Posts Tagged ‘Politik’

Lesen lernen, zu lesen als wenn unser Leben davon abhängt #11

Sonntag, Mai 3rd, 2015

Tage an denen große Protestveranstaltungen anstehen, sind über die Dauer der Zeit in der Wahrnehmung oft geprägt von einer Mischung aus Hektik und Aufregung aber auch von Langeweile und Abwarten – oft ist es dabei eine angespanntes Warten, in dem sich beide Zustände vermengen. Dabei gerät an solchen Tagen oft eine Dimension aus dem Blick, die allerdings für Gelingen oder Scheitern der eigenen Ziele immens wichtig sein kann: die Beschaffenheit des Raumes. Selbst in Phasen des angespannten Wartens, etwa beim Sitzen in einer Blockade, liegt die Aufmerksamkeit oft vor allem auf den menschlichen Interaktionen. Aber von der Beschaffenheit des eher als Territorium verstandenen Containerraumes – von dem Inhalt und dessen Anordnungen – kann viel für die Möglichkeiten abhängen, ob in ihm durch das politische Handeln ein anderer, ein politischer bzw. politisierter Sozialraum wird, in dem das solidarische Handeln der Versammelten eine Handlungsmacht gegenüber den politischen Gegner_innen und der bewaffneten Polizei hervorbringt. Die Dimension des Raumes ist im Bewusstsein der Handelnden oftmals auf den einer Kulisse beschränkt. Dabei wirkt die Beschaffenheit des Raumes (- der Inhalt und seine Anordnung in einem Containerraum -) auch mehr oder weniger unbewusst darauf wie bedrohlich oder friedlich eine Situation erscheint.

Zum 1. Mai in Neubrandenburg gibt es bereits eine Reihe von Bilderstrecken. Sie zeigen vor allem die Handlungen von Menschen. Im Sinne einer Sensibilisierung für den Raum oder möglicherweise sogar einer kleinen Psychogeographie des 1. Mai werden in diesem Beitrag abseitige Bilder des Tages gezeigt, welche in den kurzen Momenten zwischen Phasen erhöhter Intensität aufgenommen wurden. Es sind kleine Augenblicke, die ein Stück weit aus der sozialen Zeit des Protestgeschehens herauszufallen scheinen. Solche Augenblicke können aber eine Reihe Fragen aufwerfen: Wo bin ich hier? Was mache ich hier eigentlich gerade? Was bedeutet das alles? (mehr …)

Ach ja… :)

Donnerstag, April 23rd, 2015

„Deutsche Polizisten …“

Giorgio Agamben – For a theory of destituent power

Mittwoch, Februar 5th, 2014

Giorgio Agamben hat im November letzten Jahres eine sehr spannende Vorlesung über den Sicherheitsstaat und die Zukunft der Demokratie in Athen gehalten:

The hypothesis I would like to suggest here is that, placing itself under the sign of security, modern State has left the domain of politics to enter a no man’s land, whose geography and whose borders are still unknown. The Security State, whose name seems to refer to an absence of cares (securus from sine cura) should, on the contrary, make us worry about the dangers it involves for democracy, because in it political life has become impossible, while democracy means precisely the possibility of a political life.

Hier gibt es alles.

Now officially bullshit.. again: Die Extremismusideologie

Freitag, Januar 31st, 2014

Ein Zwischenbericht des Deutschen Jugendinstituts evaluiert die Präventionsprogramme der Kalten Kriegerin Kristina Schröder (CDU). Im Zwischenbericht heißt es u.a.:

Im Unterschied zu anderen gesellschaftlichen Problemfeldern lässt sich das kulturelle Milieu der Problematisierung von „Linksextremismus“ relativ gut
abgrenzen: Es sind zumeist Wissenschaftler/innen aus dem Umfeld der Extremismus- und Totalitarismustheorie, Vertreter/innen von Sicherheitsbehörden und der konservativen Parteien.
Die Sicht der genannten Akteure auf das Problem ist jeweils geprägt vom Standort und der Funktion, von dem/der aus sie agieren, und entsprechend stark schreiben sich die jeweiligen Thematisierungslogiken in die Problemsicht ein. Gerade das Beispiel von Sicherheitsbehörden oder ideengeschichtliche Theorierezeption macht deutlich, dass es sich hier um Thematisierungslogiken handelt, die zunächst wenig mit stärker pädagogischen Problemsichten zu tun haben.

Den ganzen Bericht gibt es hier, um sog. Linksextremismus geht es ab Seite 105.

tl;dr

Bullen aus der Schule, damit die Schule lehrt.

New Cops On The Block – Diskussion über #HH2112 und #Gefahrengebiet

Montag, Januar 20th, 2014

Eine von „Die Untüchtigen“ in Zusammenarbeit mit „konkret“ organisierte Veranstaltung unter dem Titel „Die Untüchtigen: New Cops On The Block“ vom Sonntag, den 19. Januar.
Gesprochen haben der Publizist Thomas Ebermann, Aktivist und Journalist Christoph Twickel, Rote-Flora-Aktivist Andreas Blechschmidt, Petra Barz vom Netzwerk „Recht auf Stadt“. Moderiert hat der Publizist Hermann L. Gremliza über die Veranstaltung über die Demonstration am 21. Dezember, die Einrichtung von Gefahrengebieten oder -inseln, den Umgang der politischen Linken mit diesen Ereignissen und den Ausnahmezustand als Normalzustand.

Das Unvernehmen

Sonntag, Juni 23rd, 2013

„Die Stimme der Straße muss gehört und respektiert werden und kann nicht verwechselt werden mit dem Krach und der Grausamkeit einiger Rabauken“ – Dilma Rousseff

Jacques Rancière zu Staatsrassismus und Universalismus

Mittwoch, April 3rd, 2013

Vielen Dank an Kommentator_in „ay“ für einen Hinweis auf einen Vortrag von Jacques Rancière zu Staatsrassismus und Universalismus, dessen übersetztes Transskript in der ak555 veröffentlicht wurde.

Der französische Philosoph Jacques Rancière hat im September 2010 in Montreuil auf einer Konferenz zu den Abschiebungen von Roma aus Frankreich einen Vortrag zu Rassismus „von oben“ gehalten. Frankreich führt derzeit einen „nationalen Krieg gegen die Kriminalität“ und praktiziert einen aggressiven Diskurs gegen Roma – Abschiebung inklusive. (ak 553) Auch wenn Rancières Ausführungen in diesem spezifischen Kontext zu sehen sind, so liefern sie damit einen wichtigen Beitrag in der kritischen Auseinandersetzung um Rassismus, Islamfeindlichkeit und eurozentrischem Universalismus.

P.S.: Wer Rancière’s Schriften kennt, weiß (mehr …)

+1

Freitag, März 1st, 2013

Sehr gern sähe ich eine Form intellektueller Praxis verwirklicht, die nicht diktiert, die nicht eifert, sondern demütig genug ist, um zu erkennen, dass neue politische Ideen aus neuen Formen radikaler politischer Praxis erwachsen und dass wir häufig und bestenfalls Interpretatoren sind, die idealerweise in einer Geschenkbeziehung zu jemandem stehen, mit dem wir die Sehnsucht nach einer besseren Welt teilen.

David Graeber: Frei von Herrschaft – Fragmente einer anarchistischen Anthropologie

Feminismus im arabischen Frühling

Montag, Februar 25th, 2013

Hannah Wettig geht im Dossier der aktuellen Jungle World der Rolle der Frauen und der Bedeutung feministischer Kämpfe für den arabischen Frühling nach. Der Beitrag stellt verschiedene aktuelle Initiativen und Gruppen vor. Beispielsweise die Aktivistinnen und Aktivisten, die versuchen den Tahrir-Platz zu einem sichereren Ort für Frauen zu machen. Tahrir Bodyguard und andere Gruppen waren in letzter Zeit schon im Fokus der breiteren öffentlichen Rezeption westlicher Medien geraten (zum Bsp. Im Guardian und auch bei Spiegel Online). Wettigs Beitrag stellt aber auch Ansätze vor, die Geschichte der Aufstände aus weiblicher Perspektive selbst zu erzählen. Diese Initiativen sind vor allem deshalb spannend, weil eine der geläufigsten Deutungen für den Ausbruch der Aufstände sich auf die Vielzahl gut ausgebildeter junger Männer ohne Aufstiegsperspektive konzentrieren. Wettigs Beitrag korrigiert diesen Blick. (mehr …)

Endlich!

Mittwoch, Juli 11th, 2012

Vorweg: Mit dem befreiten Ausruf „Endlich!“ soll nicht gesagt werden, dass es mit so einem Vorschlag schon getan wäre, oder dass dieser im Vergleich zu anderen besonders gelungen ist, es ist nur ein Ausdruck der Freude endlich mal überhaupt wieder solche Texte aus der Radikalen Linken in der BRD zu lesen. Das Tag Agitation und Propaganda gibt es angesichts des empfohlenen Textes aus Bremen daher heute auch mal ganz unironisch. 😛

Der Klassenkampf und die Kommunist*innen. Ein Strategievorschlag.
– Basisgruppe Antifaschismus der Kommunistischen Gruppe Bremen

0. Einleitung
Dieses Strategiepapier ist ein Plädoyer für die Bildung einer strategischen Doppelflanke: Syndikalistische Gewerkschaften auf der einen, Strukturen von Alternativ- und Gegengesellschaft auf der anderen Seite. Beide vermittelt zueinander über kommunistische (1) (Selbst-)Organisierungen als strategisches Zentrum in Form von Theorie und Praxis, kollektiver Debatte und Reflexion. Dies, vermittelt nach „außen“ in Form von Agitation und Propaganda.
Dabei erheben wir mit diesem Text nicht den Anspruch den der Weisheit letzten Schluss gezogen zu haben, er ist vielmehr eine Einladung zur Diskussion.

1. Wie es ist…

Kategorial
Die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse sind, in objektiver Formenbestimmung und unabhängig der konkreten Formen und des subjektiven Bewusstseins, eine Klassengesellschaft. – Gib mir den Rest

Judith Butler: Bodies in Alliance

Montag, April 30th, 2012

Morgen werden in Neubrandenburg die Neonazis der NPD blockiert, die dort zum widerholten Male am Kampftag der Arbeiter_innen mit rassistischer Hetze auftreten wollen. Ein breites Bündnis von Antifaschistinnen und Antifaschisten, Linken, Grünen, Sozialdemokraten, Christen und sogar Christdemokraten will ihnen dies nicht einfach so durchgehen lassen und ruft dazu auf die Nazis in Neubrandenburg zu blockieren. Blockieren, dass heißt mit seinem Körper und dessen Präsenz auf der Straße politisch zu handeln. Dazu noch einen kleinen Gedanken, aus einer Rede die Judith Butler vor der General Assembly von Occupy Wallstreet in New York gehalten hat:

[…] we’re not just demanding economic justice and social equality, we are assembling in public, we are coming together as bodies in alliance in the street and in the square, we’re standing here together making democracy in acting the phrase, “We The People.”

Das Internet ist euer Feind!

Montag, November 28th, 2011

Sich in die Offline-Welt zu verkriechen funktioniert nur noch einige Jahre lang.

– alte chinesische Weisheit

Die TAZ hat einen interessanten Bericht über die technische Unterstützung des Protestes im Wendland. Oftmals werden die Piraten gescholten, sie hätten ein technokratisches und daher unpolitisches Verständnis von Politik. Die Aussage „Protest ist überflüssig, ohne die Öffentlichkeit, die ihn wahrnimmt“ zielt allerdings in Bezug auf das Politische auf etwas sehr wesentliches: Nicht die Stunden, um die die Einlagerung des Mülls in Gorleben verzögert werden, sind das Wichtige am Castor-Protest, sondern der politische Druck auf die Regierung, der entsteht, wenn der Öffentlichkeit die De-Legitimierung des Herrschaftshandelns – von exzessiver Polizeigewalt bis zu de facto Endlagerung ohne Gesetzesgrundlage – vorgeführt wird.

Politik ist zuerst der Konflikt über das Dasein einer gemeinsamen Bühne, über das Dasein und die Eigenschaften, derer die auf ihr gegenwärtig sind.

Mittwoch, Oktober 19th, 2011

Allgemein benennt man mit dem Namen der Politik die Gesamtheit der Vorgänge, durch welche sich die Vereinigung und die Übereinstimmung der Gemeinschaften, die Organisation der Mächte, die Verteilung der Plätze und Funktionen und das System der Legitimierung dieser Verteilung vollziehen. Ich schlage vor, dieser Verteilung und dem System dieser Legitimierungen einen anderen Namen zu geben. Ich schlage vor sie Polizei zu nennen.

Jacques Rancière, Das Unvernehmen

Fotografie und Psychoanalyse

Freitag, Oktober 22nd, 2010

„So wird handgreiflich, daß es eine andere Natur ist, die zu der Kamera als die zum Auge spricht. Anders vor allem dadurch, daß an die Stelle eines vom Menschen mit Bewußtsein durchwirkten Raums ein unbewusst durchwirkter tritt. Ist es schon üblich, daß einer vom Gang der Leute, sei es auch nur im Groben, sich Rechenschaft ablegt, so weiß er bestimmts nichts von ihrer Haltung im Sekundenbruchteil des Auschreitens. Ist uns schon im Groben der Griff geläufig, den wir nach dem Feuerzeug oder Löffel tun, so wissen wir doch kaum von dem, was sich zwischen Hand und Metall dabei eigentlich abspielt, geschweige wie das mit den verschiedenen Verfassungen schwankt, in denen wir uns befinden. Hier greift die Kamera mit ihren Hilfsmitteln, ihrem Stürzen und Steigen, ihren Unterbrechen und Isolieren, ihrem Dehnen und Raffen des Ablaufs, ihrem Vergrößern und ihrem verkleinern ein. Vom Optisch-Unbewussten erfahren wir erst durch sie, wie von dem Triebhaft-Unbewussten durch die Psychoanalyse.“ – Walter Benjamin

Das Zitat stammt aus Walter Benjamins berühmter Schrift „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ aus dem Jahre 1935. Den Kunstwerk-Aufsatz kann man sich, wenn man nicht lesen will oder schon gelesen hat, hier (nochmal) anhören. (via Audioarchiv)

Stupsi, Flupsi und Karbunkel entdecken eine total angesagte Theorie

Dienstag, Juli 6th, 2010

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