Posts Tagged ‘Wolgast’

Für eine gelungene Mobilisierung muss eben das Marketing stimmen oder der zu bekämpfende Mob besonders eklig sein.

Montag, Januar 27th, 2014

Wer die Praxis der anderen kritisiert, muss sich auch selbst die Frage stellen, was die eigene pub­lizistische Tätigkeit bewirkt, außer zu beruhigen. Wenn in Schneeberg, gerade mal 20 Kilometer von der Zwickauer Frühlingsstraße entfernt, Nazis und ihre bürgerlichen Gesinnungsgenossen aufmarschieren, wird die eigentliche Selbstverständlichkeit, nämlich die des konsequenten Eingreifens, so schlicht und ergreifend zerredet. Man hat es sich bequem gemacht in der eigenen WG-Küche, und die Lektüre von Texten wie dem von Jan-Georg Gerber (50/13) dient dann wohl als Bestä­tigung dafür, dass das auch in Ordnung sei.

Nachdem wieder einmal so einiges Dumme in der Diskussion zum Antirassismus in der Jungle World geschrieben wurde, kam in der letzten Ausgabe mal ein sehr guter Text von Martin Peters. Dort wird vor allem für eine Beteiligung an den vielen Ebenen der bestehenden antirassistischen Praxis gestritten. Während die auf Promotion und Marketing spezialisierte Antifa-Szene Events organisiert und mit Demo-Inszenierungen geil abliefert, findet die Antirassistische Praxis auf vielen unspektakulären Ebenen statt. Peters schreibt, dass sich der Hauptteil der Antifa-Bewegung den Vorwurf gefallen lassen muss, sich weniger für das Schicksal der Opfer von Rassismus zu interessieren als für die Dummheit der Täter. Das antirassistische Engagement stinkt dagegen oft ab, weil es sich in vielem eben auch um alltägliche Reproduktionsarbeit handelt. Doch es wäre auch falsch Antira nur als stille Unterstützungsarbeit misszuverstehen. Gerade die Auseinandersetzung um die Unterbringung ist für Peters auch Teil der Frage, wie die Stadt aussehen soll, wer an der Stadt partizipiert und wer welches »Recht auf Stadt« zuerkannt bekommt. „Derzeit wird Antirassismus in der Linken mehrheitlich im Kampf gegen Aslygesetze, Bürgermob und Alltagsrassismus praktiziert, vergessen werden dabei oft die ökonomischen, globalen Zusammenhänge.“ Gerade weil die Auseinandersetzung mit Antirassismus komplex ist, entstehen hier, so Peters, aber auch weitaus mehr politische Schnittmengen, als sie sich bei anderen Themen herstellen lassen. „Wollen wir Fluchtursachen bekämpfen, müssen wir die bis heute andauernde Ausbeutung des globalen Südens thematisieren, an der auch Deutschland mitverdient.“
Doch Peters belässt es nicht beim Kritisieren, selbst in dem Fall, dass sich in der deutschen Antifa nichts ändern würde, hat er noch einen Auftrag in den kommenden Wochen und Monaten:

Der kommende Wahlkampf bietet dafür nicht nur eine willkommene Gelegenheit, sondern macht eine solche Praxis zur Notwendigkeit. Es ist absehbar, dass der Europa-Wahlkampf im Mai vor allem rassistisch ausgetragen werden wird, so auch von rechten Parteien. Mit einer Wiederholung von Szenarien, wie wir sie in Greiz, Schneeberg und Wolgast erleben mussten, ist darum zu rechnen. Schon jetzt organisiert die NPD rund 80 Prozent aller Initiativen gegen Asyl. Ohne deren Logistik und das Personal wäre der Mob zwar genauso rassistisch, dafür aber führungslos. Eine effektivere Zusammenarbeit von auf Recherche orientiertem Antifaschismus und der aktivistischen Szene könnte das Organisationspotential der NPD empfindlich schädigen. Denn ein Anti-Asyl-Mob ohne Lautsprecherwagen und Redner ist nun mal ein Mob ohne Lautsprecherwagen und ohne Redner. Damit ließe sich zwar nicht die Asylpolitik der BRD umkrempeln, jedoch läge es im Rahmen der Möglichkeiten dessen, was Antifa-Gruppen zum kommenden Wahlkampf beisteuern können.

Was ist los in Güstrow-Dettmannsdorf?

Mittwoch, März 13th, 2013

An einer Ausfallstraße geht kurz vor dem Ortsausgangsschild der „Wald-Weg“ ab. Die kleine Straße mit den Straßenschäden führt in eine Siedlung von kleinen zweistöckigen Einfamilienhäusern die zu DDR Zeiten gebaut wurden. Vor jedem Häuschen gibt es einen Vorgarten, hinten auf der Terasse versammelt man sich im Sommer zu Grillfeiern. Es ist ruhig in Güstrow-Dettmannsdorf. Außer einigen Rentnerinnen sind kaum Menschen auf der Straße unterwegs. Das erste Gebäude gleich neben der Abzweigung von der Ausfallstraße ist das alte Internat der Deutschen Bahn. Auf der von Wind und Wetter mitgenommenen Fassade kann man das ausgeblichene Firmenlogo erkennen. Aus dem Jägerzaun rund um das Gebäude sind die Latten herausgebrochen worden. Fenster und Türen des Hauses sind mit Brettern verrammelt und zugenagelt. Etliche Jahre liegt die letzte Renovierung dieses Hauses zurück das bereits zu Zeiten der DDR errichtet wurde. Hier, in dieses Haus am Rande der Stadt sollen die Flüchtlinge einquartiert werden. Dagegen machten unmittelbar nach dem ersten Bekanntwerden dieses Planes eine Gruppe von Anwohner_innen Front.

„Ich habe nichts gegen Ausländer. Aber…“ (mehr …)

NDR Panorama über Wolgast

Mittwoch, November 14th, 2012

Was kommt nach morgen?

„Ich danke allen, die für eine gelebte Demokratie, für unser Gemeinwesen eintreten“ Lorenz Caffier

Donnerstag, November 8th, 2012

Sie finanzieren die Neonaziszene mit V-Leuten, lassen über 10 Jahre lang eine Terrorbanden morden und schreddern die Akten, um eine Aufklärung zu verhindern – oder schweigen sich wie im Fall Mecklenburg Vorpommern einfach hartnäckig aus, sie schnüffeln und schreiben hinter Punkbands her und jetzt telefoniert die Polizei auch noch Busunternehmen ab, damit diese keine Menschen zu Protestkundgebungen gegen menschenverachtende Neonazi-Märsche befördern. Was lehrt uns all dies über sog. „extremistische Potenziale“ und „eine gelebte Demokratie“ (Lorenz Caffier) in Mecklenburg Vorpommern?

Polizei versucht demokratische Gegenproteste in Wolgast zu behindern

Polizei versucht Anreise von demokratischen Gegendemonstranten zu behindern – Bündnis „Rassisten stoppen“ mobilisiert weiter

Am bevorstehenden Freitag, den 9. November, will die neonazistische NPD in Wolgast aufmarschieren. Ein Verbot der Demonstration durch die Versammlungsbehörde wurde am Mittwoch vom Verwaltungsgericht unter Auflagen aufgehoben. Unterdessen versucht die Polizei offenbar unter dem Deckmantel der Gefahrenprävention, legitimen und friedlichen Protest gegen den Aufmarsch zu verhindern. (mehr …)

#wolgast

Donnerstag, November 8th, 2012

blog.17vier.de:

München, Rostock, Wolgast? Das Problem heißt auch Kontinuität!

Am Montag verbot der Landkreis Vorpommern-Greifswald die für Freitag von der NPD angemeldete Demonstration in Wolgast. Die Neonazis planen, am 9. November mit Fackeln vor dem neuen Flüchtlingsheim aufzumarschieren. Der Landkreis begründete das Verbot damit, dass der Aufzug nicht im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stünde. Bezogen auf die Geschichte des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung sei gerade dieser Tag ein besonderer Gedenkanlass.

“AM 9.11. KANN JEDER NATIONALIST DER SCHÖNEN STADT WOLGAST EINEN BESUCH ABSTATTEN”

Die NPD reagierte erzürnt auf das Verbot und kündigte juristische Schritte dagegen an. Ungeachtet der Verfügung rief sie ihre Anhänger weiterhin dazu auf, am Freitagabend nach Wolgast zu fahren: “Verbot oder nicht, am 09.11 kann auch jeder Nationalist gerne einmal der schönen Stadt Wolgast einen privaten Besuch abstatten”, fordert der Landesverband seine Anhänger auf und droht damit …

Webmoritiz: Mit Lampions, Blockaden und Verbot gegen Nazi-Fackeln