Posts Tagged ‘Mecklenburg Vorpommern’

Flimmern, keine Gnade – Kurzgeschlossen Flimmern

Samstag, September 28th, 2013

Beim Querlesen durch verschiedene Blogs und Timelines bei Facebook kommt plötzlich dieser Ohrwurm von den Goldenen Zitronen wieder zurück in den Kopf:

Plötzlich der Morgenappell: Empörung aktivieren
Aufstehen, Aufstand, Anstand
Dass ein paar der hauptberuflichen Hülsenpacker
Zu einer klareren Sprache fanden
Zeigte einmal mehr ihre Ignoranz
Gegenüber dem richtigen Bildausschnitt

Allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massive ergreift

Donnerstag, August 8th, 2013

„Die Kritik an Platten kann die Platten der Kritik nicht ersetzen.“ – Absolute Beginner

Alle Jahre wieder kommt auch der Verfassungsschutzbericht. So ganz wollen die Beamten des Innenministeriums aber doch nicht in das Kritikerfach wechseln. Obwohl das Bundesland eines der Zentren neonazistischer Hatecore Musik ist, fast jedes Wochenende irgendwo im Land ein Rechtsrockkonzert über die Bühne geht und Nazi-Musiker aus Mecklenburg Vorpommern nicht nur in verschiedensten Ländern Europas, sondern auch in den USA Konzerte gespielt haben, beschäftigt sich der Verfassungsschutz vor allem mit einer Band. Und große Überraschung – diese ist natürlich eine antifaschistische Kapelle.

Entsprechend verärgert äußern sich Feine Sahne Fischfilet daher auf ihrem Blog zur erneuten Nennung.

Weitere Kommentare zum Bericht finden sich bei Kombinat Fortschritt und dem Fleischervorstadt-Blog.

Grüne unterstützen Vorstoß zur Einrichtung eines Untersuchungsausschuss in MV nicht

Mittwoch, März 6th, 2013

Warum, kann man in einer 5-seitigen Erklärung hier nachlesen. Klick!

Im wesentlichen werden dabei Probleme ins Feld geführt, die bereits in der öffentlichen Debatte aufgegriffen wurden. „Arbeit zieht Arbeit nach sich“ – dies etwas flapsige Wort gilt auch für das Gegenteil: Wer keine Akten hat, die die eigene Behörde belasten, braucht auch nichts noch einmal zu untersuchen. Während der Innenminister daraus den Schluss zieht, seine Schlapphüte besser ausstatten zu lassen, ziehen die Grünen hier eine andere Konsequenz und diese Entscheidung ist vermutlich das beste an der ganzen Erklärung. Zivilgesellschaftliche Initiativen müssen sich schon jetzt vor Gericht mit einer Behörde rumschlagen, die Nazisttukturen über V-Leute finanziert und gleichzeitig versucht aktive und effektive Arbeit gegen Rassismus und Neonazismus unter dem Banner der Extremismusbekämpfung tatkräftig zu behindern. Solchen Behörden mit dem nachvollziehbaren Wunsch nach Konsequenzen aus dem NSU Skandal paradoxerweise noch eine Vorlage zum Ausbau ihrer Strukturen zu liefern wäre in der Tat sehr unschön.

KF: Protest bei Podiumsdiskussion an Universität Rostock

Freitag, Januar 18th, 2013

Ausführlicher Beitrag bei Kombinat Fortschritt über die Störung eines Auftrittes des Verfassungsschutz MV bei einer Podiumsdiskussion an der Universität Rostock.

Auf Nachfrage des ehemaligen Ausländerbeauftragten und Lichtenhagen-Zeitzeugen Wolfgang Richter zu rassistischen Ermittlungsansätzen der zuständigen Behörden antwortete Flenker, dass Rassismus ihm fern läge, schließlich sei sein Nachbar ein türkischer Gemüsehändler und deshalb könne er die Angehörigen verstehen. Auf die Nachfrage aus dem Publikum was denn geschähe, wenn der Verfassungsschutz abgeschafft würde antwortete Flenker, dass der Gesellschaft ein Frühwarnsystem verloren gehen würde – Frühwarn(!)system muss in den Ohren der Angehörigen und Freunde der 10 Mordopfer wie Hohn klingen. Aber was zählt in dieser Gesellschaft und dieser Behörde das Empfinden der Angehörigen?
Einen weiteren Tiefpunkt erreichte er, als er die Fehler des VS mit den Worten relativierte, dem Finanzamt würden bei der Steuererklärung eben auch Fehler passieren.

Antira-Initiativen kritisieren bevorstehende Abschiebungen von Roma aus MV und HH

Dienstag, November 27th, 2012

Die antirasstistische Kampagne Kampagne Stop it! teil in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit anderen Initiativen mit, dass nach Berichten der Betroffenen in den kommenden Tagen und Wochen ernet mit Abschiebungen von Roma aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg geplant sind. Schon morgen soll mindestens eine weitere Roma-Familie, die sich derzeit in dem Erstaufnahme- und Abschiebelager in Horst bei Boizenburg befindet, über Hamburg in ihr Herkunftsland Mazedonien abgeschoben werden. Für den 10.12.2012 plant die Regierung von MV eine Sammelabschiebung von Roma aus dem Lager Horst per Reisebus nach Serbien, darunter wiederholt viele Kinder. Die Initiativen protestieren gegen die erzwungenen Abschiebungen und die rassistische Stimmungsmache in der Bundes- und Landespolitik:

„Die antiziganistische Hetze, die von Bundesinnenminister Friedrich, Innenminister Schünemann (Niedersachsen) und auch MVs Innenminister Caffier vor kurzem betrieben wurde, der zufolge Roma als „Wirtschaftsflüchtlinge“, die das Asylrecht missbrauchen würden, dargestellt wurden, findet ihre Konsequenzen in den bereits vollzogenen und geplanten Abschiebungen und zeigt, welche konkrete Bedrohung für die Betroffenen von solchen rassistischen Diskursen in der Gesellschaft und den Institutionen ausgeht!“
– kritisieren die antirassistischen Initiativen.

Mehr bei „Stop it – Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen!“

„Ich danke allen, die für eine gelebte Demokratie, für unser Gemeinwesen eintreten“ Lorenz Caffier

Donnerstag, November 8th, 2012

Sie finanzieren die Neonaziszene mit V-Leuten, lassen über 10 Jahre lang eine Terrorbanden morden und schreddern die Akten, um eine Aufklärung zu verhindern – oder schweigen sich wie im Fall Mecklenburg Vorpommern einfach hartnäckig aus, sie schnüffeln und schreiben hinter Punkbands her und jetzt telefoniert die Polizei auch noch Busunternehmen ab, damit diese keine Menschen zu Protestkundgebungen gegen menschenverachtende Neonazi-Märsche befördern. Was lehrt uns all dies über sog. „extremistische Potenziale“ und „eine gelebte Demokratie“ (Lorenz Caffier) in Mecklenburg Vorpommern?

Polizei versucht demokratische Gegenproteste in Wolgast zu behindern

Polizei versucht Anreise von demokratischen Gegendemonstranten zu behindern – Bündnis „Rassisten stoppen“ mobilisiert weiter

Am bevorstehenden Freitag, den 9. November, will die neonazistische NPD in Wolgast aufmarschieren. Ein Verbot der Demonstration durch die Versammlungsbehörde wurde am Mittwoch vom Verwaltungsgericht unter Auflagen aufgehoben. Unterdessen versucht die Polizei offenbar unter dem Deckmantel der Gefahrenprävention, legitimen und friedlichen Protest gegen den Aufmarsch zu verhindern. (mehr …)

Antifaschistische Band aus MV bald auf dem Index?

Dienstag, April 10th, 2012

Man kennt das. Jahrelang wird man schräg angeschaut, wenn es doof kommt gibt’s auch bei Gelegenheit ein paar auf die Fresse. Interessieren tut es niemanden. Den meisten ist es egal, weil „sie sich nicht soo für Politik interessieren“, der wesentlich wichtigere Grund ist oftmals, dass Sie mit Denen die zuschlagen bekannt und befreundet sind. Alternative und linke Jugendliche haben es auf dem platten Lande und in den allermeisten Städten des Bundeslandes nicht einfach. Es sind garnicht mehr so viele Nazis, aber es sind immer noch viel zu viele Stumme Menschen, die mit ihrem Schweigen und ihrem Desinteresse möglich machen, dass Nazis (fast) freie Hand haben. – Wenn man etwas dagegen tun will, steht man nicht nur all zu oft alleine da. Es kommt auch vor, dass man offen angefeindet wird. Dann sind die stummen Menschen plötzlich nicht mehr still, wenn es Leute gibt die die Verhältnisse kritisieren, weil sie andere Verhältnisse haben wollen.
Die Fälle sind nur allzu gut bekannt. Jugendliche denen die Schuld daran gegeben wird, dass sie von Nazis verprügelt werden. Polizei, die zuerst immer die Linken verdächtigt Streit gesucht zu haben und immer wieder ist da auch die schreiende Dummheit, der schweigenden stummen Masse. Und nun wird eine Band, die sich eingemischt hat, die da hingegangen ist, wo es sonst viel zu still ist, vom Landeskriminalamt ins Visier genommen. Die Sonne scheint, da sie keine andere Wahl hat, auf nichts Neues. – Wie gesagt, man kennt das. Aber will man es verstehen?

Peter Nowak: Tod im Getreidefeld

Montag, März 12th, 2012

In der Jungle World gibt es einen Artikel über einen Dokumentarfilm, der an zwei rumänische Migranten erinnert, die im Juni 1992 in Mecklenburg-Vorpommern in einem Getreidefeld mutmaßlich von Polizisten und einem Jäger erschossen wurden. Der genaue Tathergang wurde bisher nicht aufgeklärt.

Die Namen Grigore Velcu und Eudache Calderar kannte bisher kaum jemand. Das könnte sich bald ändern. In wenigen Monaten wird der Dokumentarfilm »Revision« in die Kinos kommen, der den bislang ungeklärten Tod der beiden Roma aus Rumänien in einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern in den frühen Morgenstunden des 29. Juni 1992 zum Thema hat. Schon auf der Berlinale sorgte Philip Scheffners Film für Diskussionen. Vielleicht auch, weil die Männer den falschen Pass hatten, gab es in den Medien damals nur eine kurze Meldung zum Tod Velcus und Calderars. Die offizielle Version lautet, die beiden Männer seien beim illegalen Übertritt der deutsch-polnischen Grenze von Jägern erschossen worden, die die Gruppe, die in dem Getreidefeld auf ihren Transfer wartete, mit Wildschweinen verwechselt hätten. Die Schützen konnten schnell ermittelt werden. Ein ehemaliger Polizist und passionierter Jäger aus der Region sowie ein Jäger aus Hessen wurden wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Nachdem das Verfahren über mehrere Jahre verschleppt worden war, erfolgte ohne jede kritische Öffentlichkeit die Einstellung. Auch eine Revision wurde verworfen. Es habe nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden können, wer die tödlichen Schüsse abgegeben habe, die beide Männer getötet haben, lautet die Hauptbegründung für die Einstellung.

Den ganzen Artikel bei der Jungle World lesen.

Alter Vadder!, Teil 27

Dienstag, Januar 17th, 2012

Oha, beim neuen Release von Micronaut auf Acker Records jetzt wird noch mal eine Extra Schaufel Lokalpatriotismus aufgeschmissen:

…dabei war der doch eigentlich unter die Sachsen gegangen oder?

Lebenswelten junger Menschen im Norden Ostdeutschlands #2, #3

Dienstag, Dezember 27th, 2011

#2

Nettes Egozine-mäßiges Blog aus bzw. über die ehemalige Kreisstadt von Nordvorpommern.

#3

Fremdscham in Karow bei Wismar. (schon etwas älter)

Konsequenzen aus der sogenannten Zwickauer Zelle

Donnerstag, November 17th, 2011

Dem nun in neuem Licht erscheinenden Problem der rechten Gewalt wird man nicht gerecht werden indem neue Behörden, neue Überwachungskompetenzen und neue Zentraldateien geschaffen werden. Überhaupt ist es ein bisschen ungerecht jetzt vor allem den Polizistinnen und Polizisten vorzuwerfen, sie hätten ihre Arbeit nicht ordentlich gemacht. Schließlich waren es nicht die Polizisten, die an die Öffentlichkeit getreten sind und von der Notwendigkeit geredet haben, das Asylrecht massiv einzuschränken, weil die deutsche Gesellschaft die vielen Fremden nicht mehr verkraften könne. Die Beamtinnen und Beamten in den Ermittlungsbehörden haben nicht vor wachsender Deutschenfeindlichkeit auf den deutschen Schulhöfen gewarnt. Die Behörden haben machen keine Politik mit der Diffamierung des Antifaschismus als Deckmantel für Linksextremisten. Die Gewerkschaft der deutschen Polizei sagt vieles, aber sie hat nicht davor gewarnt, dass Deutschland sich demnächst abschaffen würde. Und der Verfassungsschutz hat auch nicht die akzeptierende Jugendarbeit mit Neonazis erfunden.

Die Polizistinnen und Polizisten in den verschiedenen mit der sogenannten Zwickauer Zelle befassten Behörden haben all dies nicht gesagt. Sie haben sich nur daran gehalten.

Die antifaschistische Kampagne gegen den Wahlkampf der NPD 2011

Mittwoch, Juli 13th, 2011

Wie ihr vielleicht bereits am ersten Mai in HGW oder auf der Fusion gesehen und gelesen habt, gibt es auch in diesem Wahlkampf-Jahr eine partei-ungebundene antifaschistische Initiative gegen den Wahlkampf der NPD. Den Aufruf zur Kampagne kann man unter Wakeup-Standup.info nachlesen. Ebenfalls dort finden sich in den kommenden Wochen aktuelle Infos zur Kampagne und dem Wahlkampf. Morgen geht es bspw. in Greifswald und NB mit Infoveranstaltungen zur Kampagne los.

In den nächsten Tagen gehts los mit ersten Infoveranstaltungen über den Wahlkampf der NPD, die Aktivitäten der Neonazi-Szene in MV und Möglichkeiten, dagegen aktiv zu werden.

14.07., Ikuwo Greifswald, 19.30 Uhr
14.07., AJZ Neubrandenburg, 19.30 Uhr

Nazis und andere Freunde rechter Ideologiefragmente sind natürlich nicht willkommen.

Wollt ihr auch eine Infoveranstaltung in eurer Stadt? Meldet euch bei uns!

Koptuchverbot in Mecklenburger Provinz? Geht’s noch?

Donnerstag, Juni 16th, 2011

Die Antirassistische Initiative Rostock hat einen offenen Brief an die Landes CDU veröffentlicht, dass deren Vorhaben mit antimuslimischem Rassismus Wahlkampf zu betreiben kritisiert:

Offener Brief der Antirassistischen Initiative Rostock (A.I.R.) an die CDU-Landesgeschäftsstelle zum geplanten Kopftuchverbot an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern

Rostock, den 15.06.2011

Sehr geehrte Damen und Herren der CDU Mecklenburg-Vorpommerns,

die Antirassistische Initiative Rostock (A.I.R.) kritisiert hiermit Ihr Gesetzesvorhaben zu einem Kopftuchverbot an Schulen unseres Landes ab dem Jahr 2012 auf das Schärfste und fordert sie zur Sachlichkeit und Differenzierung anstatt zu diskriminierender Stigmatisierungspolitik und rechtspopulistischem Stimmenfang auf. (mehr …)

Rauschberichte

Dienstag, Januar 4th, 2011

Der Schau­spie­ler Chris­ti­an Kli­schat liest Rausch­be­rich­te u.a. von Wal­ter Ben­ja­min und Ernst Bloch, aus dem Buch Wal­ter Ben­ja­min: Über Ha­schisch. No­vel­lis­ti­sches, Be­rich­te, Ma­te­ria­li­en. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 2000.

Down­load: mit Musik (53,8 MB, 58.​47 min) | ohne Musik (45,6 MB, 49.​47 min)

(via)

Its all about periphery – Von der Schwierigkeit „Draußen“- und Teil einer Jugendkultur zu sein

Mittwoch, August 4th, 2010

Ich will hier nicht ständig auf dem Studi-Magazin Heuler rumhacken, aber nachdem ein Beitrag von diesem Blog auch in der neuen Zeitung erwähnt wird, hab ich sie mir mal wieder mitgenommen. (Danke an Strapaze für den Tip!) Auch in der neuen Ausgabe gab es Artikel an denen ich hängen geblieben bin und mir meine Gedanken gemacht habe.

Tanja Frenzel spürt bspw. im Barnstorfer Weg auf der Suche nach spezifischem Rostocker Stil den spärlichen Ausläufern von Hipstertum in Rostock nach. Das ist natürlich vergebliche Liebesmüh. Die Heuler Autorin verwendet nicht einmal das Wort Subkultur in ihrem Beitrag. Aber den spezifischen lokalen Stil, den sie sucht und alle Argumente für diesen oder jenen Laden, ihre Art zu suchen, funktioniert genau nach dem Prinzip von Subkulturen(Nebenbei gesagt: Ein spezifisch Rostocker Stil findet sich, wenn überhaupt, dann eher zwischen Evershagen und Lichtenhagen(beispielsweise in der Sprache).). Darunter verstehe ich in diesem Zusammenhang jeden Versuch sich durch einen eigenständigen und möglichst indivduellen, zugleich aber auch immer in gewissem Rahmen kollektiv-geteilten Stil auszudrücken. Das kann im Konkreten dann alles mögliche sein: Musik, Mode oder auch Politik. Die ersten Assoziationen müssen da garnicht mal die falschen sein, denn auch die nervigen Punks, die es vom Force Attack Gelände gerade mal bis in die Rostocker Innenstadt geschafft haben, suchen innerhalb ihres Zeichensystems nach denselben Kriterien wie Tanja Frenzel nach Läden im Barnstorfer Weg.

Die Autorin findet natürlich keinen eigenen Stil. Sie vermutet, dass dies etwas mit dem Unterschied von großer Stadt und kleinem Rostock zu tun hat. Viel spannender und das denke ich, unabhängig vom Heuler-Artikel schon länger, wäre die Frage, wie denn die Menschen, die hier ernsthaft an zeitgenössischer Popkultur Anteil nehmen, damit umgehen, dass Rostock in der Peripherie liegt und alles was spannend ist, hier nicht, noch nicht oder nicht genug stattfindet?

Ich könnte mir nämlich vorstellen, dass dieser Mangel für die Menschen in der Peripherie einen ganz bestimmten, anderen Umgang mit dem Erstrebten erzwingt. Der Mangel verstärkt die Sehnsucht. Wenn ich in meine eigene Gesichte zurückblicke, scheint mir diese These unbedingt zuzutreffen. Ich muss(te) mich mehr anstrengen um an alles ranzukommen, ich musste längere Wege zurücklegen und ich hatte seltener das Vergnügen zu bekommen was ich wollte. Das war damals in am Beginn meiner Subkultur-Karriere New York Hardcore (und zwar Punk, und nicht Rap). Ich habe Stunden auf dem Klo sitzend und Mailorderlisten, scannend verbracht. Ich hab alle zwei Monate eine neue Plattenbestellung aufgegeben und bin mit meinen Freunden mit dem Zug auf die lange Reise zu den Konzerten gegangen, die nie nach Mecklenburg Vorpommern kamen. Hardcore-Szene fand für uns am Wochenende statt, wenn wir zusammen auf einem Konzert waren. Subkulturelle Infrastruktur gab es nicht. Die Garage, in der wir uns alle zwei Wochen die Schädel kahl rasiert haben, war unsere Infrastruktur. Alternative Jugendzentren haben wir erst später entdeckt, als wir tiefer in Hardcore-Punk eingetaucht sind.

Führt all der Mangel denn aber nun dazu, dass man das Wenige, was man hat, besser zu schätzen weiß? Vielleicht. Wichtiger ist aber, dass die Sehnsucht, wenn sie ein bestimmten Grad erreicht hat, in jeder echten Subkultur zum gleichen Rezept führt: Do It Yourself. Und hier kann man sich gut vorstellen, dass der Mangel dann auch produktiv wird. Durch das Internet ist es unwahrscheinlich viel leichter geworden an Entwicklungen Anteil zu nehmen, die ganz woanders stattfinden. Es ist also heute viel leichter selbst vor Ort aktiv zu werden und es ist durchaus möglich early adopter zu sein, obwohl der lokale state of the art immer chronisch hinterherhängt. Ich suche dann nicht, weil ich des Ist-Zustands überdrüssig bin, sondern weil mir dieser zu wenig ist. Genau in diesem Moment, wenn es mir nicht mehr reicht, was ich hier vor Ort bekommen kann, habe ich zwei Möglichkeiten: Dem Vergnügen hinterherreisen oder Selbermachen.

So kann es kommen, dass sich auch in der Peripherie dann etwas tut. Dann geht nicht mehr irgendwo da draußen was, dann ist man plötzlich mitten drin. Beispiele gibt es auch aus diesem Bundesland: Das Al Haca Soundsystem hat vor Jahren in Greifswald auf ganz eigene Weise Dub und Electronica zusammengebracht, während im UK für ähnliche Entwicklungen das Label „Dubstep“ erfunden wurde, ein Stil der seit dem die Welt erobert hat.
Rund um Fortschritt3000 wird mitten in der ostmecklenburgsichen Provinz mit dem Label Acker Records elektronische Tanzmusik veröffentlicht, in einer Region von der man denkt, man möchte da nicht tot übern Zaun hängen.

Und bei diesem Selbermachen kommen dann die Jugendzentren ins Spiel. Denn solche Entwicklungen brauchen eine Rahmen. Wenn man also einen Ort sucht, an dem avantgardistische Popkultur in der Peripherie zu finden ist, dann in der Nische. Und wenn man interessant darüber schreiben will, muss man bei der Sehnsucht anfangen.