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Lesen lernen, zu lesen als wenn unser Leben davon abhängt #10

Montag, April 13th, 2015

Im Übrigen ist die Ausbildung eines Marxisten niemals abgeschlossen. Meiner Erfahrung nach ergänzen sich Lektüre und Erfahrung, Erfahrung und Lektüre: Mal berichtigen, mal bestätigen sie sich gegenseitig. In anderen Fällen scheint mir der Wert des Lesens gerade darin zu liegen, dass Texte, insbesondere historische und theoretische, Aspekte der Welt erfassen können, die nur den Denken zugänglich sind.

Benjamin Kunkel, Utopie oder Untergang – Ein Wegweiser für die gegenwärtige Krise

Die westliche Zivilisation ist ein riesiger Posteingangsordner, der stöhnend anschwillt, ohne Aussicht auf Leerung – bis er irgendwann platzt.

Montag, April 9th, 2012

Eine Zeitlang schien es, als funktioniere das effiziente System E-Mail ganz im Sinne der Produktionsmittel und ihrer Besitzer. Neuerdings jedoch berichten die Wirtschaftsteile über eine dialektische Umkehrung: Die Kommunikationsmittel überwältigen die Produktionsmittel, sodass deren Besitzer und ihre Manager keine Arbeit mehr verrichten oder auch nur überwachen können – sie können nur noch darüber lamentieren, was sie eigentlich alles machen sollten. Per E-Mail. Sabotage und Bummelstreik, klassische Techniken des Arbeitskampfes, sind nicht mehr von dem zu unterscheiden, was ein braver Angestellter tagtäglich im Büro so treibt. Es besteht die Möglichkeit, dass wir alle Miteinander, indem wir unaufhörlich Nichtigkeiten in die Tastaturen tippen, unserer Zivilisation endgültig den Rest geben. Aber nicht bevor sich alles Fleisch in Spam verwandelt hat.

n+1 Research: Ein Schritt weiter, Suhrkamp Verlag, S.248