Posts Tagged ‘Kapitalismus’

Das Phantasma durchqueren

Donnerstag, Juli 9th, 2015

Dieses Oszillieren zwischen Juwel und Scheiße ist nicht das zwischen der idealisierten ätherischen Phantasie und der rauen Wirklichkeit, sondern ein Oszillieren, bei dem beide Extreme phantasmatisch sind; d.h., der phantasmatische Raum ist eben jener Raum des unmittelbaren Übergangs vom einen Extrem zum anderen.

Slavoj Žižek: Was können wir wirklich von Tibet lernen?; in: Die gnadenlose Liebe, S.111.

Let’s not live like slaves!

Dienstag, Oktober 7th, 2014

Eine Dokumentation über die anhaltenden Auswirkungen der Krise in Griechenland, sowie über Versuche der sozialen Bewegungen damit umzugehen.

Untertitel gibt es in den verschiedensten Sprachen, auch in deutscher Sprache und können im Youtubefenster eingestellt werden.

Post-Politik? Nein, danke!

Dienstag, August 26th, 2014

Jodi Dean hat im Jahre 2011 einen Text verfasst, in dem sie eine Kritik der Theoretiker*innen der radikalen Demokratie und deren These von einer Ära der Post-Politik vornimmt. Das Fazit des Textes ist ungewöhnlich aber im wahrsten Sinne des Wortes bedenkenswert.

… Links und Rechts teilen die gleiche Rhetorik der Demokratie, eine Rhetorik, die Ethik und Wirtschaft, Diskussion und Konkurrenz zusammenführt, sodass alles eine Version des anderen wird. Ein Angriffskrieg wird im Namen der »Verbreitung der Demokratie« geführt, während zur gleichen Zeit KritikerInnen dieses Kriegs dieselben Begriffe benutzen, um ihrer Opposition Ausdruck zu verleihen und diese zu imaginieren. Die moderne Linke findet sich also in einer Position des echten Sieges – des Sieges in der Niederlage.

Die enorme, vielleicht unmögliche Aufgabe besteht, so Dean mit Verweis auf Žižek, darin, nicht nur die alten (emanzipatorischen, etc.) Träume zu verwirklichen; sondern vielmehr die Art des Träumens neu zu erfinden.


Neoliberale Fantasien

Mittwoch, Juni 18th, 2014

„In der Konkurrenz erscheint diese innre Tendenz des Kapitals als ein Zwang, der ihm von fremdem Kapital angetan wird und der es vorantreibt über die richtige Proportion mit beständigem Marche, marche!“ – Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, MEW 42, S. 327

Das folgende Video stellt ein beeindruckendes Zeugnis von Ideologieproduktion dar. Das Werbevideo preist die Vorzüge des polnischen Standortes für Investoren. Interessant sind dabei welche Vorzüge an Polen herausgestellt werden und zwar unabhängig davon, ob die angepriesenen Zustände tatsächlich existieren oder nicht. Ebenfalls auffallend ist die Bildsprache, welche die Versicherungen von Stabilität, Wirtschaftsentwicklung und guter Performance in der Krise zum Ausdruck bringen soll: immer wieder gibt es neben glücklich herumtanzenden Yuppies Kamerafahrten durch Glas- und Stahlbauten zu sehen, welche beide eine prosperierende Zukunft verheißen sollen. Werbevideos von Staaten, die zum Investieren einladen sind nun keine Erfindung polnischer PR-Agenturen, sondern laufen auf den internationalen Wirtschaftskanälen von CNN und BBC ständig in den Werbepausen. Dieses Video sticht aber doch aufgrund der aggressiven Freude angesichts des Outperformens der meisten anderen EU-Staaten hervor. Selten hatte Chauvinismus so ein bezauberndes Lächeln und zum Unterstreichen des Willens zur Leistung wird dann das Business-Kostüm vom Leib gerissen und im Kreise der Kollegen getanzt. Fun ist ein Stahlbad!

Zum Entspannen von den Freuden der Konkurrenz sei hier noch ein nüchterner Artikel aus der Jungle World über die Leitzinspolitik der Verbilligung des Geldes Europäische Zentralbank und deren Verfehlung der ausgegebenen Wachstumsziele (plus kurzes Revival des Schwundgeld-Theoretikers Silvio Gesell) empfohlen.

Silvia Federici presents „Caliban and the Witch“

Freitag, Mai 23rd, 2014

Wikipedia fasst zusammen:

Federicis bekanntestes Buch Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation (erschienen 2004) behandelt die Enteignung und Ausbeutung weiblicher und kolonialisierter Körper im Lauf der Geschichte. Federicis Begriff von Reproduktionsarbeit umfasst nicht nur die klassische Hausarbeit, sondern auch landwirtschaftliche Subsistenzwirtschaft, Gesundheitsversorgung, Erziehung, aber auch Sexarbeit und andere Formen bezahlter Reproduktionsarbeit.

Sie argumentiert gegen Marx`These von der ursprünglichen Akkumulation als „natürliche“ Vorbedingung für die Entwicklung des Kapitalismus und stellt dem entgegen, die Aufteilung zwischen der Warenproduktion und der Arbeitskraft sei essenziell gewesen: „Nur die Produktion von Waren war als Arbeit anerkannt, während die Produktion von Arbeitskraft, insbesondere der Teil, der zu Hause stattfindet und normalerweise Hausarbeit genannt wird, als persönlicher Service definiert wurde, der keiner Bezahlung wert war. Diese Dichotomie ist eine immense Quelle für ökonomische Akkumulation. Sie hat die schweren Schultern der Arbeiterklasse erleichtert, zumeist auf Kosten der Frauen, die die Arbeitskraft reproduzierten.“

Federici bezieht sich auf Theorien des italienischen Operaismus der sechziger Jahre, antikoloniale Kämpfe und die Bürgerrechtsbewegung in den USA. Sie sympathisiert mit der Occupy-Bewegung in den USA und tritt für Commons ein, also für kollektives Eigentum, das von einer Gemeinschaft organisiert wird, die gleichberechtigt entscheidet und profitiert. Für Federici wird beispielsweise mit Community-Gärten oder Gemeinschaftsküchen an die mittelalterliche Allmende-Tradition angeknüpft. Sie sieht in der in Commons geleisteten Reproduktionsarbeit eine Alternative zur Reproduktionsarbeit im Kapitalismus.

Spanien: Polizeigewalt gegen Journalisten am Rande von Krisenprotesten

Sonntag, März 30th, 2014

Hier hinter dem Link finden sich drei Videos von diesem Wochenende zum Thema Status von Demokratie, Bürger_innenrechten und Pressefreiheit in der alternativlosen Eurorettung. Klick!

Care Debatte in der Jungle World

Dienstag, März 25th, 2014

Gefällt mir ganz gut, der Beitrag von um’s Ganze in der aktuellen Jungle World zur Care Debatte:

Das von Judith Butler angestoßene »Queer-Theorem« hat – zumindest in Deutschland – fast alle bisherigen Debatten auf den Müllhaufen der Geschichte verfrachtet. Zwar ist der dekonstruktivistischen Intervention von Butler und anderen Theoretiker_innen in die Frauen- und Geschlechterforschung die radikale Kritik an Zweigeschlechtlichkeit, Heteronormativität und dem Objektivitätsanspruch der (Natur-)Wissenschaft, vor allem in Gestalt von Biologie und Medizin, zu verdanken. Es war wohl eine der wichtigsten Einsichten der Gender Studies, dass Frau­enbewegung und Geschlechterforschung durch ihren Fokus auf Geschlecht diese Kategorie selbst hervorhoben, anstatt auf dessen Überwindung hinzuarbeiten. Allerdings hat die Konzentration der Gender Studies auf die Diskursivität und Performanz von Geschlechtlichkeit umgekehrt oft konkrete Analysen der materiellen Bedingungen von Normen und Ungleichheiten übersprungen. Die Frage, wie Geschlechtlichkeit als soziales Verhältnis entsteht und warum es beständig (wieder-)hergestellt wird, wurde aus dem Blick verloren – und so ihre Strukturierung in und durch kapitalistische Verhältnisse und nationale Interessen ignoriert.

In der ak gab es dazu allerdings schon mehr zu lesen.

Griechenland: Faktisch fehlt nach der Schließung der Polikliniken die primäre ärztliche Grundversorgung

Mittwoch, Februar 19th, 2014

Mit sofortiger Wirkung hat der griechische Gesundheitsminister Adonis Georgiadis sämtliche Polikliniken des Landes geschlossen.

Joachim Gauck wundert sich, „dass der Begriff „neoliberal“ heute so negativ besetzt ist.“ – O RLY?

Freitag, Januar 17th, 2014

„Joachim Gauck soll die Fresse halten zum Rassismus!“ rief ein sichtlich empörter Aktivist am Rande des Auftrittes des Bundespräsidenten zum 20jährigen Gedenken an das Pogrom von Rostock Lichtenhagen. Macht der natürlich nicht. Ist ja auch sein Job als Bundespräsident hier und dort Sonntagsreden zu halten und das deutsche Volk zu repräsentieren. Das eigene Profil, welches Gauck diesem Job in seiner Amtszeit verpasst, ist es immer und immer wieder „Freiheit“ zu sagen. Am liebsten würdigt er den Kampf um Freiheit, wenn er sich bereits in der Vergangenheit abgespielt hat und/oder gegen (post-)sozialistische Regierungen richtet oder gerichtet hat. Das Blog Publikative hat das vor einiger Zeit mal so zusammengefasst:

Gauck ist genau jener Typus des Konservativen, der seine Verachtung des Pöbels Antikommunismus nennt, der keineswegs Staatsferne will, sondern den Staat als institutionelles Instrument zur Aufrechterhaltung der sozio-ökonomischen Ordnung betrachtet, die jedoch zunächst mal moralisch betrachtet und begründet wird. Der Rechtsstaat ist in seiner jetzigen Form die gegebene rechtliche Form, einer moralisch sittlichen Ordnung, die Gauck so gut findet. Dem hat sich das Individuum unterzuordnen.

Und genau dies zeigt sich auch in seiner neuesten Verteidigung der Freiheit. Joachim Gauck wundert sich in einer Festrede beim Walter Eucken Institut warum der Neoliberalismus in der Bevölkerung so schlecht da steht. – Hat der Mann seit der Pleite der Lehmann Brothers mal eigentlich mal Zeitung gelesen oder sich mit normalen Menschen in Griechenland, Spanien, Portugal, Irland, Italien unterhalten oder wenigstens den Lokalteil der Zeitung aufgeschlagen als in Berlin Rosemarie F. gestorben ist?

Andrej Holm im Gespräch (Teil 3): Recht auf Stadt

Mittwoch, Januar 15th, 2014

Die Teile Zwei und Eins bei Youtube.

Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist kommen die Toten auf die Erde

Sonntag, Dezember 1st, 2013

One Big Union

Freitag, August 2nd, 2013

Er war ganz bestürzt, als er herausfand – dass die meisten Männer ihre Arbeit hassten. Es war sonderbar, ja furchterregend, dass man hier ganz allgemein so dachte aber man kam nicht um die Tatsache herum – sie hassten ihre Arbeit. Sie hassten die Bosse, und sie hassten die Fabrikanten; sie hassten den ganzen Betrieb, die ganze Gegend, sogar die ganze Stadt – mit einem allumfassenden, bitteren glühenden Hass. Selbst Frauen und Kinder fluchten mit: So ein Dreck, so ein verdammter Mist – es war alles Scheiße!

– Upton Sinclair: Der Dschungel

Ärger im Paradies

Mittwoch, Juli 17th, 2013

It is crucial that we don’t see the Turkish protests merely as a secular civil society rising up against an authoritarian Islamist regime supported by a silent Muslim majority. What complicates the picture is the protests’ anti-capitalist thrust: protesters intuitively sense that free-market fundamentalism and fundamentalist Islam are not mutually exclusive. The privatisation of public space by an Islamist government shows that the two forms of fundamentalism can work hand in hand: it’s a clear sign that the ‘eternal’ marriage between democracy and capitalism is nearing divorce.

– Slavoj Žižek, Trouble in Paradise

Das Phantasma der Sicherheit durchqueren

Dienstag, Juli 9th, 2013

Bei aller Kritik Jacques Rancieres an den politischen Theorien Hannah Arendts sind sich beide doch in einem Punkt einig: die politische Philosophie dient vor allem dazu, den Skandal der Politik, d.h. die Unordnung, die durch das demokratische Handeln immer wieder entsteht zu bewältigen. Politische Philosophien entwickeln Ideen von gerechten Ordnungen, um Herrschaft zu legitimieren, die diese Un-Ordnung beendet und wieder in Ordnung bringt. (Siehe Arendts und Rancieres Ablehnung der Bezeichnung politische_r Philosoph_in)Seit Platon wurde eine solche Idee der Ordnung des guten Staates durch die politische Philosophie immer wieder in dem Bild des menschlichen Organismus ausgedrückt. Funktionen des Staates werden beispielsweise mit Prinzipien der Seele und ihren Anteilen gleichgesetzt, um aus der Analogie des menschlichen Körpers eine Ordnung der Teile des Staates abzuleiten. Lassen wir einmal außen vor, dass solche Analogien nur der Herrschaftslegitimierung und -sicherung dienen und nehmen diese Ideologie für ein Gedankengang als gegeben hin – und schlagen dann eine aktuelle Zeitung auf. (mehr …)

Dankenswerte Klarheit

Montag, Juni 17th, 2013

In einem 16 seitigen Papier zum Stand der Dinge bei der europäischen Schuldenkrise redet JP Morgan in dankenswerter Weise Klartext: Ein wichtiges Hemmnis der Strukturanpassung in den Südeuropäischen Ländern sind demnach Elemente in den Verfassungen der Staaten die als Reaktion auf die Überwindung des Faschismus eingeführt wurden. Nochmal eine Nummer deutlicher: JP Morgan fänd es besser, wenn die Verfassungen der verschuldeten Staaten an der Peripherie der EU weniger Gesetze zum Schutz vor der Wiederkehr des Faschismus hätten. Gut zu wissen.