Posts Tagged ‘Psychonanalyse’

Slavoj Žižek on Ferguson and violence

Mittwoch, März 11th, 2015

In such a situation, when police are no longer perceived as the agent of law, of the legal order, but as just another violent social agent, protests against the predominant social order also tend to take a different turn: that of exploding “abstract negativity” – in short, raw, aimless violence. When, in his “Group Psychology”, Freud described the “negativity” of untying social ties (Thanatos as opposed to Eros, the force of the social link), he all too easily dismissed the manifestations of this untying as the fanaticism of the “spontaneous” crowd (as opposed to artificial crowds: the Church and the Army). Against Freud, we should retain the ambiguity of this movement of untying: it is a zero level that opens up the space for political intervention. In other words, this untying is the pre-political condition of politics, and, with regard to it, every political intervention proper already goes “one step too far”, committing itself to a new project (or Master-Signifier).

Golden Shower-White Power …oder Mitten im Leben in Rostock

Mittwoch, Januar 25th, 2012

Nach dem Buttersäure-Anschlag auf den Awiro e.V. platzen die Rostocker Nazis im Internet vor Spott und Häme. So war zumindest der Plan. Die immer neuen Kommentare und Artikel sind allerdings weit davon ab, eine Kette von immer niveauloser werdende Entäußerungen von Schadenfreude zu sein. Tatsächlich bietet sich ein anderes, sehr aufschlussreiches Bild, wenn die nationale Rachefantasie an der Tastatur mit den Autoren durchgeht. Man muss nicht besonders viel von Psychoanalyse verstehen, Zizek-Fan sein oder die Studien zum autoritären Charakter intensiv rezipiert haben, um zu sehen, dass die Art und Weise des Schreibens und Beschreibens eines fiktiven Geschehens von Kot-essen etwas Lustvolles hat. Ganz so, wie eine nicht unerhebliche Anzahl von Kinderschützern sich die sexuellen Übergriffe auf Minderjährige extrem detailliert ausmalen, so beschreiben die Nazis der NSR hier eine unterstellte Perversion und schieben sie auf einen ihrer politischen Gegner ab – weil sie selbst anders nicht zum Verbotenen vordringen können.

Und an dieser Stelle wird es traurig. Während aufgeklärte Menschen auch nach einem emanzipativen Sexualverständnis streben, dass nichts moralisch verurteilt, was im freiwilligen Einverständnis zwischen mündigen Partner_innen geschieht und nicht das leibliche und seelische Wohl Dritter gefährdet, verleugnen Nazis alles was von ihrer Ideologie abweicht als abnormal. Wenn die Lustbesetzung von Kot aber pervers ist und man selbst als Nationalist per se auf der Seite der Gesunden steht, dann können eben nur die Anderen pervers sein und die einzige Möglichkeit an ihren verbotenen Freuden teilzuhaben ist, sich obsessiv mit den Perversen zu beschäftigen.

Das Traurige ist natürlich, dass die armen Nazis auf diese Weise nie zu einer eigenen unmittelbaren Verschmelzung mit dem geliebten bzw. begehrten Objekt, in diesem Fall dem Kot vordringen können. Dies wiederum fördert die Aggressionen, derjenigen Frustrierten, die nie auf ihre Kosten kommen und sich die Welt als einen furchtbar ungerechten Ort vorstellen an dem die Ausländer immer die Frauen wegnehmen, die Homosexuellen einfach ungestraft Spaß haben dürfen, ohne sich um Volk und Familie zu kümmern und eben auch die Linken sich allen möglichen Lüsten hingeben, die dem arischen Kämpfer für die Sache seines Volkes verboten sind. Kurzum, man fühlt sich wie immer gefangen in der Opferrolle (- und das nicht ganz von ungefähr).

In diesem Sinne beibt dem Michael, dem Thomas, dem Danny, dem Daniel und auch dem David Norbert nur zu wünschen, dass sie sich – vielleicht zunächst im geschützten Ort, der abgeschlossenen Toilette z.B. – dem eigenen Kot zuwenden und ihn probieren. Und wenn es ihnen gefällt, dann können sie aussteigen, können alle ihre Kameraden verraten und es wird keinen Tag mehr geben an dem sie mit schlechtem Gewissen ihre Lüste auf andere projizieren müssen. Steigt aus! Damit ihr schon morgen kraftvoll zubeißen könnt! Die Welt würde zu einem friedlicheren, zu einem schöneren Ort für uns alle. In diesem Sinne: „Wer hat uns verraten? Nationaldemokraten! Wann hab ich’s gecheckt? Beim Baden im Natursekt!“