernunft und gegen griechische Leidenschaft und Korruption, für die Mathematik und gegen das Pathos stehen würde, sei tot.

Tot sind die post-demokratischen Zustände noch nicht, aber ein Blick auf Griechenland und nun auch auf Spanien könnte der These, dass wir in einer Zeit der Re-Demokratiesierung und das heißt einer Re-Politisierung leben, höhere Plausibilität verleihen. Auf jeden Fall ist es nun schon seit Monaten ungeheuer spannend die aktuellen Ereignisse zu verfolgen. Und – es ist eine tiefe innerliche Befriedigung die sich ausbreitet, wenn immer neue Technokraten und Verwalter von Herrschaft ratlos
vor einem neuen Scherbenhaufen stehen, weil die Menschen nicht mehr mitspielen wollen.

In diesem Sinne noch einmal Zizek:

Aber so utopisch es erscheinen mag – die Tür für ein anderes Europa steht immer noch offen: die Tür für jenes Europa, das die antike griechische Demokratie, die Französische und die Oktoberrevolution hervorbrachte.

Grundsatzartikel: “Bildung: Kein Diener des Kapitals!” – Fail

Mittwoch, April 13th, 2011

Im Rahmen der Aktionswoche zum Thema Bildung verteilten Rostocker Nazis realsatirische Flugblätter an städtischen Gymnasien, um anschauliche Beispiele für die Bildungsmisere zu liefern.

Das ruft natürlich Mitgefühl gegenüber den Laufburschen der NPD hervor. Wenn sie wirklich einmal das Werk von Kant, Hegel oder Nietzsche lesen und verstehen möchten, dann sollten sie ein Aussteiger-Gespräch führen. Sie sollten alle Verbindungen zur Nazi-Szene abbrechen und dann werden sie bei uns alle Hilfe bekommen, die sie sich wünschen können, um sich diese Autoren (gern auch andere) und ihr reiches Werk anzueignen. Das gleiche Angebot gilt natürlich auch bei Interesse an einer vernünftigen Kapitalismuskritik.
Schülerinnen und Schüler denen das Bildungsystem stinkt, sollten sich weiterhin an die Menschen wenden, die ihnen wirklich ernsthaft weiterhelfen können.

Nazi-Anschläge gegen Castor-Gegner_innen

Freitag, Februar 18th, 2011

Ein interessanter Artikel der Antifa Greifswald zu den Angriffen von Nazis auf Castor-Gegner_innen.

Interessant!

Donnerstag, Juni 17th, 2010

Gerade bei Planet Blogsport gelesen:

Der Verlag Turia + Kant bietet auf seiner Website eines der wichtigsten Bücher zur Debatte zwischen Poststrukturalist_innen und Hegemonietheoretiker_innen zum Download an. Der von Oliver Marchart herausgegebene Band Das Undarstellbare der Politik. Zur Hegemonietheorie Ernesto Laclaus (Wien: Turia + Kant, Wien 1998) versammelt Beiträge von Judith Butler, Simon Critchley, Ernesto Laclau, Slavoj Zizek und anderen zum Konzept radikaldemokratischer Hegemonietheorie. Ernesto Laclau hatte das Konzept zunächst mit Chantal Mouffe in Hegemony and Socialist Strategy. Towards a Radical Demcratic Politics entwickelt.
Neben Contingency, Hegemony, Universality: Contemporary Dialogues On The Left ist Das Undarstellbare eigentlich der Band in dem Fragen der Theoriepolitik aus dem Umfeld des Poststruk am fundiertesten abgehandelt werden.

(via)