Archiv für das 'Rassismus'-tag

n+1 über den Homo Sacer und das Nackte Leben in El Paso/Juarez

Debbi Nathan schreibt in n+1 einen Artikel über Leben und Sterben an der us-amerikansisch-mexikanischen Grenze von El Paso/Ciudad Juarez und buchstabiert dabei angesichtes des schrillen Nebeneinanders von kapitalistischer Ausbeutung, Rassismus und High-Tech Überwachung passenderweise Giorgios Agambens Begriff des Homo Sacer und des Nackten Lebens aus. Der Text resümiert den Zeitraum der Stadtentwicklung über mehrere Jahrzehnte. Wenn man denkt, dass all das beschriebene eigentlich schon schlimm genug ist, setzt das Inkrafttreten des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) eine enorme Beschleunigung des neoliberalen Kapitalismus in Gang: Mehr Profite, mehr Verarmung, mehr Mord, mehr Drogen, mehr Vergewaltigungen.

Ebenfalls aus El Paso kamen At The Drive In, deren Song Invalid Litter Dept. einen Teil des Dramas an der Grenze thematisiert.

Jacques Rancière zu Staatsrassismus und Universalismus

Vielen Dank an Kommentator_in “ay” für einen Hinweis auf einen Vortrag von Jacques Rancière zu Staatsrassismus und Universalismus, dessen übersetztes Transskript in der ak555 veröffentlicht wurde.

Der französische Philosoph Jacques Rancière hat im September 2010 in Montreuil auf einer Konferenz zu den Abschiebungen von Roma aus Frankreich einen Vortrag zu Rassismus “von oben” gehalten. Frankreich führt derzeit einen “nationalen Krieg gegen die Kriminalität” und praktiziert einen aggressiven Diskurs gegen Roma – Abschiebung inklusive. (ak 553) Auch wenn Rancières Ausführungen in diesem spezifischen Kontext zu sehen sind, so liefern sie damit einen wichtigen Beitrag in der kritischen Auseinandersetzung um Rassismus, Islamfeindlichkeit und eurozentrischem Universalismus.

P.S.: Wer Rancière’s Schriften kennt, weiß ‘Jacques Rancière zu Staatsrassismus und Universalismus’ weiterlesen

Staatsbürgerkunde zum Wochenende

Für alle die noch nicht wissen oder bislang nicht wussten wie diese “Angriffe auf unsere Beamten”, “Widerstandshandlungen” und schweren Landfriedensbrüche ausschauen, die Rainer Wendt immer wieder beklagt und die zu zahlreichen Verhandlungen führen; und für alle die noch nicht wissen wie solche Situationen entstehen sei hier noch einmal ein Video empfohlen. Der Film ist in Köln gemacht worden das Muster immer dasselbe, erst werden Menschen attackiert und damit sie sich nicht juristisch wehren wird eine Anzeige wegen Widerstand oder Landfriedensbruch gestellt.

Polizeieinsatz Köln from Caro Lobig on Vimeo.

Was ist los in Güstrow-Dettmannsdorf?

An einer Ausfallstraße geht kurz vor dem Ortsausgangsschild der „Wald-Weg“ ab. Die kleine Straße mit den Straßenschäden führt in eine Siedlung von kleinen zweistöckigen Einfamilienhäusern die zu DDR Zeiten gebaut wurden. Vor jedem Häuschen gibt es einen Vorgarten, hinten auf der Terasse versammelt man sich im Sommer zu Grillfeiern. Es ist ruhig in Güstrow-Dettmannsdorf. Außer einigen Rentnerinnen sind kaum Menschen auf der Straße unterwegs. Das erste Gebäude gleich neben der Abzweigung von der Ausfallstraße ist das alte Internat der Deutschen Bahn. Auf der von Wind und Wetter mitgenommenen Fassade kann man das ausgeblichene Firmenlogo erkennen. Aus dem Jägerzaun rund um das Gebäude sind die Latten herausgebrochen worden. Fenster und Türen des Hauses sind mit Brettern verrammelt und zugenagelt. Etliche Jahre liegt die letzte Renovierung dieses Hauses zurück das bereits zu Zeiten der DDR errichtet wurde. Hier, in dieses Haus am Rande der Stadt sollen die Flüchtlinge einquartiert werden. Dagegen machten unmittelbar nach dem ersten Bekanntwerden dieses Planes eine Gruppe von Anwohner_innen Front.

“Ich habe nichts gegen Ausländer. Aber…“ ‘Was ist los in Güstrow-Dettmannsdorf?’ weiterlesen

23.03.12 Güstrow: Rassisten stoppen!

Am Samstag den 23. März ruft die NPD zu einer Demonstration nach Güstrow auf. Die Neonazis wollen dort gegen eine geplante Unterbringung von Flüchtlingen hetzen. Bei bekanntwerden der Pläne zur Unterbringung war es in der näheren Umgebung des möglichen Heimgebäudes bereits zu rassistischen Äußerungen gekommen. So hatte eine lokale Bürgerinitiative einen offenen Brief veröffentlicht der kein noch so dummes rassistisches Klischee ausgelassen hat. Offensichtlich geht die NPD davon aus, dass sich unter diesen Bedingungen leicht solche Stimmungen anfachen und mit dem Auftreten als Kümmerer die Bürger_innen vor Ort gut angesprochen werden können.  – Linke Gruppen aus dem Bundesland rufen dazu auf den Naziaufmarsch nicht ungestört laufen zu lassen. Mehr Informationen gibt es dazu bei bei der Mobi-Seite des Antifaschistischen Bündnisses “Rassisten stoppen!”, welches am 9.November 2012 in Wolgast erfolgreich einen Naziaufmarsch der NPD blockiert hat.

Grüne unterstützen Vorstoß zur Einrichtung eines Untersuchungsausschuss in MV nicht

Warum, kann man in einer 5-seitigen Erklärung hier nachlesen. Klick!

Im wesentlichen werden dabei Probleme ins Feld geführt, die bereits in der öffentlichen Debatte aufgegriffen wurden. “Arbeit zieht Arbeit nach sich” – dies etwas flapsige Wort gilt auch für das Gegenteil: Wer keine Akten hat, die die eigene Behörde belasten, braucht auch nichts noch einmal zu untersuchen. Während der Innenminister daraus den Schluss zieht, seine Schlapphüte besser ausstatten zu lassen, ziehen die Grünen hier eine andere Konsequenz und diese Entscheidung ist vermutlich das beste an der ganzen Erklärung. Zivilgesellschaftliche Initiativen müssen sich schon jetzt vor Gericht mit einer Behörde rumschlagen, die Nazisttukturen über V-Leute finanziert und gleichzeitig versucht aktive und effektive Arbeit gegen Rassismus und Neonazismus unter dem Banner der Extremismusbekämpfung tatkräftig zu behindern. Solchen Behörden mit dem nachvollziehbaren Wunsch nach Konsequenzen aus dem NSU Skandal paradoxerweise noch eine Vorlage zum Ausbau ihrer Strukturen zu liefern wäre in der Tat sehr unschön.

Neonazis wollen in Güstrow rassistische Stimmungen gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft schüren

Die Propaganda-Portal der NPD, MupInfo hat heute morgen eine Demonstration in Güstrow gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft im Ortsteil Dettmannsdorf angekündigt. Derzeit verbreitet sich diese Nachricht unter Antifaschist_innen in den sozialen Netzwerken. Dort heißt es unter anderem:

“Verbreitet die Nachricht. Wir werden die Nazis nicht ungestört laufen lassen. Rassisten stoppen!”

Derzeit ruft bspw. das landesweite Bündnis “Rassisten stoppen – Solidarität mit Flüchtlingen” via Facebook dazu auf, die Ankündigung der Nazis nicht hinzunehmen. In welcher Form sich der rassistischen Hetze entgegengestellt werden soll ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar. In Kürze wird es dazu aber sicherlich mehr Informationen geben.

Update:

Die antirassistische und antifaschistische Gruppe Güstrow lässt derzeit via FB folgendes verlauten:

Am 23.03. wollen die Nazis bei uns in Güstrow marschieren und gegen das Flüchtlingsheim hetzen! Das gilt es zu verhindern! Wir werden uns ihnen in den Weg stellen.

Nun ist es an der Zeit, den Faschisten zu zeigen, dass Güstrow kein ruhiges Hinterland ist. Es ist nicht ihre Homezone.

Wir planen bereits Gegenmaßnahmen und halten euch auf dem laufenden.

Nichts hören, nichts sehen, nichts schreddern?

Das Innenministerium legte gestern den Fraktionen des Landtages einen Bericht zu den Ermittlungen über Verbindungen des NSU nach Mecklenburg Vorpommern vor. Darin behauptet Caffiers Behörde unermüdlich, dass es keine Hinweise oder Kenntnisse über Verbindungen des NSU ins Bundesland gäbe. - Andrea Röpke meldet dazu im Blick nach Rechts einige Zweifel an.

Gedenken an Mehmet Turgut und alle Opfer rassistischer Gewalt

Auch in diesem Jahr wird es im Rostocker Stadteil Toitenwinkel wieder eine Gedenkkundgebung für Mehmet Turgut und alle Opfer rassistischer Gewalt geben. Am 25. Februar 2004 hatten die Neonazis der rechten Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund im Neudierkower Weg Mehmet Turgut mit mehreren Schüssen hingerichtet.

25.02.2013// 15:30 Uhr// Neudierkower Weg// Rostock-Toitenwinkel

RA: Real Scenes – Johannesburg

Resident Advisor hat eine 20minütige Doku über südafrikanischen House, speziell über Johannesburg.

South Africans are the biggest consumers of house music in the world, and Johannesburg is the beating heart of their scene. If you’re looking for proof, there is no need to visit a nightclub. In turning on a television, listening to the radio or walking down the street, it’s clear that a 4/4 pulse is the metronome of everyday life. The city’s preferred sound—vocal-led, percussive, melodic—is largely at odds with what’s popular in other international markets; this coupled with cripplingly slow internet speeds goes someway to explaining SA’s absence from the global house music conversation. ‘RA: Real Scenes – Johannesburg’ weiterlesen

Hannah Wettig: Nur für Eingeweihte

So nun noch einen kleinen Literaturtip und dann is wirklich Wochenende. Versprochen! Hannah Wettig beschäftigt sich in der Zeitung analyse&kritik mit der Produktion von Rassismen und Ausschlüssen durch die neuere dogmatische Critical Whiteness-Interpretationen, die in der akademisierten Mittelklasse-Linken, der neueste heiße Scheiß zu werden droht:


[A]ll diejenigen, die nicht die Zeit oder die Bildung haben, sich die neuen Konstruktionen anzueignen, laufen ständig Gefahr, sich schuldig zu machen. Schlimmer noch: Die Akademikerin muss die Friseurin mit Hauptschulabschluss und einem Stundenlohn von sieben Euro ermahnen. Die deutsche Studentin verbietet dem Aktivisten aus Afghanistan den Mund.

Ein Ereignis nötigt uns zunächst dazu, dass wir es überhaupt verstehen…

Der Arabische Frühling hat die Grundkategorien unseres Denkens zur Disposition gestellt, denen zufolge »sie«, die Araber, Antidemokraten, »wir« hingegen ein Ausbund an Demokratie sind. Mit der Radikalisierung der israelischen Rechten, mit dem Umstand, dass die Forderungen breiter Bevölkerungskreise von den Politikern ignoriert, ja verhöhnt wurden, mit der Etablierung eines mächtigen oligarchischen Regimes in Israel, in dem sehr wenige Familien einen sehr großen Teil der Wirtschaft kontrollieren, mit der Einschüchterung von Vertretern der Linken durch brutale rechte Gruppen ist es deutlich schwieriger geworden, einen solchen absoluten Gegensatz zwischen ihnen und uns zu behaupten. Der Arabische Frühling bezeichnet einen Moment, in dem alle bisherigen politischen Kategorien zusammenbrachen – obwohl sie rasch wiederhergestellt wurden, als die Muslimbruderschaft in Ägypten eine stark an der Scharia orientierte Verfassung anstrebte.

Eva Illouz: Hoch auf dem Seil, in: Die Zeit

Antira-Initiativen kritisieren bevorstehende Abschiebungen von Roma aus MV und HH

Die antirasstistische Kampagne Kampagne Stop it! teil in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit anderen Initiativen mit, dass nach Berichten der Betroffenen in den kommenden Tagen und Wochen ernet mit Abschiebungen von Roma aus Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg geplant sind. Schon morgen soll mindestens eine weitere Roma-Familie, die sich derzeit in dem Erstaufnahme- und Abschiebelager in Horst bei Boizenburg befindet, über Hamburg in ihr Herkunftsland Mazedonien abgeschoben werden. Für den 10.12.2012 plant die Regierung von MV eine Sammelabschiebung von Roma aus dem Lager Horst per Reisebus nach Serbien, darunter wiederholt viele Kinder. Die Initiativen protestieren gegen die erzwungenen Abschiebungen und die rassistische Stimmungsmache in der Bundes- und Landespolitik:

„Die antiziganistische Hetze, die von Bundesinnenminister Friedrich, Innenminister Schünemann (Niedersachsen) und auch MVs Innenminister Caffier vor kurzem betrieben wurde, der zufolge Roma als „Wirtschaftsflüchtlinge“, die das Asylrecht missbrauchen würden, dargestellt wurden, findet ihre Konsequenzen in den bereits vollzogenen und geplanten Abschiebungen und zeigt, welche konkrete Bedrohung für die Betroffenen von solchen rassistischen Diskursen in der Gesellschaft und den Institutionen ausgeht!“
– kritisieren die antirassistischen Initiativen.

Mehr bei “Stop it – Rassismus bekämpfen – alle Lager abschaffen!”

NDR Panorama über Wolgast

Was kommt nach morgen?

Auf die Finger schauen

Der Artikel der Frankfurter Rundschau, der am 6. November die Sache ins Rollen brachte, wurde im Laufe des Tages mehr als 17.000 Mal via Facebook weiterempfohlen und rund 950 Mal getwittert (Stand Mittwochmorgen 7.30 Uhr), die Agenturen und andere Medien haben mit eigenen Recherchen begonnen. Das muss zwar weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft irgendwie kümmern, aber die virale Verbreitung des Artikels schafft ein Klima, das auch die Behörden nicht unbeeinflusst lassen kann.

Prügel-Polizisten in der Klemme; Von Felix Helbig und Peter Rutkowski für FR