Posts Tagged ‘London’

Robin Hood Gardens: Requiem for a Dream

Mittwoch, Juni 10th, 2015

Noch einmal London, noch einmal sozialer Wohnungsbau. Dieses Mal aber nicht alles Kulisse für die Grime Geschichtsschreibung, sondern als Hauptperson. Die Robin Hood Gardens liegen fußläufig keine 20 Minuten vom U-Bahnhof Canary Wharf entfernt, jenem Territorium welches früher einmal die Docklands in Ostlondon waren und welches heute durch Glastürme wie in Manhattan geprägt ist. Geht man diesen Weg, von der Glas und Stahlwelt in Richtung der Robin Hood Gardens, ist es als ob man die Thesen über den Zusammenhang von Krise, Kapitalakkumulation und Urbanisierung in David Harveys Rebel Cities mit eigenen Augen sehen kann. Immer neue Bauten von Luxuswohnungen und Geschäftsräumen fressen sich in einen Stadtteil, der ärmsten und einer der reichsten zugleich ist.

Die Architectural Review besucht in diesem Video eines der Bauten, welches der Dynamik bald zum Opfer gefallen sein wird.

Slimzee’s going on terrible

Mittwoch, Juni 10th, 2015

SLIMZEE'S GOING ON TERRIBLE from Rollo Jackson on Vimeo.

I‘ was jus‘ guys in hoodies on tha mic

Sonntag, Februar 1st, 2015

Lässt sich die Brinke-WG in einem internationalen Kontext betrachten?

Mittwoch, Oktober 8th, 2014

Drüben bei Kombinat-Fortschritt gibt es eine Reportage mit Bildern von der seit über 6 Tagen anhaltenden Besetzung der Brinkstraße 16-17 in Greifswald. In Zeiten in denen seit Jahrzehnten neue Hausbesetzungen innerhalb der ersten 24 Stunden geräumt werden, ist dies ein sehr bemerkenswerter Umstand. Die Besetzung in der Brinkstraße hat aber auch nichts mit den Bildern von militantem Straßenkampf, wie er in den frühen 1980er Jahren in Westdeutschland und in Ostdeutschland in den frühen 1990ern praktiziert wurde (-unter etwas anderen Umständen übrigens auch in Greifswald, wo Nazis selber besetzten und linke und alternative besetzte Häusern mit Steinen und Molotov-Cocktails angriffen), zu tun. Wenn man die aktuelle Besetzung mit etwas vergleichen will, scheint es in Deutschland im Moment nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten zu geben.

In internationaler Perspektive sieht dies schon anders aus. (mehr …)

Lernen, lernen, nochmals lernen #6

Montag, Dezember 30th, 2013

Heute: „Keep it locked!“

Wenn ich heute auf englischen Bassmusic-Webradios und/oder dem legalisierten ehemaligen Pirateradio Rinse FM Sendungen höre, kommt es vor dass der oder die Sprecherin irgendwann eine Zeile fallenlässt deren Bedutung sich mir lange nicht erschlossen hat. Steve Goodman aka Kode 9 der Labelboss und Gründer von Hyperdub gibt an einer Stelle in seinem Buch Sonic Warfare die Erklärung wo diese Phrase herkommt und welche Bedeutung sie in der Aufhebung der zunächst einseitigen Sender-Empfänger Beziehung von Piratenradio Stationen hat. In dem Kapital beschreibt er zunächst eine Szene im Jahre 2003 aus einem illegalen Radiostudio welche bis zu Beginn und Mitte der 2000er Jahre in den Hochhäusern des kommunalen Wohnungsbaus betrieben wurden. Zu dieser Zeit um das Jahr 2003 herum, gibt es noch kaum Namen für die neuen Spielweisen die sich aus der britischen Soundsystemkultur in Anschluss an Jungle, Drum and Bass und Garage bzw. 2Step entwickeln. Einer der beiden Zwillinge hört bald auf den Namen Dubstep und tritt Mitte/Ende der 2000er einen globalen Siegszug an. Der andere, Grime versinkt für Jahre nach einer Eskalation der Gang-Gewalt in die Nische und erfährt erst in den letzten Jahren wieder neues Leben. (Und Dubstep verdummt derweil zu EDM) Goodman führt das Publikum wieder zurück in die wilden Jahre der frühen 2000er, zurück in das Studio im Zimmer eines Plattenbauhochauses:

For a moment, the scene freezes. The MC stops insulting and becomes an „encryptor“. His mouth becomes a modem, transmitting an asignifying stream of digits to the audience distributed through London’s airwaves: „out to the 365, the 768, the 976, 315.“ Signaling that you are locked into the station’s transmission is made by phoning the stations number, letting it ring once, then hanging up. Acknowledgement of this signal is provided by the host/DJ/MC reciting the last three digits of phone numbers from his log of missed calls on the studio handset. The connection made, the transmission swells, the rate of text mesaages incoming to the studio escalates, while the studio phone vibrates.

Mit dieser Methode des „Anklingelns“ hat das Pirate Radio eine Art kostenlosen Feedback-Kanal, der es erlaubt Rückmeldung zu geben, wie viele Menschen zu einem Zeitpunkt die Sendung hören oder ob ein Song nochmal gespielt werden soll. Wichtig war es dabei, nicht an das Telefon heranzugehen und den eingehenden Anruf nicht anzunehmen, weil dies den Überwachungsbehörden erlaubt hätte die Position des Studios leichter zu lokalisieren.

Answering the mobile phone to a private number potentially allows Offcom, monitoring signal transmissions over the airwaves, to locate the studio much more easily. A whole circuit of connections and disconnections, of contact and evasions. A veritable sonic war machine temporarily occupying a slice of radiophonic territory, hacking the national grid in a logistics of infections.

Goodmann spricht in diesem Zusammenhang von einem bacterial nomadism within the vertical city. Dessen Ästhetik kommt wohl sehr gut in Goodmans Stück Nine Samurai zum Ausdruck welches er als Kode 9 zusammen mit dem MC The Spaceape aufgenommen hat:

In einem gramscianischen Grabenkampf wird für die Dauer von Stunden, um Frequenzen und Präsenz gekämpft und ein virtueller Freiraum besetzt gehalten, indem völlig neue Stile wuchern. Wobei Piratenradio schon immer ein Motor in der kreativen Popkultur im UK waren.
Das Rückmelden des Keeping it Locked macht dabei das Hören dieser Sendungen zu mehr als einer Einbahnstraßenkommunikation und stellt virtuell Gemeinschaft her, wo die Polizei Grime-Konzerte wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verbietet oder abbricht.

Heutige Bedeutung

Zurück zum Keeping it Locked im Hier und Jetzt. Mit dem Aufkommen von Webradios ist es heute nicht mehr notwendig über einen illegal betriebenen Radiosender zu funken. Die Phrase vom keeping it locked hat sich aber in die Sprache der Musikkulturen eingegraben, die auf diesen Sendern lebte. Ein Beispiel für das Überleben dieses Prinzips der Rückkopplung und des Feedbacks ist zum Beispiel die Kommunikation in der Radioshow der Partyreihenveranstalter von The Heatwave mittels Hastags über Twitter- und Facebook Timelines. Um Feedback zu geben loggen sich Hörer_innen bei Twitter und Facebook ein und hinterlassen mit einem Hashtag versehen kurze Nachrichten, die anzeigen, dass sie locked in sind. Auf dem Podcast der augezeichneten Sendung hört sich das dann in etwa so an, wie Goodman es in Sonic Warfare beschreibt: ein zeitweise breit anschwellender Strom von Namen und Pseudonymen wird zurückgegrüßt und der Einbahnstraße der Radiosendung wurde eine Rücklaufschleife hinzugefügt.

The Pedway

Freitag, Dezember 6th, 2013

Und für alle die sich nicht so für Moombahton erwärmen können oder denen Musik generell nicht soo wichtig ist, oder die das Video auch einfach schon gesehen hatten – hier nun zu etwas völlig anderem: Eine Doku über die Fußgängerwege über den Straßen, die ein wichtiger Teil der brutalistischen Architektur der Nachkriegszeit gewesen sind. Plattenbau- und Betoncontent. Wunderbar!

Amplify Dot

Dienstag, Dezember 3rd, 2013

A. Dot ist eine sehr sympathische Künstlerin, die mir durch ein Video mit Ms Dynamite aufgefallen ist. Ich kenn jetzt ehrlich gesagt nicht sooviele Grime-Künstlerinnen. Schaut man sich bspw. die RinseFM Geburtstagsinterviewserie an kommt da eine Frau wie Sarah Souljah Lockhart bezeichnenderweise als im Hintergrund Reproduktionsarbeit leistende Akteurin vor. Es mag aber auch sein, dass mein Einblick einfach zu beschränkt ist. Wie auch immer, durch Amplify Dots Soundcloud kann man sich jedenfalls sehr gut durchhören. Ab heute Nacht hat sie auch eine eigene Radiosendung bei BBC 1Xtra, ne Aufzeichnung zur ersten Sendung hab ich aber noch nicht gefunden.

Elijah & Skilliam: 5 Years of Butterz on Rinse FM

Dienstag, November 26th, 2013

New Generation Grime, auch schon wieder ein paar Jahre eine Institution. Hier Elijah & Skilliam’s Sendung zur Five Year Anniversary Show auf Rinse featuring (in dieser Reihenfolge) – Royal-T, Moony, Flava D, Elijah & Skilliam, Last Japan, P Jam, Spooky, Mr Mitch, Darq E Freaker, Faze Miyake & Rude Kid

Wot u callit?

Donnerstag, November 14th, 2013

The hippy in charge of the sound system is from an eco-farm and has, he tells me, been trying to play ‚politically right-on reggae‘. However, a new crowd – in which the oldest person is maybe seventeen – takes over the crucial jack plug. A young black girl inserts this plug to her Blackberry (iPhones are out for this demographic) and pumps out to dubstep. Or what sounds to me like dubstep.

A few hours later, after I’ve blogged all this under the headline „The Dubstep Rebellion“, some protestors make vigorous representations to me via twitter: they present a detailed playlist of the tracks blasted out in Parliament Square, which proves the music was not dubstep but grime. It was the Grime Rebellion, doh.

– Paul Mason, Why it’s still kicking off everywhere

Preoccupying: David Harvey

Mittwoch, August 7th, 2013

Die Occupied Times aus London hat ein Interiew mit David Harvey.

From Plan A to C – Understanding the Crisis in the UK

Freitag, Juli 12th, 2013

Die seit 2007 anhaltenden Krise hält weiterhin ganz Europa in Atem. Doch die konkreten Auswirkungen der Krise, insbesondere die Rezepte mit denen die jeweiligen Regierungen der EU Mitgliedsstaaten darauf antworten unterscheiden sich z.T. sehr stark. Eine Möglichkeit, die Varianten und „Lösungsvorschläge“ im Diskurs in Großbritannien zu sortieren nimmt das Projekt Plan C vor. Der Name Plan C verweist dabei zugleich auf eine Analyse der Krisenpolitiken und einem eigenen Vorschlag (C) gegen die falsche Alternative von Neoliberalismus (A) und Neokeynesianismus (B).

Plan A – Austerity Politik des parlamentarischen Blocks von Conservative Party bis Labour

Die als Plan A identifizierte Agenda ist im wesentlichen die unabhängig von der jeweiligen Regierung(skoalition) in Großbritannien herrschende Politik. Auch die Labourparty will die Kürzungen, will damit das Abschaffen des öffentlichen Sektors zugunsten der Kommerzialisierung kommunaler Dienstleistungen oder der Zerschlagung der öffentlichen Krankenversorgung durch Privatisierung. Das „befremdliche Überleben des Neoliberalismus“ von dem Colin Crouch schreibt, besteht unter anderem darin, dass die Sozialdemokraten lediglich ein anderes Tempo für die Implentierung der für unausweichlich angesehenen Maßnahmen vorlegen wollen.

Plan B – Die sozialistische Rückkehr zum Nachkriegswohlfahrtsstaat

Der Plan B, der nicht im Parlament vertretenen sozialistischen Parteien und linken Strömungen überzeugt auch nicht recht: Er besteht in der Sehnsucht nach der Rückkehr zu den glorreichen Hochzeiten des Nachkriegswohlstaats. Doch nicht nur, dass 30 Jahre Hegemonie des Neoliberalismus das produzierende Gewerbe im UK fast ausnahmslos abgeschafft und durch den Dienstleistungssektor ersetzt hat macht das neokeynesianische Rückkehren zu unbegegrenztem Wachstum und Vollbeschäftigung fragwürdig.

Plan C – Eine Politik der Commons

Was demgegenüber der Plan C sein, soll stellte einer der Aktivisten auf dem ums Ganze Kongress „Politik in der Krise“ vor:

Mala – Changes (Harmonimix aka James Blake)

Freitag, April 19th, 2013

Oxide & Neutrino – Armor Dubplate

Sonntag, April 14th, 2013

Diesen Track habe ich neulich als Rausschmeißer in einem Garage-Mix gehört, der mir via FACT Magazine in die Finger kam. So mag ich Dubstep. Oxide & Neutrino kommen eher aus der Garage Ecke und waren Teil der Südlondoner So Solid Crew. Anfang der 2000er waren sie im UK mal richtig groß mit Nr 1 Chartplatzierung und allem drum und dran. Nach allem was ich rausfinden konnte wurde das folgende Stück nie regulär veröffentlicht.

Coki – Spring Break Mix

Dienstag, April 2nd, 2013

Some Oldschool. Kann man schon so sagen*. Denn das Label Digital Mystikz hat in den frühen 2000ern den Sound von Dubstep entscheidend geprägt indem die Reggae-Traditionslinie aus dem Hardcore Continium wieder stärker herausgearbeitet wurde. DMZs Coki hatte unter anderem Anteil an Bengas -ich glaube erstem richtigen großen – Hit Night. Der ist wiederum mit Skream zusammen ja einer derjenigen, für die sich der weltweite Erfolg des Genres auch finanziell gelohnt haben dürfte. Der folgende Mix ging in einer Sendung der beiden auf BBC Radio 1 über den Äther und bringt ein Set von Coki/DMZ.

*Forget about Skrillex and that Stuff, anyway.

Geschichtsstunde #10

Donnerstag, März 28th, 2013

Wenn du gerade angesichts des heran nahenden Wochenendes und der damit eventuell verbundenen Feiereien bereits die Füße hoch und alle Arbeit bei Seite gelegt hast, dich nun angesichts des guten, aber immer noch kalten Wetters fragst, was man jetzt mit dem angebrochenen Tag anfangen kann – hier kommt ein Vorschlag: Auf The Quietus gibt es ein nicht ganz originelles aber in dem Fall dennoch interessantes Format mit Terror Danjah. Der Grime-Prodzent greift in die Plattenkiste und erzählt etwas über seinen musikalischen Werdegang. Besonders interessant ist, dabei sein Aufrollen der geschichtlichen Einflüsse durch verschiedene Stile hinweg für die auch bisweilen mit dem Begriff des britischen Hardcore-Continuum gearbeitet wird. Anstatt Grime einfach als englische Spielart des HipHop zu betrachten diskutiert Terror Danjah in dem Interview u.a. die aus der Dancehall-Soundsystem Kultur kommenden Einflüsse.

P.S.: Durch John Jeremiah Sullivans Reportagen-Sammelband Pulphead bei Suhrkamp bin ich auf einen anderen Text zu Bunny Wailer gestoßen, den englischen Originaltext gibt es hier. Der ist insofern interessant, weil da nicht nur Reggaegeschichte nachvollzgen wird, sondern auch ein paar interessante Dinge zu den patriarchalen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und der Homophobie gesagt werden, was ja sonst oft genug unter den Tisch fällt aber eben auch zum Thema gehört.