Posts Tagged ‘Pop’

Wiley – From the Outside (Actress Remix)

Freitag, Januar 30th, 2015

Im Magazin Wire verbindet Dan Barrow das Recht auf Opazität mit der undurchdringlichen, staats- und autoritätsfernen Musik von Actress & Co.: »Die zwischenzeitlich geäußerte Kritik seit den Unruhen in Großbritannien 2011 – wo ist die ganze Protestmusik geblieben? – verfehlt ihren Punkt. In einem Klima, in dem progressive Politik in der Defensive ist und es an der historischen Fähigkeit mangelt, radikale ästhetische Ausdrucksweisen hervorzubringen, muss das Verlangen nach textlichen Inhalten auf Kosten der Form – stumpfe programmatische Meinungen werden existierenden Songstrukturen aufgezwungen – dem Müllhaufen der Kultur zugeführt werden. Das Werk von Actress, Dean Blunt und Inga Copeland repräsentiert an sich einen Akt politischen Widerstands. Noch wichtiger aber ist, dass es etwas betont, was Theodor W. Adorno das antisoziale Moment des Kunstwerks genannt hat. Im schwarzen Spiegel der Platte findet eine Gesellschaft, die nichts als Herrschaft anbietet, ihr Anderes.«

aus Jungle World #4 2015

DIY Conference: Mark Fisher: Capitalism, Is There No Alternative?

Montag, August 25th, 2014

Disparate Youth #3

Montag, Juni 18th, 2012

In den vorangegangenen Artikeln unter diesem Titel ging es um Klagegesänge, die oftmals den Eindruck erwecken konnten, dass der Autor traurig ist, weil der Mainstream einen Stil aufgegriffen und kommerzialisiert hat, mit dem man nun nicht mehr angeben kann, als wäre es ein Geheimwissen bei Rinse FM ein paar gestreamte Mixe anzuhören. Die Reaktion auf die Feststellung war die typische: Verweisen auf die Originale, auf die Ursprünge. Zurück auf Start.

Das ist auch garnicht schlecht, so prinzipiell. Aber man kann auch noch vor 2005 oder 2003 zurückgehen. Im englischen Fact Magazine argumentiert Alex Macpherson, dass es momentan in der Dance Music (mindestens) zwei identifizierbare Großtrends gäbe, einmal in der Mainstream Popmusik und einmal im Underground.

Erstere Besteht darin, dass schlichtweg alles derzeit irgendwie nach David Guetta klingt. In der anderen und generell interessanteren Perspektive beschreibt er die Entwicklung der Verhältnisse dagegen so:

In “underground” electronic music, there are way too much of the following: cut-and-pasted vocals from old R&B hits in a bid to ride the coat-tails of their emotion (if you’re going to do it, at least have the self-awareness to realise that everyone’s sampled Brandy already); enervating synth clouds which give the unfortunate impression that you think The Weeknd’s cokey self-absorption is deep; stripped-down beat workouts that aren’t so much raw as dull and dry, even – especially – in a club at 4am.

Aber, nun die gute Nachricht! Owen Hatherley hatte bereits in Militant Modernism darauf hingewiesen, dass in der Garage Music, im Grime und der englischen Pirate Radio Kultur immer auch die umgekehrte Richtung eingeschlagen wurde und wird. Es wird geklaut, zerhackt und neu zusammengeschraubt. Und der Reiz – so auch Alex Macpherson – besteht darin, dass die wesentlich weniger gut ausgestatteten Kids mit gecrackter Musik-Produktionssoftware am Ende nicht nur sehr interessante (Neu-)Entwürfe vorlegen, sondern auch aus der gegenwärtigen Mainstream-Scheiße noch buchstäblich Gold machen können.

Am Ende des Artikels stellt das Fact Mag eine Auswahl der besten Garage-Remixe vor. Run tings!

Sleep ∞ Over – Casual Diamond

Montag, September 26th, 2011

Its all about periphery – Von der Schwierigkeit „Draußen“- und Teil einer Jugendkultur zu sein

Mittwoch, August 4th, 2010

Ich will hier nicht ständig auf dem Studi-Magazin Heuler rumhacken, aber nachdem ein Beitrag von diesem Blog auch in der neuen Zeitung erwähnt wird, hab ich sie mir mal wieder mitgenommen. (Danke an Strapaze für den Tip!) Auch in der neuen Ausgabe gab es Artikel an denen ich hängen geblieben bin und mir meine Gedanken gemacht habe.

Tanja Frenzel spürt bspw. im Barnstorfer Weg auf der Suche nach spezifischem Rostocker Stil den spärlichen Ausläufern von Hipstertum in Rostock nach. Das ist natürlich vergebliche Liebesmüh. Die Heuler Autorin verwendet nicht einmal das Wort Subkultur in ihrem Beitrag. Aber den spezifischen lokalen Stil, den sie sucht und alle Argumente für diesen oder jenen Laden, ihre Art zu suchen, funktioniert genau nach dem Prinzip von Subkulturen(Nebenbei gesagt: Ein spezifisch Rostocker Stil findet sich, wenn überhaupt, dann eher zwischen Evershagen und Lichtenhagen(beispielsweise in der Sprache).). Darunter verstehe ich in diesem Zusammenhang jeden Versuch sich durch einen eigenständigen und möglichst indivduellen, zugleich aber auch immer in gewissem Rahmen kollektiv-geteilten Stil auszudrücken. Das kann im Konkreten dann alles mögliche sein: Musik, Mode oder auch Politik. Die ersten Assoziationen müssen da garnicht mal die falschen sein, denn auch die nervigen Punks, die es vom Force Attack Gelände gerade mal bis in die Rostocker Innenstadt geschafft haben, suchen innerhalb ihres Zeichensystems nach denselben Kriterien wie Tanja Frenzel nach Läden im Barnstorfer Weg.

Die Autorin findet natürlich keinen eigenen Stil. Sie vermutet, dass dies etwas mit dem Unterschied von großer Stadt und kleinem Rostock zu tun hat. Viel spannender und das denke ich, unabhängig vom Heuler-Artikel schon länger, wäre die Frage, wie denn die Menschen, die hier ernsthaft an zeitgenössischer Popkultur Anteil nehmen, damit umgehen, dass Rostock in der Peripherie liegt und alles was spannend ist, hier nicht, noch nicht oder nicht genug stattfindet?

Ich könnte mir nämlich vorstellen, dass dieser Mangel für die Menschen in der Peripherie einen ganz bestimmten, anderen Umgang mit dem Erstrebten erzwingt. Der Mangel verstärkt die Sehnsucht. Wenn ich in meine eigene Gesichte zurückblicke, scheint mir diese These unbedingt zuzutreffen. Ich muss(te) mich mehr anstrengen um an alles ranzukommen, ich musste längere Wege zurücklegen und ich hatte seltener das Vergnügen zu bekommen was ich wollte. Das war damals in am Beginn meiner Subkultur-Karriere New York Hardcore (und zwar Punk, und nicht Rap). Ich habe Stunden auf dem Klo sitzend und Mailorderlisten, scannend verbracht. Ich hab alle zwei Monate eine neue Plattenbestellung aufgegeben und bin mit meinen Freunden mit dem Zug auf die lange Reise zu den Konzerten gegangen, die nie nach Mecklenburg Vorpommern kamen. Hardcore-Szene fand für uns am Wochenende statt, wenn wir zusammen auf einem Konzert waren. Subkulturelle Infrastruktur gab es nicht. Die Garage, in der wir uns alle zwei Wochen die Schädel kahl rasiert haben, war unsere Infrastruktur. Alternative Jugendzentren haben wir erst später entdeckt, als wir tiefer in Hardcore-Punk eingetaucht sind.

Führt all der Mangel denn aber nun dazu, dass man das Wenige, was man hat, besser zu schätzen weiß? Vielleicht. Wichtiger ist aber, dass die Sehnsucht, wenn sie ein bestimmten Grad erreicht hat, in jeder echten Subkultur zum gleichen Rezept führt: Do It Yourself. Und hier kann man sich gut vorstellen, dass der Mangel dann auch produktiv wird. Durch das Internet ist es unwahrscheinlich viel leichter geworden an Entwicklungen Anteil zu nehmen, die ganz woanders stattfinden. Es ist also heute viel leichter selbst vor Ort aktiv zu werden und es ist durchaus möglich early adopter zu sein, obwohl der lokale state of the art immer chronisch hinterherhängt. Ich suche dann nicht, weil ich des Ist-Zustands überdrüssig bin, sondern weil mir dieser zu wenig ist. Genau in diesem Moment, wenn es mir nicht mehr reicht, was ich hier vor Ort bekommen kann, habe ich zwei Möglichkeiten: Dem Vergnügen hinterherreisen oder Selbermachen.

So kann es kommen, dass sich auch in der Peripherie dann etwas tut. Dann geht nicht mehr irgendwo da draußen was, dann ist man plötzlich mitten drin. Beispiele gibt es auch aus diesem Bundesland: Das Al Haca Soundsystem hat vor Jahren in Greifswald auf ganz eigene Weise Dub und Electronica zusammengebracht, während im UK für ähnliche Entwicklungen das Label „Dubstep“ erfunden wurde, ein Stil der seit dem die Welt erobert hat.
Rund um Fortschritt3000 wird mitten in der ostmecklenburgsichen Provinz mit dem Label Acker Records elektronische Tanzmusik veröffentlicht, in einer Region von der man denkt, man möchte da nicht tot übern Zaun hängen.

Und bei diesem Selbermachen kommen dann die Jugendzentren ins Spiel. Denn solche Entwicklungen brauchen eine Rahmen. Wenn man also einen Ort sucht, an dem avantgardistische Popkultur in der Peripherie zu finden ist, dann in der Nische. Und wenn man interessant darüber schreiben will, muss man bei der Sehnsucht anfangen.

Ist Rebellion mittlerweile überflüssig – Anmerkungen zum „neuen“ Heuler-Magazin

Samstag, Juni 12th, 2010

„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.“ T.W. Adorno

Der Heuler, „Das Studentenmagazin der Uni Rostock, erschien im Mai in einem neuen Layout. Beim letztjährigen Pro Campus – Presse Award ist man unter den ersten fünf gelandet, doch auf diesen Lorbeeren sollte sich nicht ausgeruht werden- so heißt es im Editorial. Der Heuler ist ja eine dieser Publikationen, die man aus absoluter Langweile mal durchblättert, wenn sie irgendwo im Seminarraum rumliegen. Das neue Layout sieht da alles in allem wirklich mal interessant aus. Das Studentenmagazin kommt nach der Aufhübschung fast wie ein Hochglanz Popkultur-Magazin der besseren Sorte rüber.

Doch die beste Form kann einen schlechten Inhalt nicht retten. Damit soll nun garnicht eine Generalabrechnung mit dem ganzen Heft geleistet werden. Nach zweimaligem Durchblättern und sogar Mitnehmen nach Hause (Immerhin!) stieß mir aber ein Beitrag von Änne Cordes und Paul Fleischer mit dem Titel „Der Mainstream als neuer Underdog“ ziemlich übel auf. (mehr …)